AUSFLUGSTIPP – Hamburg

30. Juli 2016

Eine meiner Lieblingsstädte in Deutschland ist definitiv Hamburg.

Auch wenn ich absolut kein Stadtmensch bin, übt sie auf mich eine große Faszination aus – jedesmal auf’s neue – jedesmal anders.
Die Stadt ist für mich grenzenlos vielfältig – die Historie, die vielen Parks, der Hafen, die Speicherstadt, die City zum shoppen, die kulinarischen Möglichkeiten… und ständig irgendwie Wasser in Sicht – himmlisch.
Tipps für Hamburg zu geben ist heikel und schwer, sind die Geschmäcker doch hierbei seeehr verschieden – somit berichte ich einfach nur über Dinge, die wir über die Jahre gesehen / besucht haben etc.
Um sich zuerst einmal einen groben Überblick über Hamburg zu verschaffen, empfehle ich eine Stadtrundfahrt mit einem der roten Doppeldecker Busse, die am Hinterausgang des Hauptbahnhofes stehen. Es sind Hopp on / hopp off Busse, was heißt, man kann an diversen Stationen aussteigen, sich umschauen und wenn der nächste Bus kommt einfach wieder einsteigen – eine feine Sache. Die „City Highlights Tour“ fährt zum Beispiel an der Außenalster durch das Konsulatsviertel, über die Schöne Aussicht, über die Binnenalster am Rathaus und am Michel vorbei, über die Reeperbahn, an den Fischmarkt und die Landungsbrücken, zur Speicherstadt und Hafencity usw. Es gibt aber mehrere Touren zu unterschiedlichen Themen, auch in Verbindung mit Kombi Tickets zu anderen Sehenswürdigkeiten.
Ansonsten können wir absolut die „Hamburg Card“ empfehlen (auch wenn man nur einen Tag hier ist), denn durch sie hat man freie Fahrt mit Bus, Bahn und Fähren, sowie bis zu 30% Ermäßigung auf Hafen und Stadtrundfahrten und weitere Vergünstigungen bei vielen Sehenswürdigkeiten (erhältlich online oder im Tourismusamt, z. B. im Hauptbahnhof).
Also einen  S  und U Bahn Plan besorgen und los geht’s.

Mein erster Lieblingsplatz in Hamburg sind die Landungsbrücken…. das hat hier was von großer, weiter, Welt – maritimer geht’s nicht.


Das Ensemble der Landungsbrücken im Stadtteil St. Pauli, ist Gebäudetechnisch interessant, aber sogleich auch ein Verkehrsknotenpunkt. Hier herrscht pures Gewimmel. Touristen, Einheimische, Souvenirläden, Kapitäne und Besatzungen von Großseglern, Kreuzfahrschiffen, Fischbrötchen, Cocktails, Hafenrundfahrten, Cafes, Barkassenfahrten, Steaks, Museumsschiffe, Shuttels zu den Musicalstätten, usw., usw. – nichts, was es hier nicht gibt – ohne Witz. Machen sie sich den Spaß, genießen sie einen teuren Cafe und betrachten sie sich einfach mal den Trubel – es lohnt sich.
Der erste Schiffsanleger wurde hier übrigens 1839 eröffnet. 1907 wurde ein neuer Anleger aus Tuffstein gebaut, er bestand aus schwimmenden Pontons und war über 9 bewegliche Brücken vom Festland aus zu erreichen. Der 2. Weltkrieg zerstörte die Konstruktion. Von 1953 – 1955 errichtete man die heutigen Pontons, die immer wieder erneuert und modernisiert werden.
Die Landungsbrücken haben sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Touristenmagnet entwickelt, nicht zuletzt wohl wegen der am gegenüberliegenden Elbufer gelegen Musicalbühnen. In der Nachkriegszeit legten hier die Überseeschiffe der deutschen Auswanderer ab, später dann die regelmäßig verkehrenden Englandfähren (kann ich mich aus eigener Erfahrung noch dran erinnern)
[Stefan]

Um das komplette Ausmaß des Hafens zu erfassen sollte man auf jeden Fall eine Hafenrundfahrt machen. Man kommt sich unterhalb der riesigen Containerschiffe klein, wie eine Maus, vor und es ist hoch informativ, was man hier über die Arbeiter im Hafenbereich erfährt.

Man fährt vorbei an der Hafen City, dem neu errichteten Stadtteil von Hamburg (Baubeginn 2001, Ende vmtl 2025). Hier sollen weitere 6000 Wohnungen für 14.000 Bewohner und 45.000 neue Arbeitsplätze entstehen.


Auch die Elbphilharmonie sieht man vom Schiff aus – das Konzerthaus mit der beindruckenden Glassfront, es soll das neue architektonische und musikalische Wahrzeichen Hamburgs werden. Die Eröffnung ist für 2017 geplant.
Finanziell und Planungstechnisch ist die Elbphilharmonie quasi der Vorgänger von Stuttgart 21 oder dem Berliner Flughafen.
[Stefan]
Fast zurück an den Landungsbrücken sieht man beim vorbeifahren die Rickmer Rickmers, ein dreimastiges Museumsschiff, das 1896 vom Stapel lief. Das Schiff ist ein wahrer Weltenbummler, es fuhr zum Beispiel Reis und Bambus aus Hongkong nach Deutschland, es bereiste die USA und den Indischen Ozean, sowie viele weiter Länder in Fernost. Ab 1912 hatte es die Aufgabe Kohle von Wales nach Chile zu transportieren und Salpeter von Chile zurück nach Europa. Im ersten Weltkrieg wurde es zum Segelschulschiff umfunktioniert. Seit 1983 liegt die Rickmer Rickmers wieder in Hamburg und wurde zum Museum umgebaut. Seit einiger Zeit ist auch das Klettern in der Tagelage in einem eigenen Hochseilgarten möglich.
In unmittelbarer Nähe liegt die Cap San Diego, ein ausgemusterter Stückgutfrachter und heute ebenfalls ein Museumsschiff. Auf Grund der schneeweißen Bordwand wird das Wahrzeichen an den Landungsbrücken auch liebevoll der „weiße Schwan“ genannt. Im Gegensatz zur Rickmer Rickmers ist das Schiff allerdings noch voll fahrtüchtig und präsenteiert sich gerne z. B. bei Hafengeburtstagen oder Museumsfahrten. Sehr alt ist das Schiff noch nicht, denn ws wurde 1961 erbaut und fuhr über 20 Jahre auf der Südamerika Linie

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Wer die Möglichkeit hat, mal eine Fahrt mit der Cap San Diego zu unternehmen sollte es sich auf keinen Fall entgehen lassen, es lohnt sich allemal. Leider sind meine Bilder noch aus dem „analogen Zeitalter“. Auch sind mittlerweile Übernachtungen an Bord, in den original restaurierten Kabinen möglich. Nähere Infos unter www.capsandiego.de.
[Stefan]

 

Nach der Hafenrundfahrt werden wir dann wieder zu Landratten – in unmittelbarer Nähe der Landungsbrücken ist das Areal des Fischmarktes im Stadteil St. Pauli. Jeden Sonntag lockt diese Attraktion bis zu 70.000 Besucher an. Es ist eine gigantische Atmosphäre, wenn unzählige Marktschreier ihre Aale, Käse, Wurst und Obst an den Mann bringen wollen. Hier bekommt man einfach alles, vom Schlafanzug über Tiere, Korb- und Lederwaren, es ist wahrlich ein Supermarkt unter freiem Himmel , in den angrenzenden Markthallen ertönt morgens bereits live Musik (Öffnungszeiten beachten: März – November 5:30 – 9:30, 15. November – 14. März 7:00 – 9:30, immer Sonntags).

Hier an der Elbe, unmittelbar neben dem Fischmarktgelände, kann man ein russisches U-Boot, die U-343, besichtigen. Es ist das weltweit größte, nicht atomar angetriebene U-Boot.

Das Boot wurde 1976 erbaut , ist 90m lang, aber nur 8,70m breit und ist somit nicht geeignet für Menschen mit Platzangst. Ebenso sollte man etwas beweglich sein, da man durch mehrere Lucken klettern muss. Am besten schließt man sich einer Führung an um ja keine Informationen oder ein Detail zu verpassen. Das Boot wurde fast 26 Jahre von den Russen an der amerikanischen Ostküste als Spionageboot eingesetzt.

Ziemlich parallel zum Hafen und den Landungsbrücken verläuft die sagenumwobene Reeperbahn – die sündige Meile Hamburgs. Erst in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde diese bunter Amüsiermeile geboren, Nachtclubs wurden eröffnet und oftmals wurde darin mehr als Striptease angeboten. 1960 spielten hier auch die Beatels im Star Club eines ihrer ersten Konzerte, woran heute noch ein Denkmal erinnert.
Vor Jahren war ich mit der Mädel’s Clique in Hamburg unterwegs, unter anderem sahen wir uns auf der Reeperbahn im Schmidt Theater   ein Stück an und ich muss zugeben, dass ich hier ein mulmiges Gefühl hatte, mich ständig begafft fühlte und definitiv froh war, als wir im Taxi zurück zur Unterkunft fuhren. Wer meint, um mitreden zu können, er müsse sich die Reeperbahn ansehen, der soll es aber bitte tun.
Allerdings hat die Reeperbahn und ihre Seitenstraßen auch musikalisch etliches zu bieten, die Beatels waren ja schon hier, wenn auch ein wenig her, erwähnt. Daher lohnt sich bei einem Hamburg Besuch durchaus mal der Blick in den Veranstaltungskalender, zum Beispiel, „der Großen Freiheit“, den „Docks“, des „Rock Cafe“, „Grünspan“.
[Stefan]

Ich fokussiere mich lieber auf einen weiteren Lieblingsplatz in Hamburg – die Speicherstadt, deren Besuch bei keinem Hamburg Trip fehlen sollte. Das größte Lagerhausesemble der Welt, ist für mich immer wieder aufs neue faszinierend.
Seit Juni ist die Speicherstadt und das Kontorhausviertel UNESCO Weltkulturerbe,
Der Komplex erstreckt sich auf ca. 26 Hektar und wurde zwischen 1883 und Ende der 1920 Jahre auf tausenden Eichenpfählen erbaut. Trotz das Hamburg 1871 dem Deutschen Kaiserreich beitrat, blieb die Stadt weiterhin Zollausschlussgebiet. Durch den vereinbarten Zollauschlussvertrag änderte sich dies allerdings 1881. Das Gebiet in dem weder Zölle noch Einfuhrumsatzsteuer gezahlt werden musste, wurde auf das Gebiet des Freihafens begrenzt. Der endgültige Anschluss Hamburgs an das Kaiserreich war für 1888 geplant – es waren also 7 Jahre Zeit um die Lagerkapazitäten um den Freihafen zu schaffen – die Speicherstadt entstand.
Doch zuerst, bevor die Kontorhäuser 1883 entstanden, mussten 24.000 Mensche ihr zu Hause verlassen und über 1000 Häuser abgerissen werden.
Die Speicherstadt wurde offiziell, durch die Unterbrechung des 1. Weltkrieges, 1927 fertig gestellt. im zweiten Weltkrieg wurde der westliche Teil weitestgehend zerstört und der Wiederaufbau war erst 1967 abgeschlossen.

Zu den bekanntesten Gebäuden der Speicherstadt zählt das Wasserschloss am Ende des Holländischen Brooks (früher war dies der einzige Ort, der bewohnt sein durfte), das Cafe Fleetschlösschen am Brooktorkai, die Wache der Wasserschutzpolizei an der Kehrwiederspitze oder z. B. das Speicherstadtrathaus. Heute beherbergen die Gebäude des Areals überwiegend Freizeitangebote wie z. B. das Miniaturwunderland – das Eldorado für Modellbaufreunde.

Über 1 Million Besucher sahen die Ausstellung bereits. Auf 1300 qm fahren ca. 930 Züge auf 13 km Gleislänge und sogar Schiffe schippern auf Wasser. Gesteuert wird das ganze durch 46 Computer und fast 300 Mitarbeiter sorgen dafür, dass hier alles wie am Schnürchen läuft. Die Ausstellung wächst seit dem Jahr 2000 stätig weiter, und neben allen Sehenswürdigkeiten von Hamburg ist schon ein Großteil der Erde im Miniatur Wunderland vertreten.
Mit dem Vormat 1:87 mag alles recht kleich sein – aber glauben sie es ruhig , die Augen werden bei diesem Meisterwerk an Modellbahn – Anlage riesen groß.
Der Andrang ist das ganze Jahr sehr groß (so betrug die normale Wartezeit an einem Wochentag Nachmittag im November über 3 Stunden). Um Wartezeiten von mehreren Stunden zu vermeiden, können Karten für eine bestimmte Uhrzeit im Internet reserviert werden. Dann entfällt das Warten…
[Stefan]

Direkt neben dem Miniaturwunderland liegt das Hamburg Dungon – das Programm könnte nicht kontrastreicher sein, denn in diesem Gebäude erwartet einem die dunkle Vergangenheit Hamburgs – die grauenvolle Geschichte erwacht zum Leben. Vorab empfehle ich Tickets online zu buchen, denn auch hier kann die Wartezeit mehrer Stunden betragen. Kinder dürfen erst ab 10 Jahren diese „begehbare Geisterbahn“ betreten – groß und klein sollten gute Nerven haben. Per Geisterfahrstuhl geht es hinab und man taucht förmlich ein in die Geschichte Hamburgs. Düstere Gestalten berichten über Pest, das große Feuer von 1842 ist zu spüren – und selbstverständlich schließt man Bekanntschaft mit Klaus Störtebeker. Immer wieder wird das Publikum mit einbezogen oder gar der eine oder andere rausgepickt und ist dann selbst einer der Darsteller. Der Rundgang mit abschließendem „Fall in die Hölle“ dauert ca. 1,5 Stunden – und starke Nerven sind ein Muss.
Die mutige Geschichtsfrau erfährt allerdings alles, Foltermethoden kann man schon mal am eigenen Leib sprüren und bei einer kleinen rasanten Bootstour ist man Teil der Hafengang. Aber wer schwarzen Humor besitzt, den bringen die Schauspieler zwischendurch auch immer wieder zum Lachen.
Ein wahrhaft geistreiches Erlebnis.

Um die Ecke geht es dann wieder ruhiger und beschaulicher zu, dass Spicy’s Gewürzmuseum ist eines der beliebtesten Museen der Stadt – bekommt man so was ja auch nicht überall zu sehen. Das 1991 eröffnete Haus empfängt im Jahr ca. 200. 000 Besucher. Auf 350 qm erfährt man wirklich alles zum Thema Gewürze – kann über 50 Gewürze anfassen, riechen und probieren. Man kann es kaum glauben, wie verschieden die Wirkung und Anwendung der einzelnen Sorten sind.
Auch über den geschichtlichen Einfluss – welcher gerade eng mit Hamburg, der Speicherstadt und der Seefahrt verbunden ist, erfährt man sehr viel.
Wenn ich ehrlich bin, hätte ich niemals gedacht, dass ein trocken klingendes „Gewürz Museum“ so spannend und informativ sein kann.

Vom Hafengebiet und der Speicherstadt begeben wir uns nun in das Herz Hamburgs – die Innenstadt hat natürlich alles zu bieten, was eine Großstadt ausmacht, alleine zum shoppen bräuchte man hier einen ganzen Tag. Die Mönckebergstraße ist die Haupteinkaufsstraße zwischen dem Hauptbahnhof und Rathaus. Dieser Prachtbau aus dem 19. Jahrhundert ist nicht nur Sitz von Senat und Bürgerschaft, sondern auch eines der schönsten und imposantesten Häuser Hamburgs, alleine deswegen lohnt sich die angebotene Führung sicher allemal. In Unmittelbarer Nähe finden wir hier ein riesiges Shoppingcenter – die Europa Passage, sowie den Jungfernstieg als historische Flaniermeile.
Am Rathausmarkt kann man ein Minimuim an venezianischem Flair entdecken, denn hier liegen die Alsterarcaden mit ihren weißen Rundbögen und Terrassen. Wenn man sich hier in einem der exclusiven Cafes niederlässt, meint man wirklich man sei in Italiens Lagunenstadt, wahrscheinlich auch weil die Binnenalster zum greifen nahe ist. Hier kann man sich z. B. am Alsterpavillion herrlich an einem leckeren Eis erfrischen, oder eine kleine Rundfahrt per Schiff machen – egal was – einfach mal genießen.

Unser letzter Abstecher, etwas abseits der Innenstadt, führt uns zum Park „Planten un Blomen„, der auf der ehemaligen Wallanlage entstanden ist. Auf der 47 Hektar großen Fläche gibt es einiges zu entdecken und als Pflanzen und Blumenfreund ein Muss – wurde mir gesagt – nunja – sicher sind die Hamburger froh, in ihrer Großstadt solch einen Park zu haben, mit zahlreichen kleinen Seen, Kinderspielplätzen, Rosengarten, japanischer Garten, Kletterparcour und einem Tropenhaus. Es gibt einen Minigolfplatz, eine Rollschuhbahn und im Winter Deutschlands größte Outdoor Eisbahn.
Ich muss allerdings gestehen, mich hat der Park nicht vom Hocker gerissen. Entweder waren wir zum falschen Zeitpunkt da, haben an der falschen Stelle angefangen durchzubummeln oder aber, unser Besuch war zu kurz – aber eine zweite Chance bekommt er sicherlich.

Hamburg hat 1000 Gesichter, abertausende Möglichkeiten sich in der Freizeit zu Vergnügen – auf jeden Fall mal ein Musical besuchen – es lohnt sich 100%. Habe hier schon 3 x König der Löwen und Tarzan gesehen. Es laden unendlich viele Sehenswürdigkeiten zum Besuch ein und kulinarische Genüsse findet man fast an jeder Ecke.. Somit – oder genau deswegen komme ich immer wieder gerne in diese Stadt und entdecke wahrscheinlich auch noch das 1001 Gesicht.

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