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Ausgetretene Pfade – Ausflugstipps

4. September 2016

Im zweiten Teil unserer kleinen Schwarzwaldserie „Ausgetretene Pfade“ geht es heute um weitere Ausflugstipps und Tagesausflüge.

Triberger Wasserfälle

Knappe 40 km von Sankt Märgen entfernt liegen die Triberger Wasserfälle, die mit 163 Metern Fallhöhe zu den höchsten Fällen in Deutschland gehören. Es gibt 4 verschieden Eingänge,

  • Haupteingang Stadtmitte (Ludwigstr.)
  • Bergsee
  • Scheffelplatz
  • und der obere Eingang „Adelheit“

Alle Eingänge sind wirklich gut ausgeschildert und leicht zu finden.
Wir benutzen den oberen Eingang, das ist zwar nett, weil man zuerst hinabgehen kann – aber irgendwann muss man ja auch wieder hinauf zum Auto – und das war bei der Hitze wirklich anstrengend.

Aber wie immer zuerst ein paar Fakten.
Die Wasserfälle werden von der Gutach gespeist und sind in 2 Gruppen eingeteilt. Die oberen Fälle haben 3 Stufen und nach einem steilen Sturzbach Abschnitt, folgen die 7 stufigen Hauptfälle – wo in einer Sekunde im Schnitt 650 Liter Wasser herunter rauschen.
Bereits 1805 wurden die Wasserfälle durch einen Weg erschlossen und im Jahr 1884 konnte man durch die Wasserfälle hier die erste elektrische Straßenbeleuchtung installieren.
Heute sind die Wege wirklich gut ausgebaut und überwiegend asphaltiert, wobei natürlich etliche Brücken und Stufen von den jährlich etwa 500.000 Besuchern, zu überwinden sind. Die Fälle sind im Normalfall täglich bis 22:00 Uhr geöffnet und ab Einbruch der Dunkelheit beleuchtet – was wir leider noch nicht gesehen haben, genau wie die winterlichen Wasserfälle, wenn alles vereist ist. Aber auch im Herbst (im Sommer soll es hier sehr überlaufen sein) ist es ein wunderschönes Naturschauspiel wenn die Wassermassen schäumend und tosend herabfallen. Nach starkem Regen und eintretender Schneeschmelze sind die Wassermassen hier wirklich enorm. Die Gischt versorg einem nahezu die ganze Zeit mit einer kühlen Erfrischung, was zu einem ständigen putzen der Fotoausrüstung führt und der Geräuschpegel durch das Tosen des Wassers ist sehr hoch.

Die Wasserfälle sind ein Eldorado für Naturliebhaber, denn auch am Wegesrand gibt es viel zu entdecken – putzige Eichhörnchen schauen ganz frech aus allen Ecken und freuen sich über mitgebrachte Erdnüsse, so kommt man natürlich in vielfacher Weise dazu, unendlich viele Bilder bei diesem Ausflug zu schießen. Auf jeden Fall sollte man feste Schuhe anziehen, der Ab / Aufstieg ist ziemlich steil und überwiegend feucht vom Spritzwasser. Im Bereich des Haupteinganges gibt es die Möglichkeit einzukehren oder in ein paar netten Geschäften zu bummeln.
Alles in allem ein wirklich lohnender Ausflug – der aber doch sehr anstrengend sein kann…
Ich komme sehr gerne immer wieder hier her – gerade weil es immer wieder anders ist – je nach Jahres- oder Tageszeit, oder wie das Wetter gerade ist…. je nachdem welche Gedanken man gerade mit sich trägt – hier kann ich wunderbar durchatmen und zur Ruhe kommen – was gibt es schöneres?

 

Tosende Wassermassen

Etwa 100 km und ein Grenzübergang von Sankt Märgen entfernt, liegt in der Schweiz der Rheinfall von Schaffhausen. Der Ausflug ist somit absolut nur als kompletter Tagesausflug zu bewältigen – aber definitiv empfehlenswert und beeindruckend. Die Wasserfälle in Neuhausen zählen zu den drei größten in Europa, denn dem Hochrhein wurde auf seinem Weg vom Bodensee nach Basel etliche Gesteine in den Weg gestellt – ein Hindernis eben, hier der Rheinfall mit 23 Meter Höhe und 150 Meter Breite, in der Prallzone ist er etwa 13 Meter tief. Bei einer mittleren Wasserführung des Rheins donnern hier pro Sekunde etwa 373.000 Liter Wasser die Felsen hinab. Die höchste Ausflussmenge wurde 1965 mit 1.250.000 Liter / Sekunde gemessen und die geringste mit 95.000 Litern im Jahr 1921.
Auf Grund der Wassermassen und des Gefälles ist der Rheinfall für Fische flussaufwärts nicht zu überwinden.
Bereits vor 500.000 Jahren kam es durch Temperatursenkungen und ersten Gletschervorstößen zur heutigen Landschaftsprägung. Vor ca. 14.000 – 17.000 Jahren bekam der Rheinfall seine heutige Form.
Ich war wirklich schon oft hier in Neuhausen, aber jedes mal aufs neue, wenn ich vom Parkplatz am nördlichen Ufer die Promenade entlang laufe (welche übrigens 365 Tage im Jahr zugänglich ist) und den ersten Blick auf den Rheinfall habe, verschlägt es mir schier die Sprache. Dieses Naturspektakel ist wirklich atemberaubend. Die nächsten paar Stunden muss man sich bei der Besichtigung allerdings dezent brüllend unterhalten, denn je nachdem wie dicht man dran ist an den Wassermassen, ist das Tosen sehr laut – man hat allerdings wirklich ein „mittendrin Gefühl“.
Hier am Nordufer sticht einem Gebäudemäßig zuerst das „Schlössi Wörth“ ins Auge, das auf einer kleinen, wasserumspülten Insel liegt. Im 13. Jahrhundert wurde es erstmals erwähnt und diente einst als Umschlagplatz an der Ost / West Handelsstraße vom Bodensee nach Basel. Als Mitte des 19. Jahrhundert die Eisenbahn ihren Siegeszug begann verlor die Städte aber ihre Bedeutung. Heute ist hier ein sehr feines Restaurant zu finden.

Ein paar Meter weiter werden kleine Schifffahrten angeboten, entweder ganz gemütlich den Rhein hinunter  oder man kann eine kleine Rundfahrt im Becken nutzen, um alle möglichen Details über den Rheinfall zu erfahren. Ebenso gibt es die Möglichkeit, sich zum Rheinfallfelsen bringen zu lassen, der mitten in den tobenden Wassermassen steht, um diesen dann über die steilen Treppen zu erklimmen.
Läuft man einfach weiter die Promenade entlang, kommt man, nachdem man etliche Cafes, Imbissbuden und Souvenirläden hinter sich gelassen hat, zum eigentlichen Weg zum Südufer Richtung Schloss.

Zuerst aber kommt man an einem alten Mühlenrad, welches heute ein nettes Foto Motiv ist, aber im 12 Jahrhundert ein Hammerwerk mit seiner Wasserkraft antrieb. Immer wieder findet man am Wegesrand nette Aussichtspunkte mit unterschiedlichen Perspektiven auf das Naturschauspiel.
Wenn  man die breiteste Stelle der Fälle über die Eisenbahnbrücke von 1857 (mit Fußweg) überquert hat, ist das schon sehr beeindruckend – und man spürt es wirklich förmlich, welch eine Kraft und Energie das Wasser hat.
Nun sind wir am südlichen Ufer bei Schloss Laufen angekommen. Dieses hat in der Regel von 8:00 – 19:00 Uhr geöffnet und kostet Eintritt. Hier findet man u.a. ein Snack / Bistro, ein Souvenirshop, eine Schloss Ausstellung und einen Erlebnispfad. Zwei besondere Highlights sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen zum einen den gläsernen Panoramalift und die    Aussichtsplattform direkt über dem Fall – gigantisch!!
Das früh mittelalterliche Schloss Laufen, welches auf einem Felssporn errichtet ist, wurde 858 erstmalig urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit hieß der Wasserfall auch noch „großes Laufen“. 100 Jahre herrschten hier die Freiherren von Laufen in einer Vogtei.
1544 gingen die Schlossrechte an die Stadt Zürich über, doch nach der französischen Revolution lassen sich hier 1804 wieder Pächter nieder. 1941 übernahm der Kanton erneut das Schloss von den Nachfahren des Bleuer Geschlechts. Schließlich gewann die Tourismusdestination der Schweiz 2009 die Führung des Gebäudes, und so ist es auch noch heute.
Durch das große Areal dieser wirklich grandiosen Sehenswürdigkeit, verlaufen sich Gott sei Dank die Touristenmassen und überall findet sich eine nette Bank mit Blick zum Wasserfall, von der aus man wunderbar dieses Naturspektakel auf sich wirken lassen kann.

 

Vom Winde verweht, der Lotharpfad

Absolut zufällig haben wir diesen Ausflugstipp entdeckt. Sollte man sich also irgendwo auf der Schwarzwaldhochstraße (B500) in der Nähe von Freudenstadt (20 km) oder Baden Baden (Ca. 35 km) befinden, lohnt sich der kleine Abstecher hierher alle mal.
An Weihnachten 1995 tobte der Orkan Lothar mit Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h über dem Schwarzwald. Die Verwüstungen waren damals Emens. Hier hatte die Naturschutzverwaltung allerdings eine gute Idee, denn sie beschloss, eine ca. 10 ha große Sturmfläche sich selbst zu überlassen. So konnte man die natürliche Regeneration wunderbar beobachten.
So entstand 2003 der ca. 1 km lange Lehr und Erlebnispfad.


Vom Parkplatz aus beginnt direkt der Fußweg hinein ins Abenteuer Natur. Die urigen Wege führen über Stege und Treppen, vorbei an kahlen Baumstämmen und riesigen Wurzeln, man kann Leitern erklimmen und kommt an Ameisenhaufen und gigantischen Farnen vorbei. Viele umgestürzte Bäume säumen, genau wie Massen von Heidelbeeren, den Weg (im Juli war hier alles blau und viele Menschen sammelten Früchte). Auf der Aussichtsplattform hat man eine großartige Sicht und kann wunderbar erkennen, wie die Natur sich hier alles zurück erobert und wie sich alles neu besiedelt.
Es ist wirklich ein spannender und lehrreicher Spaziergang der anderen Art. Für etwas ältere Kinder (Grundschulalter) besonders geeignet. Auf festes Schuhwerk achten und rein ins Vergnügen……

 

Kirchen die uns hier begeistert haben

Wer uns kennt, oder unseren Blog öfters verfolgt, der weiß, wir lieben Kirchen zu besuchen und dort zu fotografieren. Die Stimmung und das Licht in diesen Gebäuden einzufangen ist hierbei die Kunst und manchmal liegt etwas großartiges in den winzigen Details. Im Schwarzwald gibt es natürlich zahlreiche Kirchen oder Kapellen – jede auf ihre Art schön. Drei Gotteshäuser wollen wir aber dennoch, neben den im ersten Teil erwähnten, hervorheben und beschreiben.

Zum einen wäre hier der „Dom“ von Sankt Blasien,
südlich vom Schluchsee, im Landkreis Waldshut. Das Gebäude im ca. 4000 Seelen Städtchen ist ziemlich bekannt, und wenn man es zum ersten mal sieht, denkt man gleich, „das habe ich auf irgendwelchen Fotos schon mal gesehen….“
Wenn man die Kirche kurz und knapp beschreiben sollte, könnte man zB sagen, dass es ein Meisterwerk des Frühklassizismus sei. Aber etwas ausführlicher sollten wir doch, wie immer werden.
Bereits 858 wurde das Gebäude erstmals als Benediktiner Kloster erwähnt, und war schon im Mittelalter eines der wichtigsten im süddeutschen Sprachraum. 1771 entstand dann die eigentlich Kuppelkirche, die diese Gegend heute so prägt. Leider wurde dem Kloster die staatliche Nutzung 1806 entzogen und bereits 1809 wurde darin eine der ersten deutschen Maschinenfabriken (eine Spinnerei) eingerichtet, welche aber einem Brand zum Opfer fiel und 1874 wieder aufgebaut wurde. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise ging die Spinnerei 1931 allerdings in Konkurs. Jesuiten leiteten danach ein renommiertes College und Internat im Klostergebäude.
Bekannt wurde Sankt Blasien auch durch den Bau des Kurhauses im Jahre 1882. Berühmtheiten aus aller Welt genossen hier mehrwöchige Aufenthalte und so entwickelte sich eine europaweit bekannte medizinische Institution.  1897 bekam dann Sankt Blasien die Stadtrechte zuerkannt und somit auch die Zustimmung zur endgültigen Renovierung der Kuppelkirche. Das heutige  Erscheinungsbild der Kirche ist eine Arbeit von 39 Jahren Betreuungs- und Denkmalpflege.
Nun zur Kirche selbst. Steht man direkt vor dem Gebäude ist es schon gewaltig und imposant – zählt sie doch derzeit zu den größten Kuppelkirchen Europas. Die Gesamthöhe beträgt 62 Meter, die Spannweite 36 Meter – man erkennt es tatsächlich, dass sie nach dem Vorbild des Pantheons in Rom erbaut wurde. Die Kirche ist im sogenannten Zopfstil erbaut – was im Übergang der Epochen des Rokoko zum Klassizismus üblich war. (Zopf = synonym für altmodisch). Das Gebäude besteht aus drei Hauptteilen – Vorhalle und Türme – rotundenförmiges Laienhaus – lang gestreckter Chor.

Die Glockentürme mit ihren 9 Glocken sind 12 Meter breit und 30 Meter hoch – sie bilden mit der Vorhalle die Front der Kirche.
Auf dem Domplatz – also vor der Kirche – steht der Blasiusbrunnen aus dem Jahr 1714 – mit dem namensgebenden Schutzpatron.
Wenn man das innere der Kirche betritt, ist man fast geblendet – denn hier ist alles weiß – was dem kompletten Innenraum eine wahnsinnige Weite und Offenheit schenkt – die Einfachheit ohne viel Prunk und Protz hat mich sehr fasziniert.
Die Innenkuppel steht auf 10 im Kreis angeordneten korinthischen Säulen – darüber befindet sich eine Galerie mit 17 Fenstern – überall sieht man stark strukturierte Stuckteile. Das Deckengemälde in der Kuppel ist von 1912. Erkundet man das Gotteshaus weiter, entdeckt man im linken Glockenturm die Peter + Paul Sakrament Kapelle und im westlichen Glockenturm die Marien und Taufkapelle mit bayrischem Barockaltar.
Weitere 6 Seitenaltäre findet man in der Rotunde. Die heute zu sehende Orgel stammt aus Überlingen aus dem Jahr 1913 – einst stand hier eine Silbermann Orgel mit 51 Registern. Sehr chic fand ich auch den weiß / grauen Marmor Fußboden, der rosettenförmig verlegt ist.
Alles in allem eine sehr schöne Kirche, die durch ihre Schlichtheit punktet und dadurch sehr reizvoll ist – neben ihrer Kirchennutzung wird sie für kulturelle Anlässe und verschiedene Konzerte genutzt – schon wegen der Akustik sicherlich grandios!

 

Eine weitere Kirche, die uns sehr gefallen hat, ist das Münster „Unserer lieben Frau“ in Villingen

Eine Kirche der ganz anderen optischen  Art, im Gegensatz zur der Rundkirche in Sankt Blasien,  entdeck bei einem Bummel durch die Altstadt von Villingen.
In diesem kleinen Städtchen, entdeckt man viele Reste der alten Stadtmauer, etliche Stadttore und viele Brunnen … nette Cafes laden zum ruhen ein….
Die alemanische Stadt bekam im Jahre 999 von Rom die Markt, Münz und Zollrechte zugesprochen. Durch die damaligen hier herrschenden Zähringer und eben diesen zugesprochenen Rechte entwickelte sich im 12.Jhd. die Stadt Villingen.
Anfang des 12.Jhd. entstand somit der Vorgängerbau des heutigen Münsters – 1284 wurde der Bau für vollendet erklärt. Danach folgte wie in vielen Kirchen die Zeit der Veränderung ….., im Mittelalter zum Beispiel wurden hier nur wenige kleine Änderungen vorgenommen ,eine gotische Ausstattung zog ein.
1701 folgte die Barokisierung des Gotteshauses, welche kaum hundert Jahre hielt. Im 19.Jhd. folgte dann in mehreren Phasen die Ausräumung der Kirche, vieles musste dem damaligen Zeitgeschmack weichen. 1909 wird als das Jahr des Umbruches und Neuanfangs bezeichnet.
Wie schon zu Anfang beschrieben, ist es ein völlig anderer Anblick, als in Sankt Blasien wenn man diese Kirche betritt. War dort, das gänzliche Weiß die Großzügigkeit und das Licht das Besondere, ist es hier in Villingen das krasse Gegenteil, was meinen Atem zum stocken brachte, als ich den Münster betrete.
Enge ,Dunkelheit, Mystisch sind meines Erachtens die passenden Schlagwörter. Vom ersten Schritt an, hat mich diese Kirche in ihren Bann gezogen. Wie immer setze ich mich zu Anfang einfach in die Kirchenbänke, und lasse den Anblick auf mich wirken, die Gedanken kreisen ….

Was sticht mir besonders ins Auge ? Definitiv die gotische Steinkanzel, ein beeindruckendes Kunstwerk, auch die beachtliche Stuckdecke sollte man näher betrachten. Der neugotische Hochaltar würde sicher spannende Geschichten erzählen wenn er könnte – genau wie die neubarocken Seitenaltäre.
Eines der wertvollsten Stücke in der Kirche sind eine Steinplastik aus dem 14.Jhd. welche eine Pilgerkrönung zeigt, und die Apostelfiguren.
Eine klanggewaltige Stadtner Orgel mit 62 Registern steht auf der Empore.
Als „Herzmitte“ des Münsters wird allerdings das sich im nördlichen Turm befindende „finstere Chörle“ bezeichnet. Fand ich bis jetzt die Stimmung in der Kirche schon als außergewöhnlich, so verschlägt es mir echt die Worte als ich diese Kapelle betrete. Wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, erkennt man über einem Meer von Opferkerzen das sogenannte Nägelin Kreuz, das hier seit dem 2. Weltkrieg hängt. Vor Ergriffenheit rollt mir hier tatsächlich eine Träne über die Wange, der Anblick ist einzigartig und ich komme nicht drum rum auch eine Kerze anzuzünden um einfach Teil dieser Szenerie zu sein …. ich gedenke all denen die uns voran gegangen sind. Selten habe ich in einem Gotteshaus so viel Gänsehaut verspürt wie hier.
Zu erwähnen wäre noch, dass in jedem Glockenturm 10 (!) Glocken angebracht sind, dies rührt daher, dass Villingen einst das Zentrum der Glockengießerei war.
Um diese Tatsache wieder mehr Aufmerksamkeit zu geben, wurde 2006 hier eines der größten Glockenspiele im süddeutschen Raum mit 51 Glocken (!!!) eingeweiht. Es befindet sich im Südturm des Münsters in der sogenannten Glockenspielstube, und läutet 4 mal am Tag. Leider leider waren wir zu diesen Zeiten nicht in Villingen um in den Hörgenuss zu kommen.
Wenn man aus (oder natürlich auch möglich wenn man hineingeht J ) der Kirche kommt, sollte man übrigens noch einen längeren Blick auf die wertvollen Bronzeportale werfen …..
Ich war auf jeden Fall absolut geflasht von diesem Kirchenbesuch und kann es nur empfehlen, hier mal vorbei zu schauen.

Der Freiburger Münster

Vor ein paar Jahren, kamen wir in den unerwarteten Genuss den Freiburger Münster zu besichtigen, schon mehrfach wurde es uns empfohlen, unbedingt dort mal hin zu gehen, aber nie hat es zeitlich gepasst.
Als dann aber kurzfristig ein familiäres Treffen eingeschoben wurde, hatten wir zur Zeitüberbrückung die Idee, uns nun endlich diese Kirche anzusehen.
Vorab : Freiburg war an sich überhaupt nicht unsere Stadt, viel zu wuselig, viel zu hektisch, viel zu viele Fahrräder die kreuz und quer fuhren … irgendwie nicht unseres, aber ich bin sicher, wir geben dieser Stadt irgendwann nochmal in aller Ruhe eine zweite Chance.
Aber zurück zum Dom, denn der wiederrum hat uns sehr gut gefallen, so wie er da thront so mitten in der Stadt – imposant – groß – gewaltig!
Das Gotteshaus dient als Pfarrkirche der Dompfarrei und ist Kathedrale der erzdiözese Freiburg, ist sowie seit 1821 Bischhofskirche, nur das alleine, klingt doch schon sehr großartig oder?
Gerne wird sie, die Kirche, als nationales Kulturdenkmal bezeichnet, egal wie man auch dazu stehen mag, sie zählt zu den wenigen Großkirchen, die noch im Mittelalter vollendet wurden und die Kriege fast unbeschadet überstanden haben.
Der Bau des Münsters dauerte mehrere Jahrhunderte, von ca. 1200 bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Allerdings wurden immer wieder Ergänzungen und Anbauten durchgeführt und parallel Restaurierungen nötig …. bis heute.
Wer sich mit Architektur ein wenig auskennt, wird feststellen, dass es sich hier um ein architektonisches Meisterwerk der Gotik handelt.
Eine rechtliche Besonderheit soll hier am Rande noch erwähnt werden, denn ich gebe zu, ich hatte bisher von so etwas noch nie gehört: denn der Freiburger Münster gehört nicht der Kirche !? , DENN die Zähringer Herzöge begannen einst den Bau der Kathedrale und finanzierten ihn ebenso. Ab Mitte des 13. Jhd. übernahmen allerdings die Freiburger Bürger die Verantwortung für den Bau und dessen Stiftung. Nach langem Hick Hack wurde erst 1901 die endgültige Eigentumsfrage geklärt.
Es gibt seitdem einen Vertrag zwischen der Stadt Freiburg, dem Ordinariat, und dem katholischen Stiftungsrat. Somit gehört das Gebäude dem Münsterfabrikfond und die Stadt hat lediglich einige Benutzungsrechte.

Der ins Auge stechende Turm am Freiburger Münster wird übrigens „schönster Turm auf Erden“ genannt, wahrscheinlich schon alleine wegen seiner einzigartigen durchbrochenen Turmspitze. Insgesamt misst der Turm eine Höhe von 116 Metern und besitzt auf einer Höhe von 70 Metern eine Aussichtsplattform(täglich von 9.30 Uhr bis 16.45 Uhr und an Sonn und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr zu besichtigen). Ein Aufstieg auf den Turm lohnt sich meiner Meinung nach zum einen wegen der tollen Aussicht, zum anderen alleine schon wegen des Glockenwerkes.
Die Innenausstattung des Münsters ist wie erwartet gewaltig, das bedeutendste Stück ist der Flügel Hochaltar. Der zur Weihnachtszeit vier auswechselbare Bilder zum Geschehen zeigt, sowie ein Holbein Altar in einer der Chorkapellen.
Um den Hochchor gibt es einen Kapellenkranz mit 11 Kapellen. Seit 2003 wird dieser Chor zur Fastenzeit verhüllt. Dazu dient ein sogenanntes Fastentuch aus dem Jahre 1612, es ist seineszeichen das größte noch erhaltene Stück in ganz Europa und wiegt über eine Tonne!
Im Altarraum hängt seit 2009 ein riesiges spätromanisches Holzkreuz von 1200, welches 2,63m hoch und 1,45m breit ist,
Auf der Empore befindet sich eine vierteilige Orgelanlage, die mit 144 Registern, eine der größten Orgeln der Welt ist. Ebenso bilden 19 Glocken, wovon die älteste aus 1258 ist, eines der größten Domgeläute Deutschlands ( Gewicht 25 Tonnen !)
Die gesamten Glasfenster der Kirche sind sehr imposant, erstrecht, wenn man bedenkt, dass es noch die Originale sind, da sie vor den Bombenangriffen entfernt und bis nach Kriegsende ausgelagert wurden.

Während den Gottesdiensten kann der Münster natürlich nicht besucht werden, aber man erlebt Kirche doch sehr hautnah. Offene Zeiten: Mo. – Sa. 10-17 Uhr, Sonn und Feiertags 13 -19.30 Uhr)
Wer den Freiburger Münster besucht, sollte sich unbedingt etwas mehr Zeit einplanen, denn rund um das Gebäude gibt es Wochentags von 7.30-13.30 Uhr und Samstags von 7.30-14.00 Uhr einen fantastischen Markt. Auf der Nordseite der Kirche sind etwa 96 Stände mit Obst, Gemüse, Blumen etc. und an der Südseite stehen etwa 65 Händler mit Kunsthandwerk, Keramik, Gewürze, Holzartikel und div. Imbisbuden. Es ist einfach gigantisch hier einmal drüber zu bummeln.

So, nun wären wir am Ende unseres Schwarzwaldartikels angekommen, und ich freue mich, dass wir einige ausgetretene und einige neue Pfade gemeinsam betrachtet haben und ich bin mir sicher, wir zumindest werden hier noch öfters anzutreffen sein. Ich wünsche mir, dass wir Sie inspiriert haben, dieses wunderschöne Fleckchen Erde in Deutschland auch einmal näher zu betrachten, glauben Sie uns – es lohnt sich!!

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