Ausgetretene Pfade

29. August 2016

Die Welt zu Gast im Schwarzwald

Ich glaube ich war höchstens 12 Jahre alt, als ich das erste mal von meinen Eltern genötigt wurde, mit ihnen Urlaub im Schwarzwald zu mach (lach). Wiesen, Wälder, Wanderwege, Berge – aber sonst nix – genau das Richtige für einen Teeny 🙂 – und es sollte auch noch eine Weile – wenn nicht gar Jahrzehnte dauern, bis ich diese Gegend, die Ruhe und Weite zu schätzen lernte…
Dazwischen liegen  Jahre, die ich immer wieder mit meinen Eltern im Bärental oder in Breitenau verbrachte. Zeiten wo wir einen Tagesausflug dahin machten, nur um meine Eltern, die gerade mal wieder ihren „Herbst – Wander – Urlaub“ im Schwarzwald verbrachten, kurz zu besuchen. Jahre später, dem Reiz der wunderschönen Gegend längst erlegen – wiederhole ich das ganze Programm meiner Eltern und zeigte unseren Kids den Hochschwarzwald – mit genau dem mäßigen „Begeisterungs Ausbruch“ wie bei mir – damals.
Mittlerweile freue ich mich sehr, wenn es mal klappt und wir ein paar Tage Zeit finden um uns zu Entschleierungen – das geht hier nämlich wunderbar.
Schon wenn wir ins Glottertal hochfahren, ist es, als wenn mich eine andere Welt verschlingt. Das satte grün der Wälder, die herrlichen Wiesen, der Weitblick usw. lassen mich schlagartig zur Ruhe kommen – die viele frische Luft tut ihr übriges zum rundum wohlfühlen.

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Irgendwann über die Jahrzehnte sind wir in dem kleinen Örtchen Sankt Märgen hängen geblieben. Wie erwähnt liegt dieser Ort im Hochschwarzwald, ca. 18 km von Freiburg im Breisgau. Hier leben 1840 Menschen ganz beschaulich.  zwischen den Hausbergen Kandel und Thurner. Der Ort liegt auf ca. 900 m Höhe, herrlich eingebettet in viele Täler.

Wahrzeichen von Sankt Märgen ist die zweitürmige barocke Klosterkirche. Diese wurde 1716 in ihrer heutigen Form erbaut, nachdem die Mönche in den 1460er Jahren in andere Kloster umsiedelten. 1806 wurde das hiesige Kloster im Ort endgültig aufgelöst, heute befindet sich ein Museum in dessen Räumen.

Die Kirche von Sankt Märgen und die etwas vom Ortskern entfernt liegende Ohmenkapelle sind Wallfahrtsorte von Röm.-kath. Gläubigen.
Ein weiteres Gebäude, das einem ins Auge sticht, ist die „Goldene Krone“. Es wurde 1757 von einem Abt erbaut, ab 1771 wurde es von dem bekannten Bildhauer Matthias Faller bewohnt, der hier auch seine Werkstatt hatte. Später wurde das Haus als Hotel und Gasthaus genutzt.
Für Familien und Kinder sei der Pfisterwald erwähnt, hier gibt es einen Abenteuer und Waldspielplatz, Tennis, Reit und Fußballplatz, einen Natur Schwimmteich, Rodelbahn, Loipen und einen Mountainbike Rundkurs.
Zudem ist St. Märgen bekannt für seine Pferdezucht. Die Schwarzwälder Kaltblüter sind hier beheimatet und sind Thema diverser Feste.
Das Gasthaus Rößle ist hier in Sankt Märgen immer unsere Ferienunterkunft. Bei Familie Hermann fühlen wir uns schon seit Jahren wohl. Ob in der Ferienwohnung oder im Doppelzimmer, mit und ohne Hund – man fühlt sich jederzeit willkommen.

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Das Restaurant bietet traditionelle Schwarzwälder Gerichte (im Herbst heimisches Wild) und bei Halbpension kann man morgens aus 5 Gerichten wählen, alles inklusiv Vorspeise und Dessert.
Einige Zimmer sind frisch renoviert und eingerichtet – beim buchen danach fragen – wer gerne einen Balkon möchte, sollte auch hier nach fragen.
Wir genießen jedesmal die familiäre Atmosphäre in diesem urigen Gasthaus und so verschlug es uns (das erste mal im Sommer), aufgrund des 65. Geburtstages meiner Mutter, wiedermal hier her, back to the roots – oder so…

In der näheren und etwas weiteren Umgebung gibt es zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten, auf die ich im einzelnen eingehen werde. Die von uns erwähnten Ziele sind wie immer von uns besucht, erprobt und für erwähnenswert empfunden.

 

Dieses Jahr haben wir es tatsächlich einmal geschafft, im Nachbarort, Sankt Peter, an einer Führung in der Klosterkirche, der Bibliothek und des Festsaales teilzunehmen und es hat sich definitiv gelohnt. Vor der Führungsbeschreibung aber zuerst ein paar Info’s zu Sankt Peter an sich.
Das kleine Klosterdorf beheimatet 2500 Einwohner und verfügt über ein gut ausgebautes Netz an Wanderwegen, Langlaufloipen und Mountainbike Strecken. Durch zahlreiche Heimatfeste und Märkte, kann man behaupten, das Brauchtum hier noch gelebt wird –  das sieht und spürt man, wenn manch einfach so durch den Ort schlendert.
Optisch sticht einem hier natürlich sofort die Barockkirche Peter und Paul ins Auge, welche das Dörfchen überragt. Hier beginnt im Innenhof der ehemaligen Benediktiner Klosteranlage unsere Führung, welche 2 – 3 mal in der Woche stattfindet. Infos unter www.barockkirche-st-peter.de oder www.geistliches-zentrum.org.

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Das Ensemble aus Kirche, Kloster, Rokoko Bibliothek und Fürstensaal zählt zu den schönsten kunsthistorischen Anlagen Süddeutschlands. Teile der Kirche sind jederzeit öffentlich zugänglich, der hinter Hochaltarbereich, das ehemalige Kloster, Bibliothek und Saal nur mit Führung – leider ist in diesem Bereich, ausgenommen dem Hochaltar, striktes Fotografierverbot.
Die erste in St Peter erwähnte Kirche, war eine romanische Basilika von 1093, die nach einem Großfeuer um 1500 einem Neubau mit gotischer Ausstrahlung weichen musste. Nach den Kriegswirren im 17. Jahrhundert wird in den Überlieferungen von einer gotischen Fassade und einer barocken Innengestaltung geschrieben. Im frühen 18. Jahrhundert erhielt St Peter dann sein neues Kirchengebäude von heute, mit barocker Fassade und Innenausbau.
Im Innenraum des Gotteshauses ist der beeindruckende Hochaltar von 1727 zu erwähnen. Die BEsonderheit an ihm sind die 8 auswechselbaren Bilder – die zu bestimmten Anlässen im Kirchenjahr rotieren.
Die Seitenaltäre sind mit reichlich Skulpturen versehen, ebenso findet man an den Seiten goldverzierte Statuen der Herzöge von Zähringen. Ein Seltenheit in katholischen Kirchen ist die Orgeluhr – die die Gesitlichen bei Predigten in ihre Schranken weisen sollt.
Das Kloster in St. Peter wurde 1093 gegründet und diente dem einflussreichen Fürstengeschlecht der Zähringer als Hauskloster und Grablege. Bereits 1806 wurde das Benediktiner Kloster aufgelöst. Von 1842 – 2006 war es Priesterseminar des Erzbistum Freiburg. Seit 2006 werden die ehemaligen Klosterräume als geistliches Zentrum für Seminare, Workshops und Konzerte genutzt.
Das Schmuckkästchen des Klosters war die Bibliothek, die nach Plänen von Peter Thumb und dem Bildhauer Matthias Faller überwiegend im Rokoko Stiel gebaut wurde. Die prunkvollen Deckengemälde sind wirklich sehenswert. 1744 waren in dieser Bibliothek etwa 14.000 Bände gelistet. Nach der Auflösung des Priesterseminars befanden sich hier lediglich noch 1000 Bücher des Original Bestandes (darunter eine Kronberger Bibel von 1483. Seit 2009 wird allerdings versucht, alle noch existierenden Bücher zurück zu führen.
Sowohl Kirche, als auch Bücherei des ehemaligen Klosters gelten als grandiose Baukunst des Barock und Rokokos und sie befinden sich bis heute weitestgehend im ursprünglichen Zustand.

 

Wer allerdings einfach mal seine Sinne schweifen und die Seele baumeln lassen möchte und relativ gut zu Fuß ist – dem empfehlen wir als Kontrastprogramm den Panoramawanderweg von Sankt Märgen nach Sankt Peter (man kann ihn auch als Rundweg benutzen – welcher aber als „sehr schwer“ angegeben wird – und darauf hatten wir keine Lust)

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Immer die gelbe Raute im Blick starten wir (unbedingt festes Schuhwerk und gefüllten Rucksack) den 8 km langen Weg nach Sankt Peter. Zum Anfang geht es zwar ein wenig bergauf, aber das wird durch einen atemberaubenden Panoramablick bald belohnt. Bei der kleinen Kapfenkapelle hat man einen tollen Fernblick vom Thurner bis zum Feldberg, dem Schauunsland bis Freiburg zum Kandel).

Bei klarem Wetter hat man sogar Chancen über die Rheinebene die Vogesen zu erblicken. Unzählige Bänke laden zum Rasten ein und durch die wunderschön bemoosten Baumstümpfe und unzählige Wildblumen hat man oft das Gefühl, hier ist man nicht alleine – denn hier müssen einfach Feen und Elfen wohnen.
Als wir nach etwa 2 Stunden reiner Wanderzeit in Sankt Peter ankommen, sind wir zwar etwas erschöpft, aber der Körper – Seelen – Akku ist zu 100% voll geladen. Zurück benutzen wir bequem den Bus, welcher etwa stündlich fährt. Die Pause im Ort nutzen wir übrigens zu einer Vesper im „Jägerhaus“, welches vor Jahren schon einmal unsere Unterkunft war – und absolut empfehlenswert ist.

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Den 65. Geburtstag meiner Mutter wollen wir auf dem Feldberg verbringen. Schon bei der Auffahrt wird unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt, aber was soll’s – im Urlaub ist man ja tiefen entspannt – und so reihen wir uns ein, in den Stau über den Feldbergpass, der sich auf Grund einer simplen Baustellenampel und wohl zu hohem Touri – Verkehrsaufkommen gebildet hat. Aber irgendwann haben wir es dann doch geschafft und sehen ihn vor uns, den höchsten Berg Deutschlands außerhalb der Alpen mit 1493 m Höhe. Der Feldberg liegt geographisch südöstlich von Freiburg und ist umgeben von den Orten Hinterzarten, Menzenschwand, Bernau, Todtnau und dem Titisee. Ganz erstaunt waren wir, dass sie hier, seit unserem letzten Besuch, ein großes, aber sehr enges Parkhaus aus dem Boden gestampft haben, welches bei 4 Stunden Parkzeit mit 6,50€ zu buche schlägt. Eine Verrechnung der Parkgebühr mit der Seilbahn, welche früher möglich war, gibt es leider auch nicht mehr. Am Fuße des Berges ist neben unzähligen Souvenirläden etc. ebenso das „Haus der Natur“, welches eine interaktive Dauerausstellung zum Feldberg und das umliegende Naturschutzgebiet bietet (von uns nicht besucht).
Um bequem auf den Berg zu gelangen, benutzen wir die Kabinenseilbahn, die auf einer Länge vom 900 m einen Höhenunterschied von 175 m  ausgleicht. Es gibt 15 Kabinen, in denen jeweils 8 Personen Platz finden. Die Fahrt dauert nicht wirklich lange – deswegen schnell die großartige Aussicht genießen. Den Preis von 9,59€ für Erwachsene, 6,60 für Kids (6-15 Jahre) für Berg und Talfahrt finde ich persönlich allerdings recht happig.
Wenn man aus der Gondel aussteigt, steht man auf dem sogenannten Vorberg, dem Seebuck, hier befindet sich das Bismarkdenkmal, von dem man einen grandiosen Ausblick Richtung Feldsee und Titisee hat. Auf gleicher Höhe steht der 50m Hohe Feldbergturm. Die Aussichtsplattform auf dem ehemaligen Funkturm ist stressfrei mit dem Aufzug zu erreichen und die Fernsicht ist wunderschön.

Wenn man dann moderat läuft erreicht man nach etwa 1 Stunde Wanderung den eigentlichen Feldberggipfel – zuerst einmal geht es aber quer durch Kuhherden, entweder einen Kies oder Asphaltweg hoch und runter, gesäumt von herrlich anzusehenden Wildblumen, wie z. B. Glockenblumen, Alpen Ampfer, Arnika, Alpen Lattich und Sumpf und Gelbenzian. Ich bin froh, dass unser Hund bei hochsommerlichen Temperaturen öfters eine Verschnaufpause braucht, denn so habe ich genügend Zeit diese wundervolle Natur zu genießen., die ich vor ein paar Jahren „so ätzend“ fand. Das viele Grün um mich beruhigt mich ungemein, macht alle Probleme kleiner – was zählt ist nur der Augenblick – und der ist fantastisch.
In der Nähe des Gipfels befindet sich seit 1937 eine Wetterstation und Radaranlage des DWD. Bereits seit 1905 werden Wetteraufzeichnungen am Feldberg vorgenommen – heute allerdings völlig automatisch, ohne Menschen.
Unser Plan war es heute allerdings zur Wilhelmer Hütte zu gehen – für eine zünftige Vesper. Als wir sie allerdings weit unterhalb von uns sehen – sind wir uns alle schnell einig – das tun wir uns bei den Temperaturen nicht an…. – also treten wir den Abstieg an.
Im Winter ist hier oben übrigens Hochsaison. Rund um und auf dem Feldberg ist ein Ski / Rodel und Snowboard Paradies mit 28 Liften. Die größte Schneehöhe bislang wurde hier im März 1970 mit 3,50 Metern gemessen.

 

Am nächsten Tag begeben wir uns dann auf wirklich ausgetreten Pfade – denn es sind wirkliche Pflichtbesuche… der erste führt uns zur Hexenlochmühle in Furtwangen / Neukrich. Bereits die Fahrt dorthin ins Hexenloch ist sehr abenteuerlich, denn sie liegt am Ende einer tiefen Schlucht. Sie ist die einzige Mühle im Schwarzwald, welche zwei Räder besitzt, welche vom Wasser des Heubachs angetrieben werden, und zwar genau von 300 Liter in der Sekunde. Das große Rad mit 4 m Durchmesser hat somit 13 PS und diente als Antrieb einer Hochgang und Kreissäge.
In den Räumen der Mühle findet man diverse kleine Shop Areale, zu kaufen gibt es unter anderem Kuckucksuhren, Krippen, Vogelhäuser, geschnitzte Figuren, sowie allerhand Souvenirs der Kitsch Fraktion. Im oberen Bereich bekommt man Schwarzwälder Spezialitäten, wie Schinken, Würste, Honig, Schnäpse und Beerenwein. Im unteren Bereich gibt es einen kleinen urigen Gastraum mit einigen Plätzen im Außenbereich.

Um ehrlich zu sein, waren wir entsetzt – kennen wir dieses eigentlich idyllische Fleckchen Erde doch schon so lange – hat es hier an Flair verloren. Es wirkt so, als wird hier eher verramscht als ausgesuchtes Handwerk verkauft. Glitzerschmuck hat hier für mich gar nichts zu suchen – die Preise für die Lebensmittel sind mittlerweile unverschämt hoch (das absolut identische Glas Tannenhonig haben wir später am Titisee (!) für über 30% weniger erstanden). Im Außenbereich wurde ein weißes Partyzelt aufgebaut, um wohl noch mehr Leute zu bewirten. Ich muss sagen, das ist sehr schade für all‘ diejenigen, die die Hexenlochmühle nicht in ihrem Ursprung erlebt haben.

 

Lange haben wir überlegt, ob wir wirklich (wiedermal) an den Titisee fahren sollen. Kennen wir dieses beschauliche Plätzchen eigentlich nur im Herbst, also sprich in der Nebensaison, und da ist es meistens noch recht voll und für unseren Geschmack Menschen überlaufen. Irgendwo kommt man aber nicht vorbei – an dem See, den sich an Spitzentagen 20.000 Menschen ansehen. Um es vorweg zu nehmen –  wir haben einen von diesen Tagen erwischt und waren Nummer 19.997 – 20.000!!! Ich frage mich, kenne alle diese Menschen die Fakten?! Der Titisee liegt im südlichen Schwarzwald, und erstreckt sich über eine Fläche von 1,3 qkm und ist damit auf einer Höhe von 850 m üNN einer der größten Mittelgebirgsseen Deutschland. Im Durchschnitt ist er etwa 45m tief und damit im Winter selten zugefroren, da Winde die Oberfläche fast immer in Bewegung halten. Entstanden ist der See einst durch den Feldberggletscher – heute wird er vom Feldsee gespeist und hat seinen Abfluss in die Gutach. Im Nährstoffarmen See leben viel Fischarten, wie z. B. Zander, Seeforellen, Hechte, Barsche und Karpfen. Am Nordufer des Sees liegt der gleichnamige Kurort Titisee, mit 2500 Einwohnern, und besagten 20.000 Touristen.
Wir begeben uns also tollkühn auf die bekannte Seestraße und sind absolut geschockt über die Menschenmassen – die Welt zu Gast am Titisee – anders kann man es nicht ausdrücken!! Gemütlich in den kleinen Geschäften bummeln, die sich hier wie eine Perlenkette aufreihen? – Fehlanzeige! Überall wird gedrängelt und geschubst, man schnappt Wortfetzen, wirklich aller Herren Länder auf und kann sich nur wundern. Denkt man sich die Menschenmassen weg, findet man hier an der Seepromenade wirklich das eine oder andere nette Geschäft mit z. B. traditioneller Mode, Schwarzwälder Spezialitäten aller Arten, Glaskunst aus den Glashütten der Umgebung, lustige (und natürlich auch überflüssige Souvenirs), Geschenkartikel, Kuckucksuhren – und ein Weihnachtsdorf. Man kann sich wunderbar mit Brötchen, belegt mit Schwarzwälder Schinken, versorgen, sich einen Eisbecher mit Kirschwasser gönnen, oder klassisch eine Schwarzwälder Kirschtorte verdrücken.

Wer möchte, kann seine Seele bei einer Schiffsrundfahrt baumeln lassen – das wollen an diesem Tag gefühlt 19.996 Menschen – wir nicht – also traten wir kopfschüttelnd schleunigst die Flucht an! Niemals Titisee im Sommer!!! Trotzdem haben wir hier, wie oben schon erwähnt das Glas Tannenhonig für 30% weniger als in der Hexenlochmühle bekommen.

 

Auf dem Rückweg vom Titisee nach Sankt Märgen lässt sich noch ein kleiner Abstecher zur Adler Ski Station in Hinterzarten einbinden.  Die 1924 entstandene Adlerschanze wurde 1981 zur Mattensprungschanze umgebaut. Der Luftkurort mit seinen 2500 Einwohnern ist Olympiastützpunkt der Skispringer und nordischen Kombinierer.  In der Arena finden 20.000 Zuschauer Platz und wird an ca. 170 Tagen im Jahr als Trainingszentrum benutzt.
Wenn man am Fuße der Schanze steht, ist es schon beeindruckend. Wenn man sich überlegt, dass man sich freiwillig von da oben hinunterstürzt erzeugt dies schon Gänsehaut und den Skispringer ist absolutes Respekt gezollt.
Hinterzarten an sich ist ein typischer, kleiner Kurort, in dem es um „sehen und gesehen werden“ geht – nichts für unseren Geschmack, aber wer es mag…..

 

Unseren diesmaligen Kurzurlaub wollten wir mit einer kleinen Wanderung in der Ravenna Schlucht ausklingen lassen und so fahren wir die B31 Richtung Freiburg, denn dort liegt in einem Seitental des Höllentals die ca. 4 km lange Schlucht.
Die Wanderstrecke durch die Schlucht vom Höllental nach Breitenau ist etwa 10km lang, für die zu überwindenden 330 Höhenmeter sollte man ca. 3 Stunden Zeit einplanen. Den Eingang in die Schlucht, stellt das 37 Meter hohe Viadukt der  Ravennabrücke da. Sie dient heute als Bahnstrecke. Den Schwierigkeitsgrad dieser Wanderung würden wir als „Nicht Wanderer“ als mittelmäßig einstufen. Der Weg ist überwiegend gut ausgebaut, aber es gibt mehrere Treppen und Brücken, zum Teil direkt an der Felswand entlang. Deswegen bitte auf festes Schuhwerk achten – gerade bei der Feuchtigkeit. Die Tour ist generell für Kinder geeignet, mit Kinderwagen oder Buggys hat man allerdings keine Chance.
Die Ravenna bietet hier in ihrer Schlucht mehere Wasserfälle, die beiden größten haben eine Fallhöhe von 16m, bzw. 6 Metern. Früher waren hier sehr viele Sägemühlen zu finden, heute kann man noch am oberen Ende der Schlucht die Großjockenmühle von 1883 bewundern. Auf Grund des großen Gefälle wird das Wasser hier durch das Dach der Mühle auf das Wasserrad geleitet – wirklich interessant hatte ich tatsächlich in dieser Art noch nie gesehen.

Das wildromantische Flair der Schlucht fasziniert mich jedes mal auf’s neue, ich würde es fast als mythisch beschreiben. Hier könnte ich mir jedesmal wirklich die Finger wund fotografieren und warte förmlich darauf, das hier aus moosbewachsenen Steinen und Wurzeln gleich Elfen oder Feen herauskommen. Hinter jeder Wegbiegung entdeckt man wirklich ständig neue Fotomotive – und sich los zu reißen fällt wirklich schwer. Allerdings war es auch hier im Hochsommer ziemlich voll – so dass man an den Treppenaufgängen meistens warten musste wenn Gegenverkehr kam.
Das sollte aber noch gar nichts sein, zu dem was uns beim Rückweg am Eingang erwartete.

Um den Bereich um das Hofgut Sterner, welches ein Restaurant, Cafe und Hotel beheimatet (etwas gehoben Klasse) und in dem schon 1770 Marie Antoinette und 1779 Goehte nächtigten, ist ein kleines Dorf mit Marktplatz aufgebaut. Anscheinend hatte die Besucher gestern vom Titisee die gleiche Idee wie wir und versammelten sich alle hier – wahnsinn dieses Multikulti an einem Ort, den ich von meiner Kindheit an, wie so viele andere hier im Schwarzwald als sehr ruhig und beschaulich kenne.
In diesem Areal findet man neben der größten Kukuksuhr im Schwarzwald, diverse Souvenirläden und auch eine Glasbläserei in der sehr hochpreisige Glaswaren angeboten werden. Bereits im 18. Jahrhundert war die Glasbläserei hier im Höllental vertreten – diese hier dient allerdings nur zu Touristen Zwecken, selbst wenn kleinere Shows angeboten werden. Es ist schader, was hier verloren ging, sicher muss man mit der Zeit gehen, aber Glasblasen ist nun mal ein uraltes Handwerk, und sollte meiner Meinung nach nicht so präsentiert werden!
Ganz neu ist hier das sogenannte „Made in Germany Haus“, welches, wie der Name schon sagt, Waren wie z. B. Gläser, Kuckucksuhren, Schnitzereien etc. anbietet, die ausschließlich in Deutschland produziert werden. Die Preise sind beachtlich und ich kann mir kaum vorstellen, dass hier jemand „einfach so“ bei einer Wanderung durch die Ravennaschlucht mal eben eine Uhr oder Krippe für mehrere Tausend Euro mitnimmt.

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Ein paar Schritte abseits kann man hier die kleine Oswlads Kapelle von 1148 besuchen, oder eine 30 Meter Erhöhung erklimmen, wo heute ein Erinnerungs Pavillon steht. Wir verlassen hier allerdings mal wieder kopfschüttelnd dein Ausflugsziel, dass wir ganz anders in Erinnerung hatten (zumindest das Hofgut Areal) und sind traurig über dessen Entwicklung.

Für dieses mal müssen wir uns leider schon wieder vom wunderschönen Schwarzwald verabschieden und fahren mit ein wenig Muskelkater nach Hause an die hessische Bergstraße.

In „Ausgetretene Pfade – Teil 2“ werden wir von weiteren Ausflugszielen berichten, die wir über die Jahre besucht haben.

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