Kieler Woche

4. August 2016

Im Prinzip wären wir nun am Ende unserer kleinen Norden Tour angekommen, wenn da nicht noch mein diesjähriges Highlight gewesen wäre, denn endlich hat es einmal geklappt, dass wir zur Kieler Woche „oben“ waren.Es war schon lange einmal mein Wunsch, DAS Spektakel im Norden live zu erleben. Eine ziemlich genaue Vorstellung davon hatte ich davon allerdings auch im Kopf: große Traditionssegler wollte ich sehen, bunte Spinnaker, Regatta Luft schnuppern, das nordische Flair fühlen …. aber lest selbst, was daraus wurde.

Zuerst einmal wie so oft ein paar Fakten:
Die Kieler Woche bezeichnet eigentlich eine Segelregatta die jährlich stattfindet – seit Ende des 19.Jhd. eben in Kiel. Gleichwohl zählt die Kiwo zu den größten Segelsportereignissen der Welt.
Über die Jahrzehnte entwickelte sich dazu, oder besser darum, ein großes Volksfest. Etwa 3 Mio. Gäste besuchen jährlich diese Großveranstaltung. Jedes Jahr werden etwa 2000 Einzelveranstaltungen, sowie ca. 300 Konzerte auf 16 Bühnen angeboten.
Grundsätzlich findet die Kieler Woche immer in der letzten vollständigen Juni Woche statt – und meistens bei schlechtem Wetter

Das sportliche Zentrum liegt während dieser Woche in Schilksee, und am Westufer der Kieler Förde. Etwa 5000 Segler aus mehr als 50 Nationen mit etwa 2000 Booten zeigen hier, was sie können.
Am Donnerstag, den 23. Juni war es dann soweit, mein erster Berührungspunkt mit der Kieler Woche stand an – denn ich hatte mir sehnlichst gewünscht, einmal „irgendwie mit zu segeln“ , und so hatte mein Mann ( der alte Segler) uns einen Segeltörn auf der Samyrah gebucht …. 2 ½ Stunden auf einem Segelschoner!

Dadurch, dass die Crew nur 12 Gäste an Bord lässt, und der Preiß von 78.- Euro recht human war, klang das für uns im Vorfeld wirklich gut für uns.
Und so machten wir uns auf, waren überrascht, in Kiel gleich einen Parkplatz gefunden zu haben – und freuten uns über das ungewöhnlich schöne Wetter zur Kiwo – denn die Sonne strahlte vom blauen Himmel.
Etwas erschrocken war ich dann doch, als ich die Menschenmassen sah, die alleine nur über die Hörnbrücke am Hafen wollten, … aber gut.
Wir sollten die Samyrah am Museumshafen am Hörn ( Willy Brand Ufer) finden – Drumherum herrschte reichlich Trubel, denn hier befindet sich u.a. ein Teil des Volksfestes, welches wir aber komplett links liegen ließen.


Schon als wir unser Schiff von weitem sahen, war ich total begeistert – genauso hatte ich es mir erhofft! Der Kapitän und seine Crew waren sehr nett und erklärten sogleich sämtliche Modalitäten an Bord – damit auch jede Landratte sogleich Bescheid wusste.
Mit etwas“ Schiss in de Büx“ ging es dann los – einschätzen wie mir das alles bekommt konnte ich nicht …. aber jetzt wäre es eh zu spät gewesen.
Wir mussten kurz warten, bis die Hörnbrücke wieder geöffnet wurde, und dann wurden schon bald die Segel gehisst.
Wer von den Gästen wollte, durfte mithelfen und so hatte mein Mann nach etlicher Zeit Abstinenz, mal wieder Gelegenheit zu zeigen, was er schon in der frühesten Kindheit gelernt hatte – ein Küstenkind eben. Für mich war das alles sehr faszinierend und mit jeder Minute die wir länger auf dem Schiff waren, entspannte ich mich immer mehr.


Wir fuhren Richtung Kiel Leuchturm, sahen die Speillinie, den Tirpitzhafen,und die Schleusen des Nord-Ostsee Kanals, und im Wassernebel tauchte plötzlich ein gigantischer Kreuzfahrtriese auf, er wurde von einem Wasserwerfer begleitet, durch den Wind der herrschte, kamen wir somit alle in den Genuss, einer erfrischenden Dusche. Der Kapitän berichtete uns, dass wir gerade Zeugen wurden, vom ersten Einlaufen und somit der Begrüßung der „Mein Schiff 5“…. welch ein Koloss!!

Während der Fahrt wurden Getränke angeboten, aber ich war viel zu viel damit beschäftigt, alles zu genießen, zu fotografieren, Seiten zu wechseln, und mich bei „akuter Schieflage“ J festzuhalten. Leider war viel zu früh der Wendepunkt kurz vor dem Bülker Leuchturm erreicht, und es ging wieder zurück in den Kieler Hafen. Wir querten eine kleine Kutter Regatta und irgendwie wurde es dann ein wenig hektisch, weil ein Segel nicht richtig saß – aber mein fragender Blick zum segelerfahrenen Mann, bekam immer zur Antwort .“Alles gut“…. für mich war es einfach wunderschön, zu sehen, wie wohl und entspannt er sich in seinem Metier, dem Wasser, fühlte.
Kurz die Luft anhalten musste ich dann nochmal, als einer der Crew Mitglieder meinte, über die Wanten hoch oben auf den Mast zu klettern, um etwas zu richten…. nie im Leben bekäme mich da einer hoch!

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Wir passierten noch das Kreuzfahrterminal mit der MS Deutschland und den Skandinavien Fähren – wobei man sich wirklich wie in einer Nussschale vorkommt – und schwups waren wir leider schon wieder am Ausgangsort. SCHADE , denn ich hätte es mir durchaus noch etwas länger vorstellen können.

Die Hitze war zwischenzeitlich ziemlich heftig geworden, auf dem Schiff hatte man das durch den Wind wohl nicht so empfunden, alles in allem war ich total ko, was uns aber nicht abhielt, jetzt los zu ziehen Richtung Stadt.
Der Internationale Markt auf dem Rathausplatz und in der Fußgängerzone lockte uns zu einer kulturellen und kulinarischen Entdeckungsreise durch 30 Länder.
Hier gab es alles Erdenkliche zu essen, was man sich nur vorstellen kann, aber was mich schier umhaute, waren die Preise. Eine schwedische Waffel mit Sahne und Preiselbeeren für 7,50 Euro ?????!!!! definitiv nicht!
Wir schauten noch an ein paar anderen Ständen, waren uns aber schnell einig – das ist unverschämt. Ein paar ordinäre Pommes am Rande des Geschehens taten es dann auch, damit mein Kreislauf wieder in Schwung kam.
Eigentlich hätte man sich irgendwo hinsetzen müssen, um das bunte, rege Gewimmel einmal ruhig zu beobachten, ich kann nur einen Überbegriff dafür finden: “Eine Stadt im Ausnahmezustand“  – und aufgrund der aktuellen Sicherheitslage in Deutschland, eine wahnsinnige Herausforderung für das gesamte Sicherheitspersonal.

Am Abend hatten wir geplant, ein Konzert von Mark Foster zu besuchen, und schlenderten deswegen wieder zurück in Richtung Hafenpromenade an der Kieler Förde, wo sich an der sogenannten Kiellinie das größte Areal des Volksfestes befindet. Ja, wir ließen uns dann mal durchschieben, könnte man auch sagen, – und immer wieder mein Kopfschütteln, über die Preise – aber wie man gut sah, werden sie hier wohl akzeptiert.
Als wir uns später auf das Gelände des Konzertes begaben, trauten wir unseren Augen kaum – welch Menschenmassen! Zu Anfang begaben wir uns zwar mitten hinein in diesen Hexenkessel, aber der anstrengende Tag zollte irgendwann Tribut und wir beschlossen kurzerhand zu gehen, um irgendwo nett und ruhig diesen Tag ausklingen zu lassen.
Leider leichter gesagt als getan, die Hitze setzte wohl allen sehr zu, denn es wurde zunehmend nur noch gerempelt, geschupst und gemeckert. Der Knüller war allerdings, dass das Gelände komplett abgeriegelt war, und keiner der Sicherheitskräfte wollte uns raus lassen! (man muss dazu erwähnen, dass das Konzert kostenlos war – also jeder kommen konnte ) wir bekamen gesagt, wir müssten quer durch die Menge nach vorne an die Bühne, dort würden sie uns evtl. raus lassen !!!??? Sicher nicht! Erst als wir pampig wurden und mir „ganz übel „ließ man uns zwischen den Bauzäunen durchschlüpfen – das kann echt nicht sein – dicker Minuspunkt für die Kiwo.
Völlig ko fuhren wir zurück nach Eckernförde und ließen den Abend gemütlich im Luzifer ausklingen – Matjes Yes Yes Yes

Eigentlich wollten wir dann donnerstags noch auf das Nordmark Sporfeld, denn dort hatte sich die Ballonfahrer Elite des Landes versammelt. Ca. 70 Ballon Teams sind dort zusammengekommen, um gemeinsam zu starten. Aber das typische Kieler Woche Schietwetter machte uns hier leider einen Strich durch die Rechnung. Ebenso der im dunkeln stattfindende Night Glow , bei dem alle Ballone vom Boden aus angefeuert werden, um den nächtlichen Himmel zum Glühen zu bringen, fiel für uns ins Wasser. Schade, denn der Anblick war mit Sicherheit gigantisch.

Und dann folgte der von mir heiß ersehnte Samstag … mit dem offiziellen Höhepunkt der Kieler Woche: die Windjammerparade! Wie lange wollte ich das schon mal sehen…..
Immer den Wetterbericht im Auge, zogen wir noch trockenen Fußes, bereits um 8.30 Uhr los Richtung Friedrichsort – dort am Leuchtturm soll man einen besonders guten Winkel zum fotografieren haben, sagt mein „Mann von der Küste“  – na der muss es ja wissen … und fast hätte er sogar Recht gehabt – wäre da nicht der schnöde Regen gewesen.

Man(n) Man(n), hat das geschüttet, ich kann wirklich verraten, wir waren nass bis zur „Unnerbüx“, natürlich nur mit einem mini Schirm bewaffnet, den man allerdings fürsorglich über die Fotoausrüstung hielt.
Mein Blick ging schon ehrlich gesagt neidisch auf die, die das hier wohl schon öfters erlebt haben, echte Seemänner/frauen waren, so taten als ob nix sei usw. – denn sie ließen sich, bestens ausgestattet in Regenjacken, Gummistiefeln, riesigen Schirmen, Strandmuscheln und Picknick Ausrüstung, kein bisschen von ihrer guten Laune klauen: ist ja nur Regen – ist ja nur alles nass – was soll`s – sch…. drauf….. irgendwann war es MIR dann auch egal.
Pünktlich um 11 Uhr fiel dann aber auch der Startschuss im Kieler Hefen, und kurze Zeit später, kamen die mehr als 100 Groß und Traditionssegler, historische Dampfschiffe und hunderte Segelyachten auch bei uns vorbei.
Welch Eleganz, und wie schön muss dieser Anblick erst bei Sonnenschein sein.
Über 100.000 Menschen sahen den 50 Meter langen Dreimast Topsegelschoner Thor Heyerdahl die Flotte anführen.

Das längste Schiff kam aus Norwegen, mit 73 Metern konnte man das stählerne Schulungsschiff Christian Radich im Regen erkennen.
Der Hingucker für mich war allerdings der 4 Mast Graffelschoner Santa Maria Manuela mit 69 Metern Länge. Unser kleines (19 Meter) Schiff vom Donnerstag, die Samyrah, fuhr im hinteren Bereich auch mit, und es freute uns sehr, sie hier zu entdecken.
Leider war diese Show viel zu schnell zu Ende, hätte ich noch trockene Kleidung am Leibe gehabt, hätte ich noch stundenlang an diesem idyllischen Plätzchen ausharren können – nass und frierend war ich aber dennoch froh, die Windjammerparade, endlich mal gesehen zu haben.

Und was soll ich sagen, so ähnlich ging es dann auch weiter – Sonntag Abend „Raffen wir uns auf bei dem Wetter ?“ „ne irgendwie ko von den letzten Tagen“, so ähnlich war irgendwie der Dialog zwischen mir und meinem Mann. Und so verpassten wir dann das wohl „größte und schönste Feuerwerk Europas über der Kieler Förde“.

Das war sie also, meine erste Kieler Woche – hm – Resümee?!

Ich bin sehr gespalten in meiner Meinung, neige dazu, zu äußern: Ja ganz nett, aber wenn man es einmal gesehen/erlebt hat, ist es aber auch gut!
Super gut gefallen hat mir das Gastsegeln zur Kieler Woche, da denke ich, habe ich wirklich Blut geleckt, aber segeln kann man ja nicht nur in dieser einen Woche und nicht nur in Kiel, das Volksfest an sich war mir zu überlaufen und definitiv zu teuer, es mag größer als andere Feste sein, aber nicht wirklich anders. Es werden massig Events, Konzerte usw. angeboten – kostenlos, das ist prima, aber dafür braucht man wiederum massig Zeit und am besten eine Unterkunft vor Ort.
Die Windjammerparade ist absolut sehenswert (am besten bei Sonnenschein) …. gewünscht hätte ich mir, einmal einen Wettkampf, eine Regatta zu erleben …. naja vielleicht beim nächsten Mal.

Ruck Zuck war unsere kleine Auszeit wieder zu Ende, und kaum zu Hause, sehne ich mich schon wieder nach Wind, Wellen und Möwengeschrei – da hilft nur: Internet Radio an, Radio Welle Nord an und mit Spannung den „Plattdeutschen Moment“ abwarten …. am besten beim Essen …… na was wohl ?!

Matjes Yes Yes Yes

 

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