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Willkommen Dolce Vita… lasset den Aperol fließen – 1. Tag

30. Dezember 2016

Ich hörte sie schon ein bisschen länger, „die Sehnsuchtsrufe“ meiner Seelenstadt Venedig.

Es ist schwer zu beschreiben, aber schon immer hat mich diese Stadt fasziniert, in ihren Bann gezogen – schon lange bevor ich das erste Mal 2012 dort war.
Das alte, morbide, der italienische Charme, die südländische Gelassenheit, die Geschichten hinter all den wunderschönen Palästen, Kirchen und Häusern finde ich wunderschön. Jede einzelne Stufe der unzähligen Brücken würde ich gerne fragen, was sie schon alles erlebt hat…
Schnell ist klar, wir fahren wieder ein paar Tage im November nach Venedig – dieses mal ohne konkreten Plan, was wir alles erleben und sehen wollen – das meiste kennen wir ja schon. Wir wollen uns einfach treiben lassen, einfach das tun, was uns in den Sinn kommt – ohne Touri Stress.
Den November nehmen wir hier gerne als Reisemonat, da es bei unseren letzten 2 Besuchen hier immer noch recht warm war, und wir noch bei gut 20° gemütlich draußen einen Aperol schlürfen konnten, die Stadt nicht mehr soo voll ist und außerdem flüchte ich gerne über meinen Geburtstag.
Aber schon die Buchung gestaltet sich etwas kompliziert – so sind die meisten Hotels voll bis unters Dach – bei unseren bisherigen Lieblingshotels „Santa Marina“ und „Malibran“ keine Chance! Den Grund lesen wir ein paar Tage später – es ist mal wieder Biennale!!

So blieb nur die Wahl zwischen einem Hotel etwas außerhalb des Zentrums oder einem etwas über unserem ursprünglichen Budget. Man muss erwähnen, dass wir seltents Wert auf ein großes, tolles Hotel, oder ein großes Zimmer etc. legen – da wir im Urlaub eigentlich von morgens – abends unterwegs sind, da wir viel sehen und erleben wollen.
Dennoch entscheiden wir uns mangels Auswahl für das 4*Hotel Foscari Palace. Nachdem die beiden Lufthansa Flüge gebucht sind, buchen wir ebenfalls von zu Hause aus 2 Vaporetto Tickets über Venezia Unica – bis jetzt war das jedes Mal eine Erleichterung um nicht ständig an Fahrkarten denken zu müssen. Neuerdings gibt es auch eine Wochenkarte, welche sich bereits ab 5 Tagen als günstigste Zeitkarte erweist. Wir überlegen ebenso wieder, wie wir vom Flughafen zur Laguneninsel kommen. Dabei entscheiden wir uns dieses Mal den 5er Bus, der direkt vor dem Flughafen abfährt und in etwas über 20 Minuten den Piazzale Roma erreicht, von dem aus dann etliche Vaporetto Linien abfahren.
Für diejenigen, die das erste mal nach Venedig reisen, empfehle ich aber dennoch die (etwas) teurere Variante über das Wassertaxi, direkt vom Flughafen über die Lagune – einfach wunderschön zur Einstimmung (Preise für den Bus, ca 7€ ( über Vaporetto Ticket zu buchen), Wassertaxi als Sammeltaxi etwa 32€ und privates Taxi etwa 110€ (jeweils pro Person und Fahrt)).

Gedacht – gesagt – gebucht und so ging es am 10. November via Frankfurt über die bereits schneebedeckten Alpen nach Venedig. Am Flughafen Marco Polo noch schnell die gekauften Gutscheine für die Vaporetto / Bus Tickets eingetauscht und der Transferbus wartete dann förmlich auf uns – alles klappte problemlos, wenn auch mit typisch italienischem Fahrstil. Am Piazzale Roma angekommen ist er endlich da – der erste Blick auf den Canale Grande und sein Treiben – es ist immer wieder ein Gefühl wie heimkommen – wie sehr habe ich es vermisst – wie sehr liebe ich diese Stadt. Nun noch die kurze Fahrt mit der Vaporetto Linie 1 bis zur Haltestelle Ca’ Doro und um die Ecke liegt schon unser Hotel. Wir haben beide ein Lächeln auf den Lippen, auch wenn es 10° kälter ist, als bei unseren letzten Reisen hier her – auch wenn die Stadt sofort fühl- und sichtbar voller ist als sonst – auch wenn es immer mühsam ist, die Trollys die Brücken rauf und runter zu ziehen – wir sind einfach glücklich hier zu sein!

Als wir dann das Hotel betreten wird das Lächeln zum Grinsen – und zu einem recht breiten – denn sofort spüren wir, dass es eine andere Klasse ist, als das, was wir sonst in Venedig gebucht haben. Wir werden im Foscari Palace super freundlich begrüßt und erhalten unseren Zimmerschlüssel – die 209! Es ist schon erstaunlich, was sich so hinter den in Venedig oft schmutzigen, abgewohnten und nichstsagenden Fassaden so verbirgt.

In den meisten Hotels in Venedig gibt es 2 Zimmer Kategorien. Auch wenn wir, wie bereits erwähnt keinen großen Wert auf die Zimmer legen, buchen wir doch mittlerweile das größere, da die kleineren eher einem Wohnschrank gleichen. Daran merkt man, dass der Wohnraum in Venedig knapp und teuer ist.

Unser Zimmer liegt im 2. Stock und als wir die Zimmertür öffnen bleibt uns schier die Spucke weg. Vor uns liegt ein regelrechter Ballsaal – inmitten ein großes Bett – Sitzgruppen, Schreibtisch etc., alles im schönsten venezianischen Stil mit vielen schweren Stoffen, glitzernden Deckenleuchtern usw. Das Bad – ein Traum aus weißem Marmor – mit Whirlpool, großer Dusche und allem möglichen Schnickschnack. Aber dann kam der absolute Knüller, als wir die Vorhänge und Türen zur Front öffnen und 2 Balkone entdecken – wir stehen direkt über dem Canale Grande – bombastische Aussicht – hautnahe dran an Venedigs Schlagader und direkt gegenüber dem Rialto Markt – so schön – so ergreifend, dass ich fast weinen muss.

Wir überlegen kurz, ob wir bei der Rezeption nachfragen sollen, ob es sich um ein Missverständnis handelt – aber wir lassen es sein und denken „bloß keine schlafenden Hunde wecken – einfach genießen“.

Wir beschließen ebenso, einfach die Koffer stehen zu lassen und uns sofort ins Getümmel zu stürzen. Wir tun das, was wir uns zu Hause schon vorgenommen haben – und lassen uns einfach nur treiben. Komischer Weise treibt es uns über die sich immer noch in Renovierung befindenden Rialtobrücke ein kurzes Stück den Canale Grande hoch und plötzlich stehen wir an unserem „Lieblings Aperol Platz“ 🙂 . Die Rede ist von der Al Pesador am Campo Eberia, ein kleines, aber feines und uriges Restaurante / Bar. Uns gefällt hier besonders gut, dass wir draußen, in unmittelbarer Nähe des Canale Grande sitzen und das bunte Treiben beobachten können und trotzdem für venezianische Verhältnisse moderate 5€ pro Aperol Spritzz Glas bezahlt. Es ist zwar bewölkt, aber da die Sonne ab und zu rausblitzt, lassen wir uns die „Open Air“ Vorstellung nicht nehmen, obwohl es fast 10° kühler ist, als die letzten Jahre – schließlich gibt es ja Wolldecken. Stundenlang könnte ich hier so sitzen, Seele baumeln lassen, Gedanken ausschalten, schweigen, genießen und Aperol schlürfen….

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Irgendwann reißen wir uns doch los, beschließen zum Markusplatz zu schlendern. Wir nehmen nicht das Vaporetto, da wir das Gefühl haben uns doch schon im Labyrinth von Venedig gut auszukennen und wir einfach den Flair der kleinen Gassen genießen wollen.
Das wird uns in den nächsten Tagen noch häufig so gehen, dass wir lieber zu Fuß gehen, als mit dem Boot zu fahren.

Beim Schlendern durch die engen Gassen kommen wir immer wieder an uns vertrauten Plätzen, Gebäuden und Geschäften vorbei. Ich liebe dieses Flair, das Gewusel in den Gassen, die schicken Frauen, ob jung oder alt – man erkennt die Italienerinnen sofort. Irgendwie ist hier alles mystisch, morbide und geheimnisvoll, auf jeder Brücke ein anderer Blick….. das Gluckern und plätschern der Kanäle trägt einem förmlich in eine andere Welt.  Auf dem Markusplatz angekommen, fühlen wir uns immer „von Magie umgeben“ – ein faszinierender Platz auf Erden. Wir haben Glück und sind genau zu blauen Stunde hier – fotografieren mal wieder Motive, die wir schon vielfach abgelichtet haben, obwohl wir unseren Blick mal auf das andere Venedig lenken wollten…..  wie kann man nur von einem Fleckchen Erde so fasziniert sein….

Als (Fotografen) Licht technisch ohne Stativ nichts mehr geht, machen wir uns auf den Weg zurück zu unserem Hotel. Dort warten ja noch immer unsere Koffer darauf, endlich ausgepackt zu werden. Immer noch begeistert von unserer Unterkunft entdecken wir beim Auspacken und verstauen unserer Kleidung im Schrank das offizielle Zimmer – Preisschild. Statt dem gebuchten SUPERIOR-ZIMMER haben wir die GONZAGA JUNIOR-SUITE erhalten.

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Die spinnen die Italiener.

Für kein Geld der Welt ist allerdings der der Blick auf den abendlichen Canale Grande von unserem Balkon zu bezahlen….. stundenlang hätte ich dort stehen können – dankbar für so viel (Zimmer) Glück.

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Da aber die Mägen langsam anfangen zu knurren, kann ich mich von meinem Logenplatz losreißen und wir machen uns auf den Weg zu einer Pizzaria, welche wir vor 4 Jahren beim Verlaufen einmal zufällig gefunden haben. Die Osteria Ae Scoute, liegt etwas versteckt im Stadtteil Castello. Das kleine Lokal besticht durch sein freundliches Personal, welches gekonnt eine Tagesempfehlung offeriert und so genieße ich an unserem ersten Abend in Venedig Tagliatelle mit Krebsfleisch, welches absolut lecker ist…. Stefan gönnt sich die Frutti de Mare Pizza, auf die er sich schon in Deutschland gefreut hat – absolut Top. Als Dessert gönne ich mir ein leckeres Tiramisu und Stefan einen Grappa. Zum Vergleich für diejenigen, die in Venedig noch nicht essen waren, (denn hier sollte man die Reisekasse großzügig kalkulieren) einmal unsere Rechnung von diesem Abend im Detail: 5€ Coperto (Tisch, Besteck, Servicegebühr), 1l Tafelwasser 4,50€, 2 Aperol Spritzz 12€, Krebsfleischnudeln 28€, Pizza 12€, Tiramisu 8€, Grappa 5€, macht zusammen für 2 Personen 74,50€!!! Aber incl. einer kleinen Karaffe leckerstem Limoncello und vielfältigem Knabbergebäck vorab.

Zu erwähnen wäre, das wir hier schon die offerierten Tourist Menüs gegessen haben und auch das war vollkommen ok. Allerdings hatten wir schon am ersten Abend das Gefühl, welches sich in den nächsten Tagen bestätigen sollte, dass die Preise hier in den letzten 2 Jahren schon stark angezogen haben.

Müde und kaputt lassen wir uns nach dem Verdauungsspaziergang zurück zum Hotel in unser riesengroßes Bett fallen – wie herrlich – 

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