Willkommen Sonne – Tag 4

30. Dezember 2016

Bei jedem Besuch in Venedig haben wir es uns bereits vorgenommen, aber noch nie geschafft –

früh aufstehen und den venezianischen Sonnenaufgang fotografieren. War bislang die Bettanziehungskraft immer stärker gewesen, so schaffen wir es dieses Mal und verlassen bereits vor 6:00 Uhr unser Hotel, schwerbewaffnet mit Kameras und Stativ. Schon zu Hause hatte wir im Internet gelesen, wo der beste Platz sein soll, dieses Spektakel festzuhalten – auf dem Markusplatz, etwa in Höhe des Cafe Chioggia in Blickrichtung auf das San Marco Becken. Dort kommt, wenn alles passt, die aufgehende Sonne direkt unter einem Bogen des Dogenpalastes raus!?
Wir überlegen kurz, ob wir laufen oder das Vaporetto nehmen. Wir tuen Gott sei Dank letzteres, denn zu Fuß wäre uns das folgende Spektakel entgangen.
Kurz vor der Accademia Brücke glüht der Himmel in seinen prächtigsten Farben. Das Vaporetto ist fast leer und so können wir schon hier von der grandiosen Kulisse die tollsten Fotos machen. Es ist total irreal und wunderschön.


Bei San Marco angekommen, bietet sich ein lustiger Anblick – zu sehen sind nur Fotografen, die wie wir diesen einzigartigen Moment festhalten wollen.

 

Zuerst machten wir von den verschiedenen Positionen aus Bilder, der nun langsam aufgehenden Sonne. Dann positionieren wir uns direkt an die „gelesene“ Stelle – und tatsächlich – da war sie dann . im Bogen des Dogenpalastes – die morgendliche Stille wurde nur durch das zahlreiche Klick – Klick der Kameras unterbrochen.
Aber es bieten sich natürlich auf dem (fast) menschenleeren Markusplatz noch weitere tolle Fotomotive an – die sonst gar nicht möglich wären, wenn sich, wie in wenigen Stunden wieder, hier tausende Menschen durchschieben.

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Jede leere Ecke, jede Pfütze in der sich der Dom oder der Campanille zeigt, zeigt zu diesem Zeitpunkt ein völlig anderes Venedig.

Erst unsere knurrenden Bäuche können uns hier loslösen und so machen wir uns auf den Weg ins Hotel und genießen mal wieder das reichhaltige Frühstück. Wir beschließen zwischen dampfendem Kaffee und Mortadella Brötchen, dass wir nun wieder einfach so durch die Stadt bummeln. Wir schlendern in eine Ecke, die wir persönlich als das Künstler- oder Masken Viertel bezeichnen. Dies ist weitestgehend im Stadtteil Castello Richtung Arsenal, nordöstlich dem Markusplatz zu finden. Hier reiht sich ein Maskengeschäft und Atelier an das andere. Wenn man Glück hat (nicht wie wir heute an einem Sonntag, wo fast alles zu hat), kann man hier noch den Künstlern über die Schulter schauen, während sie ihre Kunstwerke anfertigen. In diesen ursprünglichen Läden kann man noch die echte venezianische Kunst der Maskenherstellung erleben und das ist natürlich auch an den Preisen zu spüren. Es liegen zum Teil hunderte von Euro Unterschied zwischen den Billigläden, die in der ganzen Stadt verteilt sind und China Plagiate verkaufen, und diesen handgefertigten Kunstwerken.

Schon oft waren wir in diesen Kunsthandwerksläden und ich konnte mich nur schwer losreißen von wundervollen Kostümen, zauberhaften Masken und allerlei Zubehör. Dieses Mal blieb uns diese Welt verschlossen, da alles geschlossen hatte. Somit liefen wir weiter um ein weiteres Kleinod zu finden, denn ebenfalls in Castello sollte die schönste Buchhandlung der Welt zu finden sein, die „Liberio Aqua alta“. Mit etwas Schwierigkeiten fanden wir sie dann auch und begriffen sofort warum man diese Buchhandlung „Hochwasser“ nannte – denn (wir hatten gerade wieder mal Hochwasser) nur einen kleinen Teil der Buchhandlung konnte man trockenen Fußes erreichen, in vielen Nischen und Nebenräumen steht das Wasser knöchelhoch. Unbeirrt davon sind tausende Bücher aufgestapelt – alte – uralte – neue, dazwischen Bilder, Karten, Kurioses.  Den Mittelpunkt des Geschäftes bildet eine alte Gondel, welche ebenso voll beladen mit Büchern ist. Hier hätte ich stundenlang weiter stöbern können – aber es ist recht voll hier, so dass man leider nicht sehr lange an der gleichen Stelle stehen kann, sondern weiter geschoben wird.
Stefan erklimmt noch die Büchertreppe im Hof und dann ziehen wir schon weiter. Einig sind wir uns: „das sollte man mal gesehen haben!!!!“

Als nächstes steht die Kirche Sante Giovanni Paolo auf unserem Plan, welche für ihre 27 Dogengräber bekannt ist, und zu den größten gotischen Kirchen Venedigs zählt. Sie ist für die Venezianer nach San Marco das zweit wichtigste Gotteshaus. Der wahrhaft monumentale Kirchenbau ist im 13./14. Jahrhundert erbaut und wird gerne als das Pantheon Venedigs bezeichnet. Beeindruckend ist das riesige Kreuzgewölbe, welches von Holzbögen und 10 mächtigen Säulen getragen wird.  Der Kirchenraum ist 96m lang und 43m breit, wobei die Gewölbehöhe bei 35m liegt. Wahrlich beeindruckend.

Da zu diesem Zeitpunkt ein Gottesdienst stattfindet, konnten wir leider nicht alle Bereich einsehen – aber was wir sahen, gefiel uns sehr.
Die Stadt ist an dem heutigen Sonntag extrem voll und wir fragen uns wirklich, ob das alles auf Grund der Biennale sei…. Nach längerem überlegen stellen wir fest, dass wir noch nie an einem Wochenende hier in Venedig waren, sondern immer nur unter der Woche – das nächste Mal wollen wir unbedingt wieder daran denken!

Wir machen ein kurzes Aperol Päusschen in der „Hauptschlagader“ von Venedig und genießen in Ruhe die vorbeiziehenden Menschenmassen, wobei wir uns erfreuen, wie bunt und vielfältig die Menschheit doch ist. Bevor es wieder zum Hotel zurückgeht, bummeln wir noch ein wenig durch die Gassen und wünschen uns wir wären so schlank, dass wir in diese fantastische italienische Mode reinpassen würden – welch Shopping Paradies.

Nach einem kurzen Stopp im Hotel überlegen wir uns, wo wir unser letztes Abendessen einnehmen wollen, hatten wir doch vor Jahren ein nettes Lokal „irgendwo über der Rialto“ entdeckt….. wir machen uns auf die Suche.

Bereits etwas wehmütig, dass der letzte Abend hier angebrochen ist, schlendern wir durch die nun zum Glück etwas leereren Gassen, nur das dezente Aqua alta erschwert hier und da das durchkommen. Wir genießen noch mal den Blick von der Rialto Brücke auf das nächtliche Venedig und irren dann zunächst etwas hilflos durch die Gassen von Sao Polo, bevor wir das finden, was wir suchen. Wie immer, wenn wir nur die Speisekarte studieren, kommt sofort ein Kellner nach draußen gestürzt, so auch hier im Antico Ristorante Vini da Pinto, welches es seit 1890 gibt. Wir werden, wie sollte es auch anders sein, direkt am Fenster – gut sichtbar – platziert. Ein super freundlicher Oberkellner kommt sofort mit den Karten an den Tisch und offeriert uns dazu auch Tagesgerichte mit frischem Fisch, fragt uns woher wir kommen und erzählt, dass er Weihnachten  das erste Mal in Deutschland ist. Nachdem was wir die letzten Abende bezüglich dem Essen erlebt haben, sind wir skeptisch und vorsichtig zugleich. Wir entscheiden uns für eine Fischplatte für 2 Personen. Beilagen sind in Venedig selten mit inbegriffen und so entscheiden wir uns für Bratkartoffeln und Spinat dazu. Ganz klar muss es ein Aperol und eine Flasche Wasser dazu sein. Wir werden von 3 aufmerksamen, aber nicht aufdringlichen Kellnern umsorgt. Der Fisch war vorzüglich, wenn auch keine Masse. Wir werden selbstverständlich nach einem Dessert gefragt, was wir aber verneinen. Stefan möchte lediglich einen Grappa genießen. Der nette Chef nahm dieses zum Anlass zu fragen, ob es denn ein guter, ein besserer oder ein sehr guter sein sollte, und meinte er bringt mir auch etwas zum probieren, was sehr exklusiv sei, eine Sonderabfüllung und natürlich die letzte Flasche wäre, aber alle Frauen würden davon schwärmen. Ich sage höflich, dass ich generell keinen Schnaps trinke – als Antwort stellte er mir die Frage „Vertrauen sie mir?“ – Also gut….. Es wird ein Wagen mit diversen Flaschen vorgefahren und eine Show inszeniert. Stefan findet schnell seinen Grappa. Ich bekomme zuerst einen Mini Schluck zum Probieren – oh lecker, sehr fein. Der Kellner strahlt, hat er wohl doch wieder eine Dame um den Finger gewickelt. In einem riesigen Glas bekam ich nun einen Williams Cognac. Holla die Waldfee – wir sind begeistert..

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Als die Rechnung kommt wird mir fast schlecht – 120€….. 28€ alleine für die edlen Tropfen – unfassbar gut – aber unfassbar teuer. Selbst schuld, wenn man sich vorher nicht informiert….

Im Nachhinein macht es uns fast schon sauer, dass die meisten Restaurants einen tatsächlich versuchen irgendwo abzuzocken. Mag das Essen, das Ambiente etc. noch so toll sein – irgendwo gibt es eine Schmerzgrenze – diesmal wurde sie in Venedig des Öfteren überschritten – schade.

Im Hotel zurück, müssen wir leider unsere Koffer packen…. ein letzter abendlicher Blick von unserem Balkon. Wehmut schleicht sich ein, bevor wir seelig im Kingsize Bett einschlummern.

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