Ausflugstipp – Deutsche Nordseeküste – Pellworm

24. Juli 2016

Heute möchte ich von einem unserer Tagesausflüge an die Nordseeküste berichten. Von Eckernförde ist man in gut einer Stunden „drüben“.

Man hat hier schier eine Unmenge an Ausflugszielen, aber hat schon jemand etwas von der Insel Pellworm gehört? Also ich nicht – bis zum Jahre 2011, da mein Mann dort Enge Bindungen hin hat, schloss ich endlich die Bildungslücke.
Pellworm ist eine Nordfriesische Insel von ca. 38 qkm – sie ist flach wie eine Flunder und es leben etwa 1200 Menschen auf ihr. Ihre Besondere Lage  mitten im Nationalpark „Schleswig Holsteinisches Wattenmeer“ macht sie so besonders, sie ist die drittgrößte der Nordfriesischen Inseln. Die kleinen Halligen Südfall und Süderoog zählen ebenfalls zu Pellworm. Man erreicht die Insel nach ungefähr einer Stunde Fährfahrt  von der Insel Nordstrand aus.
Die Pellwormer Geschichte wurde von Deichbau, Landgewinnung und Sturmfluten geprägt.

Die erste Grote Mandränke (eine der schlimmsten Sturmfluten an der deutschen Nordseeküste), ereignet sich am 16. Januar 1362. Die Wellen schlagen mehr als zwei Meter über die Deichkronen. An der nordfriesischen Küste brechen 21 Deiche und 100.000 Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Die Fluten nagen vor allem an Alt-Nordstrand. Die Siedlung Rungholt geht zusammen mit sieben anderen Gemeinden im nordfriesischen Wattenmeer unter. Rungholt wird mit der Zeit zum mythischen Ort, bis das Meer Anfang des 20. Jahrhunderts im Watt Überreste von Warften, Gebäuden und Zisternen freispült. Die große Burchardiflut im Oktober 1436 trennte Pellworm von Nordstrand ab, nur durch große Antrengungen konnte dieser Schaden 1550 wieder behoben werden. Allerdings kam es durch den massiven Torfabbau in der Region bei der Flut von 1634 erneut zu einer Trennung von Nordstrand und Pellworm – bis heute.
Auch heute noch sind Sturmfluten für die Insel gefährlich – die letzten Großen von 1976 und 1981 konnten sie nur deshalb nicht gefährden, weil die Deiche immer weiter erhöht wurden.
In den Sommermonaten ist der Tourismus die Einnahmequelle Nr. 1 der Insel, ansonsten ist die Landwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
Seit 1983 gibt es ein Hybridkraftwerk und zahlreiche Windkraftanlagen – die einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellen. Die Grundversorgung ist auf der Insel sichergestellt und die beheimateten Fischer leben vom Krabbenfang.
Der Ausflug nach Pellworm beginnt auf Nordstrand, wo wir unser Auto parken und uns zu Fuß auf die Fähre ab Strucklandungshörn begeben. Die Überfahrt dauer ca. 45 Minuten (kann aber auch schon mal bei Niedrigwasser, wenn die Fähre sich festfährt mehrere Stunden dauern [Stefan]). Auf der Insel angekommen und von Möwengeschrei willkommen gehießen , geht die Fahrt mit dem Bus vom Fähranleger in den Ort Ostersiel, wo wir uns Fahrräder ausleihen, um die Insel zu erkunden. Bei unserer „Inselrundfahrt“ besichtigen wir z. B. den Pellwormer Leuchttrum von 1906 mit 38m Höhe. Auf dem Leuchtturm befindet sich ein getestet Standesamt, ebenso das Wahrzeichen der Insel, die alte Kirche (St. Salvador), bereits 1611 stürzte der Turm auf dem weichen Wattboden in sich ein – der erhaltene Rumpf ragt 26m empor. In der Kirche selbst befindet sich die einzige in Schleswig Holstein erhaltene Schnitzerorgel aus dem Jahr 1711, welche für ihren einzigartigen Klang berühmt ist.
Ebenso zu erwähnen sei die Nordermühle von 1777, ein eintöckiger Galerieholländer. Von 1995 – 2008 wurde sie als Restaurant genutzt – heute beherbergt sie nach ihrem Umbau drei Ferienwohnungen.
Die Insel hat leider keinen Sandstrand, aber einige befestigte Badestellen – solch eine ist hier unweit der Nordermühle, und man hat einen freien Blick auf das Wattenmeer, die Halligen und den Sonnenuntergang.
Ein paar kleine Museen hat Pellworm auch zu bieten, wir haben allerdings nur das Schifffahrtsmuseum am Hafen, direkt neben dem alten Fähranleger besucht. Die maritime Ausstellung, welche von der lokalen Arbeitsgruppe „Seefahrt tut Not“ im alten Dampferschuppen betrieben wird, zeigt die Arbeit der Fischer, Seeleute und Schiffer der Insel, sowie die Geschichte der Pellwormer Reederei NPDG. Die spannende Dauerausstellung „Seefahrt tut Not“  zeigt in beeindruckender Weise die Gefahren der Seenotrettung. Der Eintritt hier ist frei, aber um eine Spende wird gebeten.
Der kleine Hafen läd zum Verweilen ein, hier liegen Yachten und Fischerboote dicht an dicht. Bei leckerem Fisch-Krabben.Brötchen vom Tagesfang lässt sich das gemütliche Treiben schön beobachten.
Die neue Kirche ist ein Saalbau aus dem 17. Jahrhundert. Sie wurde ursprünglich auf Gut Seegarden 1517 erbaut, den jetzigen Standort erhielt sie 1621/1622.
Natürlich gibt es auch interessante Freizeitmöglichkeiten auf der Insel, wie z. B. Schiffsausflüge zu den Halligen, Wattwanderungen, Hafenfeste, Bikebrenne und vieles mehr.

Leider stehen auf der Insel viele Imobilien zum Verkauf an, denn die meisten jungen Insulaner ziehen schon zu Schulzeiten weg, da Pellworm keine weiterführenden Schulen hat und auch Ausbildungs- und Arbeitsplätze rar gesät sind. So veraltet die Insel zunehmend…

Auch wir kehren Pellworm nun den Rücken zu, denn es war schon ein wenig anstrengend auf dem Rad und den „Bergen des Nordens“, wie hier der ständige Gegenwind genannt wird – Spaß hat es allemal gemacht, aber ich könnte es mir definitiv nicht vorstellen hier zu leben (ich schon 🙂 [Stefan]) – bereits ein längerer Urlaub, so denke ich – wäre sehr – naja sagen wir mal – sehr, sehr ruhig.

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