Ausflugstipps sowie Sehenswertes in und um Kiel

20. Juli 2016

Jetzt blicken wir Richtung Süden und fahren die knapp 30 km auf der B76 Richtung Landeshauptstadt.

Nach einer guten halben Autostunden (sofern mal ausnahmsweise keine Staus auf der B 76 sind) erreichen wir Kiel, die mit knapp 250.000 Einwohnern zu den 30 größten Städten Deutschland gehört. Ich mag Kiel, wegen der Vielfältigkeit, das schöne Miteinander von Vergangenheit (obwohl Kiel im 2. Weltkrieg zu 75% zerstört wurde) und Gegenwart, den vielen Sehenswürdigkeiten, den freundlichen Menschen und natürlich wegen der Nähe zum Wasser, denn schließlich liegt Kiel an der Ostsee und ist Endpunkt der meist befahrensten Wasserstraße der Welt, dem Nord – Ostsee – Kanal, oder auch Kiel Kanal genannt.
Unendlich viel gibt es zu entdecken in dieser Stadt – ein wochenlanger Urlaub wäre von Nöten, um hier alles zu sehen. (Internet Kiel oder  Sailing City)
Hier nun wieder, ein paar über die Jahre gesammelte Ausflugstipps, die Orte, die es nach unserem Geschmack lohnt zu besuchen.

Beginnen wir unsere gemeinsame Reise durch Kiel am Nordausgang der Kieler Förde, und lassen uns erst mal den Wind um die Nase wehen. Das klappt wunderbar am

Leuchtturm Bülk

Dieser älteste Leuchtturm an der Kieler Förde steht bei Strande. Hier ist überall der Panorama Meerblick inklusive, besonders wenn man die 98 Stufen nach oben nimmt, hat man in 22 Metern Höhe einen absolut tollen Ausblick – über die Eckernförder Bucht, die Kieler Bucht und bei guter Sicht sogar auf die dänischen Inseln.

Im Pavillon unterhalb des Turmes bekommt man Kleinigkeiten zu Essen, Kaffee + Kuchen. Ab und an wird Live Musik und Barbecue angeboten. Ein Spaziergang rund um den Leuchtturm kann ich nur empfehlen – hier bekommt man den Kopf frei und die Lunge jubelt bei der frischen Meeresbriese. Der Strand läd dazu ein den vielen Surfern zuzuschauen oder Muscheln zu sammeln. Spektakulär ist ein Besuch hier im Herbst, wenn der Wind stärker aus Ost weht und das Wasser rauher wird – leider kann es dann allerdings passieren, dass die Zufahrtsstraße überschwemmt ist. Egal wie, einfach ein toller Ort um einfach mal auszuspannen.
Auspannen kann man im Hochsommer auch wenige Kilometer weiter landeinwärts. Der Falckensteiner Strand ist einer der beiden „Hausstrände“ für die Einheimischen hier und ist nicht so überlaufen wie die Strände am Ostufer.
[Stefan]

 

Die Reise führt uns weiter landeinwärts in den Stadtteil Schilksee, mit einem der größten Yachthäfen an der deutschen Ostsee. Weht zwar an der Küste ständig der Wind, so weht hier auch noch der Wind der Vergangenheit, nämlich der, der Olympischen Sommerspiele 1972. Wir haben das

Olympiazentrum Kiel – Schilksee

erreicht. Der Hafen mit den umliegenden Gebäuden, dem Olympischen Dorf, wurde für die Olympiade in München gebaut und hier wurden die Segelwettkämpfe ausgetragen. Selbst heute ist es noch Segelleistungszentrum und während der Kieler Woche das Zentrum der Segelveranstaltungen.
Die ehemalige Fackel des Olympischen Feuers ist heute Sitz des Hafenmeisters und eine schöne Aussichtsplattform. Auf diversen Schautafeln lässt sich Sportgeschichte nachlesen und wenn man sich auf eine der vielen Bänke hinsetzt und den mediterranen Klängen der unzählig schlagenden Tampen, die an die Masten schlagen, lauscht, dann kann man sich sehr gut vorstellen, wie hier um olympisches Gold gekämpft wurde.

 

Weiter geht’s Richtung Zentrum und nach wenigen Fahrminuten erreichen wir den Ortsteil Holtenau. Dort sollte man unbedingt die

Holtenauer Schleusen des Nord – Ostsee – Kanales

begutachten. Die Schleusenanlage, welche bei Ihrer Eröffnung 1914, damals noch unter dem Namen „Kaiser – Wilhelm – Kanal“, die größte der Welt war, bestehen aus 2 großen und 2 kleinen Schleusenkammern und überbrücken je nach Wasserstand in der Ostsee hier nur einen Höhenunterschied von ca 30 cm. Die Besichtigung der Schleusen ist hoch interessant; eine Anmeldung aber notwendig. (wsa-kiel.wsv.de)

Unter anderem kann man den Schleusenvorgang an einer der großen Kammern beobachten, wird über das Betriebsgelände und Werkshallen geführt und bekommt Einsicht in diverse Museen vor Ort. Bei der Führung kommt keine Langeweile auf und sie ist für Kinder bestens geeignet – mit Glück erwischt man den Zeitpunkt, wo ein „Großer Pott“ die Schleuse ansteuert.
Aktuell scheinen nur noch Gruppenführungen (Anmeldung über das Kieler Tourismusbüro) möglich. Der Besuch der Besucherplattform lohnt sich aber trotzdem auf jeden Fall!
[Stefan]

 

Unser Kiel Besuch führt uns nun weiter in die

Innenstadt

welche auch etliches zu bieten hat. Entdecken kann man die Stadt neuerdings auch in einer hop on hop off Tour in einem Doppeldecker Bus erkunden, oder herkömmlich im Rahmen einer Stadtführung, oder natürlich auch auf eigene Faust. Auch das shoppen kommt hier nicht zu kurz, dank großer Indoor Shopping Passagen ist dieses auch bei Schietwetter gut möglich. Mein Favorit ist der bereits Ende der 80er Jahre eröffnete Sophienhof, welcher über 100 Geschäfte beherbergt.
Ich bevorzuge doch dann eher den 2006 auf 10 Hektar eröffneten Citti Park (Nähe Ikea) mit kostenlosen Parkplätzen und eigenem Bahnhof im Center
[Stefan]

Großen Charme haben aber auch die vielen kleinen traditionellen Boutiquen in der Fußgängerzone (Holstenstraße). Wenn man so das erste Mal durch die Kieler Innenstadt bummelt kann man sich schon erschrecken und fragt sich, was das denn ist, was man so zwischen oder auch über den Häusern sieht. Läuft man Richtung Hafen (Hafenrundfahrt von der Bahnhofsbrücke) in Richtung Schwedenkai sind sie nicht mehr zu übersehen. Die Großen Fähren nach Schwede, am gegenüberliegenden Ufer die nach Norwegen, oder etwas weiter am Ostseekai die Kreuzfahrtschiffe. So ist es nicht selten, das neben den beiden Fähren nach Skandinavien gleichzeitig bis zu 3 Kreuzfahrtschiffe, wie Aida, Mein Schiff, Deutschland, MSC … usw.  in Kiel liegen. (Das  heißt es tummeln sich dann zusätzlich bei Gästewechsel auf den Kreuzfahrern über 20.000 Gäste  und Besatzungsmitglieder in Kiel).Kiel ist mittlerweile mit seiner günstigen Lage, den 3 Passagierterminals und dank seiner Infrastruktur der drittgrößte Reisewechselhafen für Kreuzfahrten in Nordeuropa. 2016 sind z. B. 130 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen mit 450.000 Passagieren zu erwarten. Es verschlägt einem fast den Atem, wenn man vor einem dieser Kolosse steht. Sie wirken wie eine kleine Stadt und bieten jeweils bis zu 3000 Urlaubern Platz. Es wäre zwar definitiv nicht unsere Art zu reisen, aber es ist schon sehr beeindruckend, diese Kähne aus der Nähe zu sehen. Bei ein paar Schiffen ist es auch möglich, als Gast für ein paar Stunden an Board zu gehen, (z. B. 3 Std. incl. Essen auf der Aida für 50€) was allerdings rechtzeitig gebucht werden muss.
Auf der Seite www.ostsee.de und dort unter Kiel / Kreuzfahrtschiffe kann man im Vorfeld seines Besuches in Kiel schauen, welche der Riesen erwartet wird.
Allerdings kann es Witterungsbedingt immer noch mehr Besuch geben, wenn wegen starkem Wind andere Häfen von den Schiffen nicht mehr angefahren werden können.
[Stefan]

Von der Moderne zu Tradition – diesen Sprung schafft man, wenn man zum Beispiel das Glück hat, im Marinehafen die Gorch Fock zu entdecken. Mit ihren knapp 90m Länge und 2037 qm Takelage, verteilt auf 23 Segel, lässt sie das Herz jedes See(h)manns höher schlagen und ist nicht weniger beeindruckend wie die großen weißen Kreuzfahrtriesen – im Gegenteil, ich würde sie denen jederzeit vorziehen.
Die Hörnbrücke im Hafenbereich, direkt neben dem Bahnhof ist auch auf jeden Fall ein Besuch wert. Diese dreigliederige Faltbrücke ist technisch einmalig – durch eine Computersteuerung ist sie in zwei Minuten hochgeklappt und die Schiffe haben freie Fahrt.
Mein Mann würde an dieser Stelle sicher noch die Sparkassen Arena (ehemals Ostseehalle) des THW Kiels erwähnen. Die Heimat des Handball Bundesligisten liegt ebenfalls in der Innenstadt, direkt an der Fußgängerzone – nunja, wir kommen ja aus der Nähe von Mannheim – und über die Jahre ist er nun doch vom Zebra zum Löwen Fan geworden – belohnt wurde er dafür dieses Jahr mit der Deutschen Meisterschaft.
Wer aber die Möglichkeit hat, bei seinem Kiel Besuch eine der wenigen frei verfügbaren Karten für den THW in der „Kathedrale des Handballs“ zu ergattern sollte dieses unbedingt tun. Denn die Stimmung der mit 10.285 Fans seit Jahren stets ausverkauften Halle ist unübertroffen und erzeugt auch bei nicht eingeschworenen Handball Fans Gänsehaut.
[Stefan] 

 

Nun geht es weiter auf das sogenannte Ostufer von Kiel, in den Stadtteil Laboe, welcher gerne als Sonnenseite der Kieler Förde bezeichnet wird.

Laboe – Marine Ehrenmal

Hier steht das Marine Eherenmal – es erinnert an die gefallenen Seeleute beider Weltkriege und ist für mich ein sehr mystischer Ort. Schon alleine wegen der unterirdischen Gedenkhalle, wo noch heute Angehörige Blumen niederlegen.

Ebenso zollen die Manschaften aller deutschen Kriegsschiffe ihren Respekt , indem sie geschlossen an Deck antreten und bei der Vorbeifahrt die Fahne zum Gruß und Gedenken dippen (kurzes Senken der Fahne).
Der Aussichtspunkt ganz oben auf 85 m Höhe des Denkmales ist entweder über 314 Stufen, oder bequem mit Lift zu erreichen, und bietet einen grandiosen Blick auf die Kieler Förde und Bucht, den Yachthafen mit 700 Liegeplätzen und den direkt am Fuß gelegen Badestrand mit der 8 Hektar großen Dünenlandschaft und bei guter Sicht wieder bis in die Dänische Südsee. Insgesamt steht das Ehrenmal auf einer Fläche von knapp 6 Hektar, auf der es viel zu sehen gibt.

 

Laboe – U-Boot

In unmittelbarer Nähe, direkt unterhalb des Ehrenmales kann ein Deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg besichtigt werden. Das 1943 in Dienst gestellte Boot des Typs VIIc ist das letzte erhaltene seiner Klasse und wurde bereits 1972 mit 2 Schwimmkränen hier auf den Strand gesetzt. Seit dem hat es über 10 Millionen Besucher angelockt.
Sollte man, was absolut zu empfehlen ist, U-Boot und Ehrenmal besichtigen wollen, so gibt es an den Kassen günstige Kombi Tickets
[Stefan]
Das Boot ist als historisch – technisches Museum zu sehen, aber man staunt schon nicht schlecht, welche besonderen und großen Strapazen es für die damalige Besatzung war, in dieser Enge unter den Schrecken des Krieges zu arbeiten.

Und somit wird unserer und nachfolgender Generationen das Grauen und das Leid des 2. Weltkrieges mahnend vorgeführt. Die Besichtigung des Bootes ist auch für Kinder zu empfehlen. 
Für Landratten gibt es an der Kasse einen Audioguide, der einen in eine Zeitreise führt, als dieses Boot noch der Schrecken aller Alliierten Schiffe war.
[Stefan]
Sollte man einen sonnigen Tag erwischt haben, lohnt sich hier in Laboe der Bummel über die Strandpromenade und ein leckerer Kaffee, bei dem „Schiffe kucken“ inklusive ist.

 

Unsere Reise um die Kieler Förde ist hier erst mal abschlossen, obwohl es noch unendlich viel mehr zu entdecken gibt, und wir begeben uns wieder landeinwärts. Von hier aus gesehen kurz hinter der Kieler Innenstadt, im Stadtteil Molfsee, liegt das

Freilichtmuseum Molfsee

Das 1965 eröffnete Museum, gehört ebenso wie Haitabu zum Landesmuseum Schleswig – Holstein.
Etliche Jahre musste ich warten, bis der Besuch in Molfsee klappte und ich ihn auf meiner Liste „unbedingt mal hin“ abhaken konnte – irgendwas ist ja immer, aber 2014 hat es endlich geklappt – und es hat sich allemal gelohnt. Auf über 40 Hektar sind mehr als  60 historische Gebäude, Hofanlagen und Mühlen, mit ihrem jeweilige Mobiliar, dem Hausrat, der Arbeitsgeräte, aber auch  mit ihren Tiere zu bestaunen – umgeben von Wiesen, Gärten, Feldern und Teichen ist das Areal sehr weitläufig. Dazu kommen die Gebäude aus den verschiedensten Landschaften in Schleswig-Holstein.

Erfreulich sind die günstigen Eintrittspreise, in denen die Fahrt mit einer kleinen Eisenbahn (praktisch – denn mit der Zeit wird man doch Fußlahm) und das Kinderkarussell inbegriffen ist.
Besonders interessant und schöne finde ich, dass diverse „alte Gewerke“ täglich Vorführungen anbieten und man den Handwerkern in den jeweiligen Gebäuden über die Schulter blicken kann (z.B. Drechsler, Korbmacher, Imker, Töpfer, Weber, Schneider, Kerzenzieher, etc.)  – überwiegend kann man die hergestellten Waren auch direkt kaufen.
Im Backhaus, in der Räucherei und in der Meierei wird für das leibliche Wohl gesorgt – ebenso wie anno dazumal – herrlich.

 

Kiel ist groß und vielfältig, mit gefällt die Stadt, weil sie große Pötte, kleine Jollen, alte Windjammer, coole Yachten, riesige Kräne, sowie Möwengeschrei und Werftenlärm vereint. Die steife Briese, salzige Meeresluft und Fischgeruch tun ihr übriges dazu – dass ich mich hier immer wieder wohl fühle. Mein Wunsch die Kieler Woche zu erleben, ging dieses Jahr auch in Erfüllung, aber dazu an anderer Stelle mehr.

 

 

 

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