Balkonien und der Jugendstil

18. Juli 2018

Nachdem wir den ersten Ausflugstag, bereits mit dem Fahren etlicher Kilometer verbrachten, wollten wir heute einen etwas unentspannteren Tag einlegen und entschieden uns in unsere nächstgelegene Stadt Darmstadt zu fahren. Zwar kennt man dort das meiste bereits schon, aber vieles kann man sich durchaus mehrfach ansehen.

Darmstadt wird auch die Stadt des Jugendstils genannt., da sie sehr viele Gebäude aus dieser Stilepoche aufzuweisen hat. Und so machten wir uns zuerst auf den Weg zur Mathildenhöhe (siehe auch www.mathildenhoehe.eu)

Mathildenhöhe

Da wir dort demnächst für ein Hochzeits Shooting gebucht sind, nutzten wir gleich die Gelegenheit, uns die Location unter diesem Aspekt anzusehen. Aber zuerst muss ein Parkplatz gefunden werden. Es gibt an sich keinen eigenen öffentlichen, allerdings findet man in den umliegenden Straßen genug Möglichkeiten. Mit ganz viel Glück evtl. sogar im Olbrichweg, der als Anschrift der Mathildenhöhe gilt.

Die Mathildenhöhe ist ein Komplex aus verschiedensten Gebäuden. Seit 1908 gibt es das „Institut Mathildenhöhe“, es ist ein international ausgerichtetes Mehrspartenhaus der bildenden und angewandten Kunst. Es gibt ein eigentliches Ausstellungsgebäude, welches aber leider momentan renoviert wird und somit 2018 nicht zugänglich sein wird. Das Museum, Künstlergalerie, mit abwechselnden Ausstellungen im künstlerischen Bereich, sowie einem Museumsshop ist ebenso auf dem Areal zu finden. Es ist täglich außer Montags von 11-18 Uhr geöffnet.

In den umliegenden Straßen sind viele sogenannte Künstlerhäuser zu sehen, welche an diversen Terminen übers Jahr ihre Türen öffnen und besichtigt werden können. Dieser Bereich wird als Künstlerkolonie bezeichnet. Seit 2014 steht die Mathildenhöhe auf der Vorschlagsliste des UNESCO Weltkulturerbes. Eine Entscheidung wird 2020 erwartet.

Seine Anfänge findet die Mathildenhöhe im 19 Jhd. als Gartenanlage des großherzoglichen Hofes. 1833 wird es in einen Landschaftspark im englischen Stil umgestaltet. Aus dieser Zeit stammt insbesondere noch der sogenannte Platanenhain, der heute gerne für Boule Spiele genutzt wird. Bei Festen stehen hier die Biertischgarnituren und momentan ist ein kleines Cafe zum rasten hier zu finden.

Das Ausstellungsgebäude wurde im Jahr 1900 erbaut. Doch die zweit weitaus markanteren Gebäude sind der Hochzeitsturm und die russische Kapelle. Der 48,6 Meter hohe Hochzeitsturm gilt als Wahrzeichen Darmstadts und wurde vom Architekten Joseph Olbrich entworfen. Er entstand zur Erinnerung an die Hochzeit, des Großherzogs Ernst Ludwig im Jahr 1905. Der Turm wird auch gerne als Fünffinger Turm bezeichnet, da er an die fünf Finger einer ausgestreckten Hand erinnert. In der Eingangshalle befinden sich zwei wunderhübsche Mosaike von Friedrich Wilhelm Klenkens „Der Kuss“ und „Die Treue“, ebenso ist die Decke als Nachthimmel ebenso aus Mosaiksteinchen gestaltet. Der Turm beherbergt heute ein Büchermagazin, das sogenannte Fürstenzimmer und in der 5. Etage ein Hochzeitszimmer, welches als Standesamt genutzt wird. Auf 33 Metern Höhe befindet sich eine Aussichtsplattform die entweder über 195 Stufen oder per Aufzug zu erreichen ist. An der Außenfront des Hochzeitsturmes sieht man eine Sonnenuhr von 1914. Unter dem Gelände von Hochzeitsturm und Ausstellungsgebäude befindet sich ein Gelände aus Katakomben und Gewölbekellern, Tunneln und Gängen welche im 19. Jhd. als Bierkeller genutzt wurden, da es damals in Darmstadt 12 Brauereien gab.

Das zweite Gebäude, welches einem ins Auge sticht ist die Russische Kapelle, diese wurde von 1887 -1889 vom Großvater Peter Ustinovs errichtet, und das auf eigens importierter russischen Erde! Auftragsgeber hierfür war Zar Nikolaus II, der bei seinem Besuch bei Zarin Alexandra nicht auf ein eigenes Gotteshaus verzichten wollte. Noch heute finden Gottesdienste in der Kirche statt und eine Besichtigung ist ebenso möglich, welche wir jedem nur empfehlen können, da es doch eine ganz „andere Welt“ ist. Auf dem gesamten Mathildenhöhen Areal laden hübsche Bänke, Pavillions, Nischen und Ecken zum verweilen ein um sich gedankenverloren die längst vergangene Zeit bildlich vorzustellen.

 

Park Rosenhöhe

Wenn man das Gelände entlang des Olbrichweges verlässt und über eine kleine Eisenbahnbrücke geht, gelangt man zum Park Rosenhöhe (www.park-rosenhoehe.info), der etwa 1810 als Landschaftsgarten mit teilweise exotischen Bäumen auf einem ehemaligen Weinberg im Osten Darmstadts angelegt wurde. Das sogenannte Löwentor von Albin Müller stellt das imposante Hauptportal da, welches 1927 zum 25. Jubiläum der Künstlerkolonie ( siehe Mathildenhöhe) errichtet wurde. Den historischen Park zieren über 1500 Bäume, darunter teil 200 Jahre alte Laub und Nadelbäume. Im Osten läuft das Gebiet in einer Streuobstwiese aus.  Als Anfang des 20. Jhd. das Rosarium angelegt wurde, kombinierte man erstmals den italienischen mit dem englischen Gartenstil, was heute noch zu sehen ist. Das Teehäuschen wurde in der ersten Hälfte des 19. Jhd. von Georg Moller errichtet. Der goldene Halbmond und die Papageien Darstellungen sollen den exotischen, weltoffenen Charakter des Parks unterstreichen.

Im Park findet man ebenso zwei Mousoleen die etwa von 1826 und 1910 stammen, sie wurden für das Fürstenhaus angelegt, im Familiengrab fanden unter anderem der letzte Großherzog Ernst Ludwig, aber auch die fünfjährig verstorbene Prinzessin Elisabeth, Wilhelmine und weitere Verstorbene der großherzoglichen Familie ihre letzte Ruhe.  An den außerhalb liegenden Fürstengräbern findet man einen zauberhaften knienden Engel aus dem Jugendstil von Ludwig Habich.

Den zentralen Mittelpunkt des Parks bildet allerdings das Rosarium mit dem Rosendom, auf der Freifläche sind etliche Beete mit Rosen und weiteren Blumen angelegt, ein Seerosenteich läd zum Verweilen ein, und an jeder Ecke gibt es etwas anderes hübsches zu entdecken. Hunderte pinker Kletterrosen erklimmen den Rosendom, ein einzigartiger Moment wenn man unter diesem Natur Dach steht – unbedingt mal die Augen schließen und tief durchatmen! So schön kann Urlaub ein paar Kilometer nördlich von Balkonien sein, man denkt wirklich man ist in Italien. Berufsbedingt kenne ich mich etwas in der Botanik aus, bin aber jedes mal wenn ich die Rosenhöhe besuche, aufs neue überrascht wie vielfältig es hier ist, besonders die Mamut Bäume haben es mir immer angetan oder überhaupt – alte Bäume, was die schon so alles er und überlebt haben, wenn sie nur erzählen könnten …… lächelnd hebe ich während des Spazierens ein paar Zapfen der Mamut Bäume auf, die nächste Weihnachtsdeko kommt bestimmt ….

Seit 1979 ist der Park Rosenhöhe in städtischem Besitz und es werden immer wieder unterschiedliche Führungen und Kurse angeboten ….ein schönes Buch, eine sonnige Ecke inklusive Rosenduft tut es aber auch!

 

Hundertwasserhaus

In eine völlig andere Stilepoche tauchen wir bei unserem nächsten Stopps innerhalb Darmstadts ein.

Das Hundertwasserhaus, auch Waldspirale genannt, ist ein U -förmiges Gebäude das von 1998 bis 2000 erbaut wurde. Eine lokale Zeitung betitelte es mal so: “es sieht aus, als wäre es ein buntes Märchenschloss, von einer Horde fröhlicher Kinder gemalt“, ich finde die Beschreibung sehr passend! Die Architektur ist typisch Friedensreich Hundertwasser: revolutionär, farbenfroh mit irregulären Formen.

Das Haus ist 12 stöckig und besteht aus 105 Appartements, es besitzt über 1000 Fenster, von dem keines dem anderen gleicht. Der Künstler selbst, bezeichnete dies als „aus der Reihe tanzende Fenster“. Mir fielen beim Rundgang ein paar Fenster auf, aus denen Bäume zu wachsen schienen, ich dachte noch, naja die Bewohner stellen wohl über den Sommer die Pflanzen ans Fenster – aber nein, beim Recherchieren las ich, das sind sogenannte „Baummieter“, und das wäre so vom Künstler gewollt. Das Dach, das aus recyceltem Beton gefertigt wurde, ist mit Bäumen bepflanzt. Im Innenhof Garten gibt es einen Spielplatz und einen kleinen künstlichen Fluss. Selbst ein paar der Wohnungen sind innen im Hundertwasser Stil gestaltet. Zum Beispiel mit typischen Fliesen in Bädern und Küche, ebenso sind in diesen Wohnungen die sämtliche Ecken und Decken abgerundet.

Aus Kostengründen sind leider nur wenige Wohnungen strikt nach dem Credo von Hundertwasser:“ Gegen die gerade Linie und dem rechten Winkel“ gestaltet worden. Von außen allerdings hat alles den typischen Stil, bunte Bemalung (sie soll die Erdschichten wiederspiegeln), goldene Zwiebeltürme und farbenfrohe Keramiksäulen, selbst am Tiefgaragen Eingang oder an den Mülltonnen Häuschen. Dem Künstler selbst war es übrigens nicht vergönnt, das fertige Werk zu besichtigen, denn er verstarb ein paar Monate vor Fertigstellung. Das prächtige Hundertwasser Haus findet man in Darmstadt im Bürgerparkviertel, Ecke Friedberger Straße/Nauheimer Straße.

Kleiner Tipp: Parkplätze findet man überall in den Straßen, allerdings gibt es ein Parkhaus  in der Bad Nauheimer Straße…..gehen sie zum fotografieren aufs oberste Parkdeck (via Glas Aufzug) und dann an den Punkt kurz bevor die Abfahrt beginnt !!!!!!

 

Sehr beeindruckt beenden wir dann die Touristen Tour für heute, wiedermal haben wir kurz um die Ecke geparkt und viel gesehen, und dazu noch alles für umsonst  ….. was dann noch kam nennt man Sundowner auf Balkonien !

 

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