Büschen Wind um die Nase…

26. April 2022

Fehmarn im Januar

Als im November 2021 feststand, dass wir unsere geplante Hurtigruten Reise ein zweites Mal verschieben müssen ging die Urlaubsplanung in verschiedenste Richtungen.

Jeder kennt sie mittlerweile, die Gedanken: Wo ist die Inzidenz momentan am niedrigsten, wo gibt es welche Regeln, was darf man wo, welcher Anbieter hat gute Corona Buchungsmöglichkeiten usw.

Die Enttäuschung war wirklich groß, so sehr hatten wir gehofft die Reise, die eigentlich für Januar 21 geplant war, nun endlich in 2022 nachholen zu können – deswegen gab es für uns auch nicht wirklich eine gute zufriedenstellende Alternative zu Norwegen.

Nur in einem waren wir uns einig, Urlaub am Anfang des Jahres musste sein, unsere Akkus waren durch Corona, berufliche starke Einbindung und viele aufregende private Geschichten absolut leer – ein Aufladen, durchatmen, Seele baumeln lassen, dringend notwendig.

Da wir persönlich keine Strandurlauber sind, können wir das am allerbesten im Winter, wenn man so richtig die Naturgewalten spüren kann. Dick eingepackt, im Idealfall an einem Strand oder von Wasser umgeben, dann in ein gemütliches Häusschen kommen, am Kamin sitzen und lesen usw. – so war unsere Idealvorstellung.

Genau dieses haben wir dann nach Überlegungen bzgl. Österreich und Dänemark auf der Ostseeinsel Fehmarn für 14 Tage gefunden.

Gerne nehmen wir Euch mit auf unsere Reise, eine Insel die uns im Winter restlos begeistert hat, wir nehmen Euch mit zu rauschenden Wellen, Tage voller Sturmwarnungen, unendlich geniale Natur, tausenden Fotomotiven, ganz vielen Steinen, Kormoranen, Kitern und viel Gemütlichkeit ….

TAG 1:

Am 15. Januar machten wir uns in den frühesten Morgenstunden auf in Richtung Norden.

Schon beim Packen des Autos am Vortag, das übliche Bild: unser Hundeopi hat Angst, dass wir ihn vergessen könnten ….

Jojo liebt das Autofahren, und zumindest hier ist der verrückte Hund mal ruhig, und man hört nichts von ihm auf der Rückbank…

Wenn dann irgendwann die ersten Großaufkommen von Windrädern auf den Feldern erscheint, weiß ich: nun sind wir im Norden angekommen….

FEHMARN wird abgeleitet aus dem slawischen und bedeutet übersetzt so viel wie: “Im Meer“, sie ist die dritt größte deutsche Insel mit 185 Quadratkilometern Fläche. Die Insel bietet 78 Kilometer Küstenlinie mit Sand, Steil und Naturstränden, und ist mit durchschnittlich 2200 Sonnenstunden im Jahr, die sonnenreichste Region Deutschlands, weshalb die Insel auch gerne als „Hawaii des Nordens“ genannt wird.
Fehmarn ist die Insel der kurzen Wege und besitzt 300 km gut ausgebaute Radwege.
Die Landschaftliche Vielfalt stellt eine weitere Besonderheit der Insel dar, die außerordentliche Fruchtbarkeit der Böden ist ihr Markenzeichen, und wenn im Frühjahr die Sonneninsel im wahrsten Sinne Gold leuchtet, weil die Rapsfelder blühen, dann kann es einem schon mal den Atem verschlagen.
Es ist einfach herrlich, und deutlich zu sehen und spüren, wie hier auf der Insel, Ferienhöfe, Hofcafes, 17 Campingplätze, Traditionen und modernes Leben Hand in Hand gehen und nebeneinander existieren.
Bereits 3500 v.Chr. Sollen steinzeitliche Jäger bereits sesshaft auf der Insel gewesen sein.
Eine bewegte Geschichte führte zu 27 Herrschaftswechseln und 21 Kriege auf Fehmarn.
Schon 1231 n.Chr. Erwähnte der Dänenkönig Waldemar, 36 der heute 42 Inseldörfer!

Nach knapp 7 Stunden Autofahrt, kurz hinter Heiligenhafen kommt dann das erste Mal das Wahrzeichen der Holsteinischen Ostseeküste zum Vorschein, die FEHMARNSUND BRÜCKE, auch liebevoll „Kleiderbügel“ von den Einheimischen genannt.

Das 943 Meter hohe, gewaltige Bauwerk wurde 1963 eingeweiht und steht seit 1999 als technisches Bauwerk unter Denkmalschutz.

Bis zur Fertigstellung der Brücke diente eine Sundfähre als Verbindung zum Festland.

14 Tage nachdem die Fehmarnsundbrücke eingeweiht wurde, wurde ebenso der Fährhafen in Puttgarden eröffnet, und das Tor zu Dänemark stand somit noch weiter auf.

Auf der Insel angekommen, macht sich sofort Urlaubsfeeling breit, wir schalten sprichwörtlich einen Gang runter und fahren nach Vitzdorf, wo sich unser Ferienhaus befindet.

Der Hausbezug ist problemlos auf 15 Uhr terminiert und wir werden herzlich von Familie Thomsen – Detlefs in unserem Urlaubsdomizil „Pelle“ begrüßt. www.fehmarn-mein-urlaub.de

Vom ersten Betreten der Unterkunft sind wir sofort und restlos begeistert. Die gehobene Ausstattung der 2019 erbauten Häuser mit Fußbodenheizung, Kamin und Sauna lassen uns sofort strahlen und uns wohlfühlen, der Begrüßungswein auf dem Tisch genießen wir dann später, denn uns zieht es wie immer sofort raus – alles andere wie Koffer auspacken etc. wird überbewertet …..

Um uns unser erstes Abendessen zu sichern, fahren wir ein paar Kilometer an den Hafen von Burgstaaken, der bereits 1778 in den Geschichtsbüchern erwähnt wird.

In den Wintermonaten/Nebensaison kann man übrigens auf der kompletten Insel kostenfrei Parken. Zwar ist Kurtaxe fällig, aber wir haben selten so viele öffentliche WC Anlagen, und dazu noch super gepflegte, gefunden, wie hier.

Wir parken also am Ende der Straße wenn man vom Zentrum Burg kommt, auf dem großen Parkplatz und schauen uns ein bisschen um, und genießen den maritimen Flair und lassen die frische Meeresbriese in unsere Lungen strömen —–Uuuuuurrrrlaaauuuuuub –

Rund um Fehmarn werden pro Tag etwa 3,8 Tonnen Fisch gefangen, dieser landet hier in Burgstaaken im Hafen.

Das entspricht pro Jahr etwa 1400 Tonnen, 56000 Kisten und ca. 80 Lkw Ladungen Fisch. Überwiegend wird Hering, Sprotte, Scholle und Dorsch gefischt.

Die hier ansässige Fischgenossenschaft vertreibt diesen Fisch weltweit, es gibt im Hafen eine Schauräucherei und das „Fehmarnsche FischLädchen“ welches die nächsten Tage gut an uns verdienen wird, denn hier gibt es leckere Fischbrötchen, Theken mit Frischfisch und Geräuchertem. Man kann hier direkt warme Tellergerichte zu sich nehmen und dem regen Treiben des kleinen Fischerhafens zuschauen.

Im Hafenbecken gibt es unzählige Fischkutter, manche bieten Fischverkauf direkt vom Kutter an, und in der Saison werden Schifffahrten angeboten.

Wir genießen es allerdings schon jetzt, ein paar Stunden nach unserer Ankunft, dass eben nicht viel los ist auf der Insel, es herrscht Ruhe und Beschaulichkeit, genau das was wir suchten.

Nun aber mal schnell zum ersten Matjesbrötchen meine Lieben, was sein muss, muss sein.

Da herrlichstes Wetter ist, vertreten wir uns noch ein wenig die Beine nach der langen Fahrt,  und gehen ein paar Meter am Ufer des Burger Binnensees entlang und genießen einfach nur …

Diese XXL Relaxliegen/Feldsofas werden uns übrigens überall auf der Insel die nächsten Tage begegnen, in unterschiedlichsten Größen und Formen – und wir finden sie einfach klasse!

So, der Kamin und die Flasche Wein wartet … und der gekaufte Räucherfisch aus dem Fischlädchen ruft nach Gesellschaft – der erste gemütliche Abend bricht an.

Tag 2 – Schietwetter die erste ….

Schon am Vorabend hörten wir im Wetterbericht, dass es heute wohl ziemlich ungemütlich werden wird, grau in grau auf höchstem Niveau …

Aber wir wären nicht wir, wenn wir uns dadurch unseren Tatendrang vermiesen lassen würden.

Und so machten wir uns nach einer ersten wunderbaren Nacht auf Fehmarn auf nach Burgtiefe und seinen Südstrand.

Wir parkten am Ende der Straße am Wendehammer im Ort, was man gar nicht verfehlen kann.

Schon beim Aussteigen, schlug uns ekelhafter kalter Wind entgegen und wir zogen unsere Mützen tiefer ins Gesicht – Januar im Norden, so ist das eben.

Unseren Spaziergang starten wir an der Mole direkt am Hafen. Der Yachthafen hier im Burger Binnensee hat an seinem Rundsteg 600 Liegeplätze, es sicher wunderschön, wenn die Sonne vom Himmel lacht, jetzt heute ist der kreisförmige Bootsanleger auf den 5 weitere folgen, gähnend leer. Außer uns ist niemand unterwegs – somit haben wir auch einen freien Blick auf den Kommunalhafen Burgstaaken mit seinem U -Boot usw., der genau gegenüber liegt.

Ein paar Meter weiter befindet sich der 2021 ganz neu errichtete hölzerne Aussichtsturm mit 360 Grad Blick. Auf dem 18 Meter hohen Turm hat man sicherlich einen tollen Rundblick …. Wenn man denn was sehen könnte. Heute aber ist es nebelig, windig und kalt. Stefan erklimmt die Stufen nach oben trotzdem. Der Hund und ich suchen überall Winddeckung sofern wir etwas finden…. Mensch pfeift es hier.

Wir schlendern etwas im Hafengebiet rum, entdecken das ein oder andere was wir für fotogen halten. Mir fallen erneut die einzigartigen Spielplätze auf, die sehr kreativ gestaltet sind und ich kann mir vorstellen, was hier im Sommer geboten ist. Heute herrscht gähnende Leere, kein Kaffee, kein Geschäft ist geöffnet. Nur die Möwen und wir scheinen dies zu genießen….

Irgendwann drehen wir um und laufen ein Stück die 1,4 km lange sogenannte „Erlebnisprommenade“ entlang, diese schlängelt sich am bekannten Südstrand der Insel vorbei. Dieser ist wohl der Lieblingsstrand der Gäste sowie der Einheimischen und hat angeblich den feinsten Sand der Insel zu bieten.

Heute bietet er Ruhe und Wind, viele viele Algen am Strand und Wasservögel die sich auf den schwappenden Wellen treiben lassen.

Wir als bekennende „nicht Strand Lieger“, wissen auch im Winter, dass dieser Platz nichts für uns wäre, zu touristisch, zu überlaufen und laut – da genießen wir eher die kalte Stille.

Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, das erfahren wir auch immer, wenn wir in unserem Freundeskreis erwähnen, dass wir gerne im Winter Urlaub an der Küste machen… und zugegebener Maßen sind wir auch Kusnstbanausen uns sehr unwissend in diesem Bereich. Aber zu wissen, dass sich hier die Geister scheiden, tut schon gut. Die Rede ist von der Arne Jacobsen Siedlung hier in Burgtiefe. Die Frage ist: Schandfleck oder architektonisches Juwel?!

Man kommt nicht dran vorbei, und immer wieder springen einem die Gebäude an, von nah und fern – bei uns artet es ehrlich in Kopfschütteln aus….wir finden es einfach nur schade um die herrliche Landschaft hier …

Arne Jacobsen gehört zu den bedeutendsten dänischen Designern und Architekten des 20. Jhd. Er vereint modernen Funktionalismus und klare geometrische Formen.

1965 gewann der Architekt einen Ideenwettbewerb der Insel, und so wurde von 1968 – 1972 das heute unter Denkmalschutz stehende Ferienzentrum am Südstrand gebaut.

Es folgten das Haus des Gastes, das Kurmittelhaus, das Meerwasser Hallenbad, der Apartmentkomplex, Fernblickhäuser, das Haus Vitamar und die weit sichtbaren IFA Türme.

Sorry, aber wir finden es einfach nur grauenhaft.

So langsam tränen uns die Augen vom Wind und die Hände sind eiskalt, also beschließen wir uns eine kleine Leckerei beim Bäcker und natürlich Fischbrötchen fürs Abendessen zu organisieren und machen uns dann auf dem Heimweg zum Ferienhaus.

Wir genießen den restlichen Tag mit knisterndem Kamin, mehreren Saunagängen ( welch Luxus) lustigen Spielen, bisschen handarbeite und lesen … Urlaub eben!

3. Tag ….. vom Winde verweht…..

Uiuiui, das war heftig heute Nacht, der Sturm tobte ums Haus, und gefühlt auch im Haus, die Bäume rundherum bogen sich heftig und rauschten ein Konzert zusammen ….

Wir frühstücken gemütlich und bestaunen die schnell ziehenden Wolken am Himmel draußen – da der Sturm noch nicht wirklich nachlässt, beschließen wir, erst einmal einkaufen zu gehen und uns für die Urlaubswoche mal mit dem Nötigsten einzudecken. Ich liebe es in den einheimischen Läden nach regionalen Produkten zu schauen, die grenznahen skandinavischen Länder, lassen mich somit sehr viele geliebte Leckereien entdecken ….

Fast schon Mittag, können wir uns dann endlich richtig raus trauen und möchten uns zuerst die Steilküste Katharinenhof anschauen, welches der Reiseführer so anpreist.

Und was soll ich sagen, wir sind begeistert, welch wunderschöner Ort.

Man muss hoffen, dass man an der Zufahrtsstraße einen Parkplatz bekommt, läuft dann ein paar Meter aufs Wasser zu und steht dann am Naturstrand. In allen möglichen Blautönen schimmert hier die Ostsee durch die Bäume, es raubt einem fast ein bisschen den Atem.

Ich liebe solche naturbelassenen Fleckchen Erde ja sowieso viel mehr, alles cleane, zurechtgezupfte oder überpflegte.

Natur pur gibt es hier zu genüge. Tritt man aus dem kleinen Waldstreifen heraus, öffnet sich der Blick wie ein Vorhang und man glaubt in einer anderen Zeitepoche zu sein.

Die letzte Eiszeit hat unübersehbare Schätze zurückgelassen. Riesige Findlinge, sturm zersauste Bäume und Baumwurzeln geben sich ein Stelldichein am Strand.

Wir genießen wieder mal die Einsamkeit an diesem Strandabschnitt, den Wind um die Nase, die Ruhe an diesem bezaubernden Ort.

Heute nehmen wir auch das erste Mal die vielen Kormorane wahr, die sich hier auf den großen Steinen oder Baumstämmen tummeln. Die Flügel zum Teil weit aufgespannt, um sie vom letzten Tauchgang zu trocknen…. Ein wunderschöner Anblick.

Kormorane sind weltweit vertretene Wasservögel, die in Kolonien brüten, oft werden sie im Volksmund auch Meer oder Wasserraben genannt.

Es gibt zwei Färbungsvarianten unter der Vogelart, die meisten sind einfarbig schwarz oder dunkelbraun und während der Brutzeit glänzt das Gefieder dann metallisch. Bei anderen ist nur die Oberseite des Federkleides dunkel und die Unterseite weiß.

Kormorane haben einen langen Hals sowie einen langen, keilförmigen Schwanz. Ein Kehlsack ermöglicht es ihnen, den gefangenen Fisch vor dem Verzehr aufzubewahren.

Die Wasservögel könne beim Fischen im Wasser schnell und ohne hohen Energieaufwand große Tiefen erreichen, ein Tauchvorgang kann so 20-40 Sekunden dauern.

Um auffliegen zu können, müssen Kormorane eine lange Weile über die Wasseroberfläche laufen, um abheben zu können.

Kormorane sind überwiegend Standvögel, wenige aus der kalt gemäßigten Nordhalbkugel ziehen im Winter südwärts.

Da der Tag noch jung ist, und wir noch nicht genug Frischluft hatten, entscheiden wir uns noch nach Markelsdorf zu fahren, um uns den dortigen Leuchtturm und die Gegend anzusehen.

Auf der Westermarkelsdorfer Straße fahren wir bis es eigentlich nicht mehr weiter geht. Dort kann man direkt vor dem Deich am WC parken oder ein paar Meter hinter dem Teich unmittelbar am Strand.

Wir entscheiden uns für eine kleine Deichwanderung um den etwa 10 Minuten entfernten Leuchtturm zu sehen. Durch den immer noch tobenden Wind gestaltet sich der Weg aber etwas länger, der Wind zieht die Handbremse an und der Hund legt die Ohren an – wir kennen da nix, ich liebe es einfach diese Naturgewalt zu spüren.

Und die Natur um uns herum ist einzigartig schön, ich bin verliebt in dieses Fleckchen Erde, von der ersten Sekunde an. Wie sich herausstellen wir, werden wir noch öfters hier sein, und es zu unserem geheimen Fehmarn Lieblingsort erklären.

Das Gebiet hier am Westermarkelsdorfer Huk gehört zur „nördlichen Seeniederung Fehmarn“. Die heutige Küstenlandschaft mit ihren Lagunen, Binnenseen, Niedermooren und Grünland war vor wenigen Jahrtausenden noch teil der offenen See.

Es gibt hier eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Auch eine hohe Zahl an Zugvögel nutzt das Gebiet zur Rast und Nahrungssuche.

Viele Abschnitte sind nur von der Wasserlinie her zu betreten, da immer wieder Zonen als Naturschutzgebiete, Vogelparadiese und Amphibische Lebensräume ausgewiesen werden.

Wir laufen also wie gesagt, etwas auf dem Deich entlang, vorbei am nördlichsten Binnen und Salzsee auf der Kopendorfer Au. Die Natur um uns ist atemberaubend schön durch seine Abwechslungen, die klare Luft lässt alle Farben sehr intensiv leuchten, die Sonnenspiegelungen auf den Wasser, und in den Schilfgräsern ist unendlich schön. Mehrfach muss ich einfach stehen bleiben und diese Naturschönheit in mich aufnehmen.

Der Westermarkelsdorfer Leuchtturm wird hier auf der Insel auch liebevoll „Vanilleturm mit Erdbeer Häubchen“ genannt. Der Turm an der Nordwestecke ist der älteste der Inselleuchttürmen, er ist 17 Meter hoch und wurde 1902 erbaut. Wobei der erste Leuchtturm der an dieser Stelle stand, bereits 1881 erwähnt wurde.

Leider ist der Turm eingezäunt und man kommt nicht näher dran.

Zurück laufen wir am Strand entlang, genießen das aufgewühlte Meer und den Wind aufs Neue. Immer wieder muss ich mich bücken, um wunderschöne Steine und Muscheln aufzuheben, da bin ich wie ein kleines Kind, alles muss erst einmal in die Tasche gesteckt werden. Zudem könnte ja irgendeine Besonderheit für den Steine sammelnden Sohn zu Hause dabei sein.

Kurz vor dem Parkplatz am Deich bestaunen wir noch den „Ostsee Stöpsel“, ein wie eine Schraube aussehender Pegelmesser der 1930 aus seiner Verankerung am Meeresboden gelöst wurde und dadurch in seine jetzige Schieflage geriet. Ein tolles Fotomotiv!

Es ist Abend geworden, die Gesichter rot vor Kälte, die Nase läuft, die Frisur sitzt schon lange nicht mehr, der Magen knurrt langsam, aber wir werden belohnt, auch für die vielen Kilometer die wir heute gelaufen sind. Ein Sonnenuntergang ist nun am Horizont zu erahnen- und tatsächlich ein paar Minuten später, erleben wir unsere erste glutrote Sonne auf der Insel.

Durchgefroren aber glücklich und zufrieden, fahren wir in Richtung Ferienhaus, genießen dann dort unseren heute früh gekauften geräucherten Fisch und brutzeln uns ein paar frische Garnelen. Hach das Leben kann so herrlich sein.

Tag 4 ….. Pause bis Ostern ….

Burg und Burgstaaken steht heute auf unserem Sightseeing Plan.

Bauch wenn wir den tollen Fischladen im Hafen bereits kennen, und zu genüge getestet haben, wollen wir uns alles andere, was so rundherum ist, mal genauer anschauen.

Das Auffälligste im Burgstaakener Hafen ist ohne Frage das große schwarze U-Boot, und das angrenzende Museumsgebäude.

2003 wurde das U-Boot U11 der Bundesmarine nach 35 Jahren Tätigkeit und 178000 Seemeilen (15530 davon abgetaucht), ausgemustert.

Seit 2005 liegt das 560 Tonnen schwere, 44 Meter lange und 4,60 Meter breite Kolos hier im Hafen. Einst fanden 22 Mann Besatzung darauf Platz – heute kann es als Museums U-Boot von März bis Oktober, täglich von 10-18 Uhr besichtigt werden.

Es ist schon beeindruckend, wie es da so still und leise im Hafen steht, welche Schäden es anrichten konnte, darf man sich einfach nicht vorstellen. Leider konnten wir es nicht besichtigen, weil gefühlt alles hier auf der Insel im Winterschlaf ist.

So schön wie die Touristische Leere ist, so schade ist es schon um die ein oder andere Sehenswürdigkeit, oder den meisten Geschäften, die Tatsächlich bis Ostern geschlossen haben, oder wenn überhaupt ums Wochenende mal ein paar Stunden öffnen.

Wenn man Urlaub wie wir, hier um diese Zeit macht, sollte man daran unbedingt denken, denn ein gemütlicher Stadtbummel, von Geschäft zu Geschäft stöbern, ist schlichtweg nicht möglich.

Wie die Geschäftsleute dies finanziell hinbekommen? Tatsächlich haben wir keine Ahnung.

Gefühlt schlagen sie es auf die Winterpreie drauf!

Zurück zum Hafen in Burgstaaken, in unmittelbarer Nachbarschaft zum U-Boot liegt der Seenotrettungs Kreuzer Arwed Emminghaus. Das 1965 erbaute, knappe 27 Meter lange und 5,60 breite, Schiff hatte Ihren Dienst unter anderem in Cuxhafen, Reykjavik und Grömitz und war bis 1993 zur Rettung von Menschen in Seenot im Einsatz.

Seit Oktober 2013 ist es als Museumsschiff im Burgstaakener Hafen, täglich ab 11 Uhr bis zu den Herbstferien zu besichtigen.

Also standen wir auch hier vor verschlossenen Luken!

Die Hafenszenerie hier an dem beschaulichen Ort ist einfach einzigartig, so viel maritimes gibt es zu entdecken, man möchte sich am liebsten einfach aufs große XXL Sofa legen und alles rund um einem beobachten ….die Fischkutter und ihre Fischer, die direkt vom Boot raus verkaufen, die Bojen und Fahnen, die im Wind lustig wackeln, die kleine Schauräucherei, nette (geschlossene) Kaffees, die Hafenanlage rund um die Getreidesilos, ausgelegte Netze, und, und, und …. ich liebe es einfach.

Eine Attraktion im Hafen hat uns dann aber doch besonders fasziniert, obwohl wir das nie ausprobieren würden.

Denn hier im Burgstaakener Hafen befindet sich seit 1997 die größte Toprope (Sicherung mit Seil von oben) gesicherte Kletteranlage Europas.

Das Silo Climbing befindet sich an 40 Meter hohen, ehemaligen Getreidesilos.

Allein beim bloßen Anblick bekomme ich Gänsehaut.

Für den Kletterer gibt es nur zwei Voraussetzungen: er muss mindestens 1,10m groß sein, und darf höchstens 100 Kilo schwer sein. Dann kann er sich zwischen 14 verschiedenen Routen entscheiden.

Für die, die es geschafft haben, winkt ein Eintrag auf die Bestenliste – sowie das Erklingen eines Glöckchens wenn man die ausgesuchten Meter geschafft hat.

Ne ne, definitiv nichts für uns.

Nach dem Hafenbummel stand nun ein Bummel durch Burg auf der Tagesordnung, zumindest theoretisch ….

Burg zählt zu den ältesten städtischen Siedlungen in Schleswig Holstein, und seine kleine Altstadt mit seinem holprigen Kopfsteinpflaster, den alten Fachwerkhäusern und zahlreichen Lindenbäumen hat durchaus seinen Charme.

Auch die vielen kleinen Geschäfte, Lokale, Museen, die Galileo Wissenswelt, das Aquarium und selbst der Wochenmarkt haben durchaus ihren Reiz, WENN – ja wenn sie denn offen hätten ….. 95% der Geschäfte, Restaurants und touristische Ziele, haben schlichtweg geschlossen bis um Ostern rundum, alles ist im wahrsten Sinne im Winterschlaf.

Manche Geschäfte sind zumindest am Wochenende gnädig und öffnen ihre Türen für die Wochenend Touristen. Sehr sehr schade finden wir ….

Wir schlendern trotzdem einmal die breite Hauptstraße entlang, betrachten uns zumindest von außen, das 1901 erbaute Rathaus – nachlesen können wir zumindest, dass sich im Inneren heute die Stadtverwaltung, das Stadtarchiv, ein Sitzungs- und Trauzimmer sowie eine historische Wartehalle befindet.

IN dem roten Backsteingebäude mit seinen runden Türmchen mit den Zinndächern und vielen Verschnörkelungen und Ornamenten kann man ebenso seit 2009 eine Ausstellung zur Geologie Norddeutschlands besuchen ….. nach Ostern……

Am Rande der Altstadt, befindet sich hinter 2 Meter dicken Feldsteinmauern die St. Nikolei Kirche, sie ist definitiv nicht zu übersehen, schließlich ist sie ja auch die größte der Insel!

Wenn man die Kirche betritt, wird einem der Name „Hallenkirche“ erstmals durch die 11 Meter hohen, mit romantischen Motiven bemalten Decken, bewusst.

Die dreischiffige backsteingotische Hallenkirche ist etwa 784 Jahre alt, aber erst 1513 kam der 48 Meter hohe Glockenturm dazu.

Wunderschöne Besonderheiten im Inneren wären, ein dreiflügeliger vergoldeter Schnitzaltar von ca. 1370, der Szenen aus der Passions und Ostergeschichte zeigt.

Zwei Taufbecken sind zu bestaunen, welche einen besonderen Wert haben:

  • eine Bronzetaufe aus Schweden von 1391,
  •  sowie ein aus gotländischem Stein gefertigtes Becken von 1270
  • ein sehr hübsches Votivschiff hängt in einer der hinteren Ecken
  • eine Kanzel im holländischen Barock
  • und eine hübsche Orgel mit bemerkenswerten 31 Registern komplettieren die Kirchenausstattung.

Natürlich kann man auch an einer Turmführung teilnehmen – Ihr ahnt es …. nach Ostern!!

Draußen wird es zunehmend ungemütlicher, der Wind nimmt wieder mal an Fahrt aus und wir sind wirklich durchgefroren, der Frust, lässt uns beim Bäcker einkehren und wir machen uns auf den Weg ins Ferienhaus.

Der heutige Abend steht ganz unter dem Thema Fotografie Selbstständigkeit. Wir haben ja das große Ziel ab März unser Portfolio zu erweitern. Foto Seminare und Exkursionen sollen nun unser Angebot abrunden. Bis dies soweit ist, muss allerdings noch viel passieren, hier mal einen Planungsstart zu bekommen ist heute Abend angedacht. Draußen Sturm und innen Brainstorm …. Ach, und leckere Scholle stürmt zum Tagesabschluss die Pfanne …

Tag 5 …….. Einmal quer über die Insel …..

Nach einem ausgiebigen Urlaubsfrühstück entscheiden wir uns nach Lemkenhafen zu fahren. Diesen Ort habe ich vor gefühlt dreißig Jahren schon einmal besucht und mir ist eine bezaubernde Mühle und eine klasse Fischräucherei im Gedächtnis geblieben, laut Reiseführer gibt es beides tatsächlich noch. Dann mal los, immer dem Wind nach.

Wir parken am Ortsrand von Lemkenhafen, direkt am Seglerhafen. Dort pustet der Wind extrem und wir verstehen, warum der Ort ein Surfer und Kiter Eldorado ist. Die Mützen tief im Gesicht und den Schal etwas fester gezogen schlendern wir durch das kleine Fischerdorf und seinem Yachthafen mit 140 Liegeplätzen.

Aber hier herrscht mehr als tote Hose, die Randsteine sind hochgeklappt und alles wirkt absolut verlassen.

Kaum vorstellbar, dass dies hier zu früheren Zeiten ein mittelalterliches Dorf, ein bedeutender Hafenort war, in dem hauptsächlich Getreide, von Fehmarns fruchtbaren Böden verschifft wurde.

Heute ist davon weit und breit nichts mehr zu spüren und sehen. Wie wenn hier die Uhren stillstehen würden, wir begegnen noch nicht mal einem Menschen.

Und die Aalkate? Die ist wohl nicht mehr so einfach wie vor zig Jahren, es gibt sie tatsächlich noch, allerdings AB OSTERN als nobles Fisch Restaurant.

Nun gut das war wohl nix ….

Ein paar Mal abbiegen weiter finden wir auch die alte Windmühle Jachen Flünk von 1787.

Modern wird es hier heute „Mühlen Museum“ genannt. Ich brauche natürlich nicht erwähnen, wann die Mühle wieder geöffnet hat J ….

Da man von außen ganz gut an die Mühle heran kommt, können wir wenigstens ein paar Fotos machen, von Ihr und den landwirtschaftlichen Geräten und Mühlsteinen die rundherum aufgebaut wurden.

Man fühlt sich auch von außen bereits in die Jahre, als hier in der 22 Meter hohen Mühle, Mehl, Graupen und Grütze hergestellt wurde.

Im Jahre 1954 wurde die alte Dame allerdings stillgelegt und nach und nach zum Museum umgebaut, welches seit 1961 die Türen öffnet …

Der Wind weht uns weiter ins Örtchen Orth.

Hier können wir direkt am Hafen parken, und sehen gleich die vielen Liegeplätze für Boote im Hafenbecken, welches man fast ganz zu Fuß umrunden kann.

So wie der Wind hier pfeift, ist uns klar, warum auch dieses Plätzchen der Insel für Surfer und Kiter ein Paradies ist.

Einst war der Orther Hafen sehr wichtig für den Güter und Personenverkehr, doch als sich die Eisenbahn immer mehr durchsetzte, wurde der Hafen rasch uninteressant.

Seinen Charme versprüht er heute aber immer noch, auch wenn der Winterschlaf hier absolut in jeder Ecke spürbar ist.

Am Ende der Mole, wo wir kaum noch aufrecht stehen können vor Wind, hat man sicher bei klarem Wetter einen tollen Blick auf die kleine Meeresbucht Sulsdorfer Wyk. Und würde man am Deich entlang laufen, käme man nach etwa 2,5 km an den Flügger Leuchtturm.

Wir flüchten uns fast ins Auto so pustig ist es hier, und unsere heutige Reise weht uns weiter nach Petersdorf, wo wir im Reiseführer viel interessantes über die höchste Kirche Fehmarns gefunden haben.

Die St. Johannis Kirche ist schnell gefunden und nicht zu übersehen. Das alleine liegt schon am 64 Meter hohen Kirchturm, schon früher diente er als Landmarke, die in Seekarten verzeichnet war, weil er bis zu 20 Meilen weit zu sehen war.

Mitte des 13. Jhd. entstand hier zunächst eine zweischiffige Kirche im spätromanischen Stil.

Die Kirche ist von einem Friedhof umgeben, was an sich nichts Besonderes ist, aber 64 Linden umringen zusätzlich das Gotteshaus. Diese Bäume sollen an den deutsch/dänischen Krieg von 1864 erinnern.

Im Inneren findet man einen 8,70 Meter hohen Dreiflügelaltar aus dem 15. Jhd., dieser gehört zu den ältesten Schnitzaltären Norddeutschlands.

Ebenso kann man ein gotländisches Kalkstein Taufbecken von 1280 und eine reich verzierte Kanzel aus der Reformationszeit bestaunen.

Beeindruckend ist auch ein fast 9 Meter hohes Sakramenthaus im Chorraum von 1460 und eine Marcussen Orgel mit 33 Registern.

Wir finden diese Kirche mit all ihren Schnitzereien sehr sehenswert. Das kleine beschauliche Dörfchen rund um sie steckt aber wie alles andere im tieften Ruhemodus …. Zumindest bis Ostern.

Wenn wir schon bei Kirchen sind, dachten wir, dann nichts wie weiter zur nächsten, da wären wir zumindest windgeschützt.

Dieser Plan geht aber leider nicht auf, denn die laut Reiseführer angepriesene St. Petri Kirche in Landkirchen lässt uns nicht herein …. (nein nein, nicht bis Ostern, sondern wegen Bauarbeiten)

So bleibt uns nur der Umweg über einen Bäcker und eine neue Mütze für Stefan muss noch her, und dann ganz schnell vor den Kamin für den Rest des Tages.

Tag 6 ….Sturm

Laut Wettervorhersage soll es heute extrem windig werden, eine Sturmflutwarnung wurde sogar ausgesprochen.

Wir haben beschlossen, uns die Lage draußen einfach mal anzuschauen, und dann spontan entscheiden, ob man was unternehmen kann oder nicht …. Was soll uns so ein bisschen Wind schon anhaben?

Aber es pustet schon heftig da draußen.

Nichts destotrotz machen wir uns auf den Weg Richtung Markelsdorfer Huk und wollen dort die 2016 erbaute Aussichtsplattform im Naturschutzgebiet aufsuchen.

Das Auto halbwegs geradeaus zu steuern, ist schon nicht einfach, aber nichts was uns dann direkt an der Küste erwarten wird.

Wir nutzen den Parkplatz des Campingplatzes „Fehmarnbelt“ (demnächst heißt der Platz Ahoi Camp Fehmarn) in Altenteil.

Man überquert am einfachsten das Campingareal, das dann am Deichstück direkt am Strand endet.

Schon als wir aus dem Auto steigen, wäre Jojo am liebsten wieder rückwärts hineingesprungen und dachte sich ganz sicher „Die spinnen wohl meine Menschen“…

Aber hey, so ein bisschen Sturm hat noch niemanden umgehauen. Wir trotzen also der Naturgewalt und laufen los – zugegeben war es schon anstrengend.

Die Natur ist hier im Naturschutzgebiet „Nördliche Seeniederung Fehmarn“ atemberaubend, selbst jetzt in den kargen Wintermonaten übt sie eine große Faszination auf mich aus. Eine Symbiose aus Haffseen, Schilf und Feuchtwiesen sind hier am Huk, was soviel wie Haken bedeuten, der die Nord und Westküste verbindet, zu finden.

Unsere Freunde die Kormorane sind natürlich hier auch zu finden. Das Wolkenspiel am Himmel ist gigantisch, und verändert sich durch den Sturm jede Minute, das Licht ist ganz besonders und so geben wir unser bestes, nachdem wir festen Stand gefunden haben, trotz des Sturmes schöne Naturaufnahmen zu machen.

Die 3 Meter hohe Plattform ist schon von weitem zu sehen, so weiß man wo es hin gehen soll – an Verständigung ist kaum zu denken, der Sturm verschluckt jedes Wort.

Hirn und Seele werden durchgepustet und es ist eine ganz besondere Stimmung, schweigend nehmen wir den Naturzauber in uns auf und trotzen der Naturgewalt.

Dann kommen wir am Aussichtsturm an, dieser aus Stahlpfeilern und überwiegend aus Holz gebaute Turm ist gegen den Wind und jegliches Wetter stabil geschützt. Tatsächlich haben sich noch zwei Menschen hier her verirrt bei diesem Wetter.

Der Weitblick ist bei klaren Wetterverhältnissen sicher atemberaubend, aber auch so ist die Natur hier wunderschön, der weitläufige Strand mit feinstem weißen Sand lockt wieder Kiter an…. Unter den Füßen ist Islandmoos zu finden, viele Reste von Stranddisteln erschaffen ein fast bizarres Bild. Im Nebel hört man die verschiedensten Vogelrufe und der Wind spielt sein eigenes Lied …. Für mich gleicht das alles hier fast einer Meditation. Ein Fest für die Sinne ist es allemal.

Das Meer tobt hier oben an der Ecke jetzt wirklich gewaltig, reden kann man nur miteinander, wenn man sich anbrüllt. Von daher genießen wir es einfach – der Hund findet es irgendwie nicht so dolle …

Auf dem Rückweg entscheiden wir uns an der Strandseite zurück zu laufen, da sind wir etwas im Windschatten.

Mit gesenktem Kopf (man könnte ja einen tollen Stein oder eine schöne Muschel verpassen …) laufe ich an diesem schönen Fleckchen Erde entlang.

Ich freue mich über jeden bizarren Stein, an Muster die in den Sand geweht wurden oder an schön angestrahlten Rotalgen. Die Sonne strahlt trotz Sturm vom Himmel und die Sorgen fühlen sich klein an ….

Da wir immer noch nicht genug Frischluft hatten, entscheiden wir uns dann im Auto, noch zum Flügger Leuchtturm zu laufen. Ich als Frau denke derweil, dass es gut ist, dass mich hier keiner kennt, denn mit solch einer wahrlichen Sturmfrisur, würde ich mich zu Hause nicht getrauen raus zu gehen.

Wir fahren also Richtung Flügge und parken am Parkplatz am „Hof Flügge“ der in der Saison gebührenpflichtig ist. Der Leuchtturm liegt im Naturschutzgebiet Krumsteert, und kann dadurch natürlich nicht direkt mit dem Auto angefahren werden. Generell natürlich gut.

Etwa 1,5 km müssen abgelaufen werden, um vor dem Leuchtfeuer zu stehen. Aber der Weg dahin hat wieder einmal herrlichste Natur zu bieten. Das Wetter ist gleichbleibend schön, zwar immer noch sehr windig, aber die Sonne strahlt vom Himmel, die Wolkenformationen sind super fotogen und das Licht geliebt von jedem Fotografen.

Auf der Herfahrt sagte es ein Radiomoderator sehr passend:“ Heute sieht es aus wie im Frühling – fühlt sich aber wie Sibirien an“…. Wir denken nur etwas sehnsuchtsvoll daran, wo wir jetzt eigentlich wären, und dass wir dort in Norwegen nur milde gelächelt hätten wegen den Temperaturen ….

Nun sind wir aber halt hier auf der Insel Fehmarn und das hat viel viel schönes  – Natur zum Beispiel:

Der Leuchtturm ist natürlich auch von weitem schon nicht zu übersehen. Er zierte tatsächlich 2013 schon mal eine deutsche Briefmarke – unter technischem Denkmalschutz steht er bereits seit 2003, und seit 2005 ist es möglich auf dem Leuchtturm zu heiraten.

Wenn man dann tatsächlich vor dem Turm steht, ist es schon sehr imposant, schließlich ist es der höchste der Insel.

Seit eh her dient der Flügger Leuchtturm als Markierung zur Einfahrt in den Fährmansund. Bereits 1872 wurde hier ein 16 Meter hoher gelber Turm errichtet.1916 wurde dann direkt daneben, der heutige 37 Meter hohe Leuchtturm errichtet.

Bis man die Aussichtsplattform erreicht, muss man 162 Stufen erklimmen (haben wir ein Glück, dass dies erst wieder nach Ostern geht, leider ist der Flügger Leuchtturm der einzig begehbare der Insel.

Aber auch von außen ist das Gebäude beeindruckend und sehenswert.

Der Rückweg zieht sich irgendwie, liegt wahrscheinlich auch daran, dass wir nun tatsächlich durchgefroren sind.

All das kann Stefan allerdings nicht abschrecken Pläne für heute Abend zu schmieden, denn er träumt davon, einmal Nachtfotografie mit Sternenhimmel und Leuchtturm zu machen ….

Nun denn, wo ein Wille ist ….

Ich ziehe mich in die Gemütlichkeit des Ferienhauses, ein Glässchen Rotwein, gutes Buch und Kamin zurück … während Stefan nochmals im Dunkeln loszieht ….

Auf jeden Fall hat es sich gelohnt würde ich behaupten!

Das wir nach diesem vollen und ereignisreichen Tag, wie die Engel schlafen muss ich sicher nicht betonen ….

Tag 7 … Nix mit ausruhen ….

Wer denkt nach dem vollen Tag von gestern sei heute Ruhe angesagt, der kennt uns nicht. Schließlich sind wir im Urlaub und wollen was sehen und erleben …

Der Sturm hat sich noch immer nicht wirklich gelegt und so ist es nach wie vor eine Herausforderung sich draußen fortzubewegen….

Unser erstes Ziel für heute ist der Fähranleger und die Mole in Puttgarden – dem Tor nach Dänemark.

Die sogenannte Vogelfluglinie, erhielt ihren Namen dadurch, dass der Streckenverlauf tatsächlich die der Route der Zugvögel folgen sollte.

Als Dänemark 1940 von Deutschland besetzt wurde, gewann eine schnelle Verbindung von Hamburg nach Kopenhagen immer mehr an Bedeutung.

Alles begann dann mit dem Bau der Sundbrücke 1960 und als 1963 deren Bau abgeschlossen war.

Die Überfahrt von Puttgarden nach Rodby Havn dauerte einst 60 Minuten, und die Linie wurde von 3 Schiffen bedient, die noch vor dem Anlieger drehen mussten.

Heute pendeln vier Hybridfähren. (Scandiline ist die weltgrößte Flotte an Fähren mit diesem Antrieb! )die im 30 Minutentakt fahren und für die Querung der 19 km des Fehmarnbelts 45 Minuten brauchen.

Wir haben es auf die Spitze der Puttgardener Mole abgesehen. Der 200 Meter lange Damm ist auf riesigen Findlingen aufgebaut und Endet genau an der Ein/Ausfahrt des Hafens.

Der Weg dorthin, an den Mohlenkopf ist heute recht abenteuerlich, denn der Wind tobt immer noch um uns herum, es ist eng, nass und teilweise ist der Boden gefroren und glatt. Öfters spritzt die Gicht meterhoch empor und man muss sich in Schutz bringen,

 um nicht gänzlich nass zu werden. So sehr ich Naturgewalten liebe – das ist mir dann doch   zu viel …

Von der Mole aus, ist die Baustelle des umstrittenen Tunnelbaues – Nordeuropas größte Baustelle, gut zu sehen.

Die unterirdische Fehmarnbeltquerung zwischen Dänemark und Deutschland, startete bereits 2000 auf der dänischen Seite, es soll der längste (18 km.) und tiefste, kombinierte, Straßen und Eisenbahn Absenktunnel der Welt entstehen. Neben den 4 Verkehrsröhren, soll es in 30 Metern Tiefe auch eine Rettungs- bzw. Versorgungsröhre geben.

Die Hauptbaustelle liegt in Rodbyhafen auf dänischer Seite, auf der Insel Lolland. In einer eigens dafür errichteten Fabrik, werden die 89 Tunnelelemente hergestellt. Diese Teile werden dann später in den Fehmarnbelt geschleppt und abgesenkt. Durch den Tunnelbau soll die momentane Fahrzeit der Fähren von 45 Minuten auf 10 Minuten Fahrzeit durch den Tunnel minimiert werden.

Mehrere tausend Menschen finden durch den Tunnelbau Arbeit, diese wohnen auf einer eigenen Wohnanlage auf der Baustelle, dort befindet sich sogar eine Klinik, ein Supermarkt und ein Fitnesscenter.

Momentan sind bis zu 60 Arbeitsschiffe im Einsatz, die größten Baggerschiffe der Welt arbeiten auf Hochtouren. Alleine 2 Mio. norwegischer Granit wurden überwiegend für die Rückhaltedämme und Molen aufgeschüttet. 19 Mio. Kubikmeter Meeresboden werden aktuell ausgehoben.

Im November 2021 war dann auch auf deutscher Seite der offizielle Spatenstich.

Ende Januar 2022 wurde dann begonnen die Spundwände zu setzen. Das Ziel ist es, bis 2024 den Tunnelbau fertig zu stellen.

Natürlich gibt es viele Gegner des Großprojektes, stellt es ja durchaus einen extremen Einschnitt in das Ökosystem der Ostsee da. Die Lärmemission, und dass die touristischen Ziele auf Fehmarn gestört würden, sind weitere Argumente dagegen.

Die immensen Kosten von 9 Mio. Kosten will Dänemark als Eigentümer durch ein Mautsystem wieder einfahren.

Ein Projekt, worüber man viel diskutieren könnte, wir begnügen uns heute mal mit ein paar Bildern dieser besonderen Großbaustelle.

Noch eine weitere Besonderheit ist an der Puttgardener Mole zu finden. Der Border Shop.

Er ist der einzige schwimmende Grenzhandel der Welt und ist auf einem 800 Quadratmeter großen Ponton angebracht. Hier gibt es alles, was das skandinavische Herz höher schlagen lässt. Seit 2001 hat man hier alleine die Auswahl unter 900 Sorten Wein und 350 Whiskys.

Preislich ist es für uns tatsächlich uninteressant, aber die Auswahl ist absolut gigantisch sowie interessant. Ich bin dann mal im Süßigkeiten Paradies…..

Unser weiterer Weg führt uns zum Marienleuchte Leuchtturm im gleichnamigen Örtchen.

Leider ist das Areal um den 18 Meter hohen Turm sehr verfallen und definitiv nicht begehbar. Im Prinzip stehen hier sogar zwei Türme, der alte quadratische aus gelbem Klinkerstein wurde 1831 erbaut. Das die Insel einst zu Dänemark gehörte, erkennt man heute noch an dem königlich- dänischen Wappen über der Eingangstür. Dieser alte Turm steht unter Denkmalschutz und wurde 1967 außer Dienst gestellt.

Etwa 160 Meter weiter wurde bereits 1964 ein neuer Turm errichtet. Mit dem alten Turm hat er nur seinen Namen, den Sinn und die Linsenoptik, die übernommen wurde, gemein.

In den nächsten Jahren soll das komplette Areal und die Türme komplett saniert werden, da hier ein Ausstellungs- und Informationszentrum entstehen soll.

Etwas wirklich fotografisch Reizvolles oder für das Auge Schönes, entdecken wir leider nicht.

Wie geht es weiter so mitten am Tag fragten wir uns dann, und entscheiden uns dann, malk wieder ans andere Ende der Insel zu düsen, schließlich nennt man ja Fehmarn nicht umsonst, die Insel der kurzen Wege.

Wir möchten uns nun gerne einmal die Fehmarnsundbrücke etwas näher betrachten. Wir fahren nach Strukkamp und parken dort unmittelbar unter der Brücke am Fehmarnsund.  Wir spazieren einen kleinen schmalen Weg durch die dortigen Dünen, in denen sich der Wind massiv bricht – ganz schön zügig hier.

Wir sehen, dass hier viele Angler aktiv sind, kein Wunder, denn durch die beachtliche Tiefe des Sundes, herrscht hier eine extreme Strömung, in der Dorsch und Butt nur so durchgejagd wird.

Die Brücke ist, wenn man so drunter steht noch gewaltiger als eh schon – absolut beeindruckend.

Ein paar Brückenfackten:
337 Meter Rampenlänge
Höchster Punkt über der Fahrbahn:  45 Meter, zählt mit dieser Spannhöhe zu der größten ihrer Art.
Durchfahrtshöhe bei durchschnittlichem Wasserstand: 23 Meter
Breite: 240 Meter – für KFZ, Eisenbahn, Radfahrer und Fußgänger
Scheitelhöhe des Bogens: 69 Meter über dem Meeresspiegel
66 eingerammte Stahlträger
9200 to. Verbauter Stahl
22150 Kubikmeter Beton
130 Tonnen Farbe
Kosten: 42,5 Mio. DM

Stefan nutzt ebenso die Chance, einmal auf den Fußgängerbereich der Brücke zu gelangen und erklimmt die unzähligen Stufen nach oben. Habe ich ein Glück, dass der Hund dazu zu faul ist. Ich schaue mich derweil noch etwas unterhalb der Brücke um, ziehe mir das Stirnband etwas fester ins Gesicht und erblicke schon in einigen Metern Entfernung unser nächstes Ziel …

Uns zieht es nun weiter zum kleinsten Leuchtturm der Insel, Strukkamphuk. Über den gleichnamigen Campingplatz kommt man recht gut an den Huk von Strukkamp um dort den kleinen Turm von gerade mal 5 Metern Höhe zu betrachten. Der 1935 erbaute Leuchtturm trotzt hier ganz frech jedem Wind und Wetter.

In den Anfängen, 1872 wurde hier an einem Mast einfach eine Laterne hochgezogen.

Auf solch einen Mast müssen wir gar nicht klettern, um hier die tolle Aussicht zu genießen, Wind hin oder her.

Man sieht von diesem Punkt der Insel wunderschön, die Sundbrücke, den Flügger Leuchtturm und die Skyline von Heiligenhafen auf dem Festland.

Irgendwie sind wir relativ schnell von diesem Ort wieder verschwunden, der Wind weht uns weiter ….

Wir holen uns unser wohlverdientes Abendessen wieder im Fischladen in Burgstaaken, nicht ohne Umweg zu Bäcker J und genießen den restlichen Tag im Ferienhaus.

Draußen wird es zunehmen trüber und die Sonne verzieht sich hinter dicken Wolken, der Wind tobt und es ist Popo kalt …..

Tag 8 …. Ruhetag …..

Der gestrige Tag steckt uns tatsächlich in den Knochen.

Mit dem Wetter ist es seltsam, wie immer im Norden. Wenn man rausschaut ist alles ziemlich wolkenverhangen und beim Müll rausbringen könnte man denken, dass der Sturm der letzten Tage nur Einbildung war. Absolute Windstille und fast milde Temperaturen.

Wir frühstücken mit Ruhe und beschließen, dass wir heute nicht wirklich viel machen werden. Auch ein Ferienhaus muss zwischendurch mal sauber gemacht werden. Bisschen „Büroarbeit“ muss erledigt werden etc.

Kurzerhand fahren wir während einer Wolkenlücke mal wieder ans Steilufer nach Katharinenhof.

Dort angekommen, gleicht die Ostsee tatsächlich einem Ententeich. Nicht vorstellbar, wie rau die See gestern noch tobte …

Wir genießen den ausgiebigen Spaziergang hier erneut und erfreuen uns an allem Großen und Kleinen.

Da wir morgen Besuch von Stefans Freund aus Osterröhnfeld bekommen gehen wir noch einkaufen, besorgen leckeren Räucherfisch im Hafen und bummeln etwas umher und entdecken dabei ein tatsächlich geöffnetes Geschäft ….klar es ist Freitag….

Den Rest des Tages genießen wir mal, ohne gegen den Sturm laufen zu müssen. So ein Auszeittag tut auch mal gut.

Tag 9. ….. Naturphänomen …..

Heute steht der Tag im Zeichen alter Freundschaft. Viele wissen ja, dass Stefan von „hier oben“ aus der Nähe von Kiel kommt und Ihn der Beruf und die Liebe nach Hessen gespült hat.

Ein alter Freund noch aus der Lehrzeit bei der Marine, mit dem wir sehr engen Kontakt haben, kommt uns heute Besuchen, nimmt die 1,5 Std Fahrt auf die Insel auf sich, um den Tag mit uns zu verbringen. Wir freuen uns sehr.

Das Wetter passt leider erst einmal nicht, aber wir sind ja nicht aus Zucker. Und bei den Norddeutschen ist ja schon gefühlt Sommer, da hätten meine Einwände eh keine Chance.

Da der Freund tatsächlich die Insel so gut wie nicht kennt, entscheiden wir uns, Ihm unser Lieblingsfleckchen zu zeigen. An den Wetermarkelshuk soll es gehen, an den Ostsee Stöpsel, die Aussichtsplattform usw. Da er auch sehr gerne und viel fotografiert wie wir, dachten wir, da kann man nichts verkehrt machen.

Diese Rechnung haben wir allerdings ohne den Nebel gemacht. Was eine Suppe – wie sie sehen – sehen sie nicht, war der Spruch des fast 5 stündigen Spazierganges.

Wie schade, aber nicht zu ändern.

Da der Sohnemann zu Hause ein Mineraliensammler ist, war ich die letzten Tage schon immer auf der Suche nach Donnerkeilen und Hühnergöttern, aber habe leider nichts gefunden.

Unser Freund meinte, erfahrungsgemäß hätten wir nach dem Sturm der vergangenen Tage heute gute Chancen – und tatsächlich. Am Ende des Tages hatten wir tatsächlich eine große Ausbeute.

Der Nebel war wirklich der Hammer, teilweise sah man die Hand vor Augen nicht, alles war verschluckt und es wurden natürlich schon Witze gemacht wo denn nun die tolle Natur war usw.

Man hörte zwar das Vogelgezwitscher, konnte aber alles um uns wirklich nur schemenhaft erkennen. Den Stöpsel, der Leuchtturm, die Salzseen, das Schilf usw., alles versank im Nebel.

Aber selbst dies hat seinen Reiz und forderte uns zu fotografischer Fantasie heraus.

Der Spaziergang wurde genutzt, um sich gegenseitig die neusten Begebenheiten zu erzählen und die gemeinsame Zeit zu genießen.

Irgendwann kamen wir dann an der Aussichtsplattform an und amüsierten uns, wie wir aussahen, die Nebeltröpfchen hatten ihre Spuren hinterlassen und der einseitige Wind hat uns „Schlagseite“ verabreicht. Wirklich alles an uns war feucht und klamm.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz laufen wir immer entlang der Grenze zum Naturschutzgebiet, die im dichten Nebel fast wie eine bizarre Mondlandschaft aussieht.

Hinter den dichten Wolken kann man erkennen, wie sich die Sonne versucht durchzusetzen.

So wird alles um uns herum in ein total faszinierendes Licht gehüllt. Total faszinierende Augenblicke, bis die Wolkendecke endgültig aufreißt.

Ich bin gerade mit meinem Handy zu gange, um ein paar Bilder nach Hause zu schicken, als ich mich fragte, was denn das am Himmel sei. Irgendwie sehr seltsam sah es aus, erinnerte mich irgendwie an einen Regenbogen – allerdings, wo war die Farbe???? Die Männer bekamen davon zunächst nichts mit, so vertieft waren sie all das fotografisch einzufangen was rund um uns in goldenes Licht getaucht wurde. Ich rufe nur kurz „schnell, schnell schaut her und fotografiert„ ….

Noch nie zuvor hatte ich so etwas gesehen, wir waren alle total fasziniert.

Unsre spätere Internet Recherche ergab, dass wir tatsächlich Zeuge eines seltenen Naturphänomens geworden sind.

Nebelbogen:

Die Sonderform des Regenbogens ist komplett weiß und sein Band meist doppelt so breit, wie bei einem normalen Bogen.

Ein Nebelbogen entsteht, wenn die Sonne auf eine Nebelbank scheint und dieses Licht durch mindestens 5 Mikrometer große Tropfen reflektiert wird.

Ein Nebelbogen liegt der Sonne gegenüber, zur Beobachtung ist es daher erforderlich, dass man als Beobachter vor der Nebelwand steht und die Sonne im Rücken hat. (Quelle Wikipedia)

Wie faszinierend. Ebenso genial ist es, wie die Natur um uns herum erwacht, als die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken fallen, die Sicht wird klar, das Geschnatter und Gepfeife der Vögel wird lauter und die Temperatur steigt merklich. Naturzauber pur….

Am Auto angekommen sind wir alle noch total geflashed vom Erlebten, allerdings auch total durchgefroren und feucht bis auf die Knochen.

Nach einer kurzen Kaffee Pause zum Aufwärmen im Ferienhaus, beschließen die Männer noch mal ans Steilufer zu fahren, um weiter in der Dämmerung zu fotografieren. Mich bekommt keiner aus dem Haus…..

Den Tag lassen wir gemeinsam bei leckerem Räucherfisch am Kaminfeuer ausklingen, stoßen auf die Freundschaft, Naturphänomene und Donnerkeile an.

Tag 10 …. Leuchtturm im Matsch ……

Heute wollen wir den letzten Leuchtturm der Insel aufsuchen und fahren Richtung Marinestation Staberhuk um dort zu parken.

Direkt an den Turm heran kommt man nur zu Fuß über das Privatgrundstück am Staberhof was etwas umständlich ist. Deswegen werden wir es über den anderen Weg an der Steilküste entlang des südöstlichen Huks versuchen.

Hier erwartet uns wieder ein sehr schöner Naturstrand mit viel Sand, aber genausovielen Steinen und Findlinge, auf dem sich die Kormorane wieder in der Sonne ihre Flügel trocknen.

Der Plan war eigentlich am Strand entlang bis zur Höhe des Leuchtturmes zu laufen. Leider sind aber sehr viele der großen Steine hier, was uns ein drüberklettern mit Hund unmöglich macht. Also gehen wir wieder zurück und nehmen den Weg oberhalb der Bruchkante …

Dieser Weg ist Teilstrecke des Ernst Ludwig Kirchner Weges an der Ostküstenpromenade.

Kirchner war 1908 das erste Mal auf Fehmarn, er war so begeistert von der Insel, dass er äußerte, er habe das irdische Paradies gefunden.

Er malte überwiegend Landschaften, Bauernhäuser und Strandansichten.

Von 1912 – 1914 verbrachte er die Sommer in Staberhuk beim Leuchtturmwärter.

Kirchner war Wegbereiter der klassischen Moderne und Hauptvertreter des Expressionismus.

Vom Weg oberhalb des Strandes hat man einen atemberaubenden Fernblick, die Natur um uns ist wie immer absolut genial und alleine der Weg zum Leuchtturm ein Genuss.

Relativ schnell kommt auf dem Weg der Leuchtturm in Sicht mit seiner imposanten Erscheinung von 22 Metern Höhe. Lächeln müssen wir, als wir ein paar Bäume passieren und dies im Reiseführer, als größtes zusammenhängendes Waldgebiet (Staberholz) der insel im Reiseführer erwähnt wird, süß …..

Nach diesem Wäldchen wir es leider sehr matschig auf dem Weg, und wir überlegen kurz, ob wir umkehren sollen. Allerdings gäbe es keine Alternative, um zum Leuchtturm zu gelangen, also Augen zu und durch. Vor uns kämpft sich eine kleine Familie mit Kleinkind und Kinderwagen durch – dann können wir das auch. Die frische Seeluft und die Natur um uns entschädigt aber für alles.

Irgendwann haben wir es dann tatsächlich geschafft, haben gegen den Matsch gewonnen und trotzen dem Wind an dieser Ecke und stehen vor dem Leuchtturm.

Der Leuchtturm der 1903 erbaut wurde, hat eine Besonderheit. Wenn man sich die Außenfassade genauer anschaut stellt man fest, dass der Turm ein zweifarbiges Mauerwerk hat.

Der gelbe Sandstein auf der Westseite, hielt der Witterung nicht stand und wurde teilweise durch rote Backsteine ersetzt.

Die Laterne im Inneren des Turmes stammt übrigens von einem alten Leuchtturm aus Helogland. Wirklich ein sehr schönes und imposantes Gebäude, kein Wunder, dass man als Maler davon fasziniert ist ….

Nun hatten wir die Wahl, wieder zurück den gleichen Weg nehmen, durch den Matsch oder auf eigene Faust einen anderen suchen. Alle kein Problem mit der heutigen Handy Technik.

Wir folgen einer Weile einem kleinen asphaltierten Weg, entdecken ein Reh Rudel am Wegesrand und urwüchsige Natur. Wir wagen einen Versuch durch den kleinen Wald eine Abkürzung zu finden, scheitern aber ….

Irgendwann laufen wir eine ganze Weile nahe freiem Feld und sehen den Hinweg genommenen Weg an der Steilküste, kurzerhand gehen wir ein kleines Stück querfeldein (dreckige Schuhe hatten wir ja eh schon), die natürlichen Feldzäune von früher, heutigen Trockenmauern ähnlich, faszinieren uns dabei sehr, ein Kleinod für jedes Krabbeltier.

Und dann stehen wir wieder auf dem Weg mit Fernblick über die Ostsee und genießen einfach diese Aussicht, die Luft und die traumhafte ursprüngliche Natur um uns herum.

Im Ferienhaus zurück ist erst einmal Schuhe putzen angesagt.

Zum Aufwärmen gehen wir dann in die Sauna und sinnieren, wie schön es wäre, so etwas zu Hause zu haben. So eine nette Insel direkt vor der Haustür wäre natürlich auch nicht schlecht.

Am Abend geht die Planung der Fotokurse in die nächste Runde, und während Stefan ein Webinar über Portraitfotografie anschaut, stricke ich ein paar Reihen meines Jahrhunder Projekts „Schal“ weiter …. Die Augen schließen sich heute relativ schnell …..

Tag 11 …… Ausgebremst ……..

Der Urlaub neigt sich ganz langsam dem Ende zu, und so überlegen wir ganz genau, was wir unbedingt noch sehen und fotografieren möchten.

Das Wetter ist heute zwar nicht das allerschönste, aber das Wasservogelreservat in Wallnau wollen wir unbedingt noch sehen in diesen Tagen, also machen wir uns mal wieder auf, ans andere Ende der Insel.

Wir parken direkt vor dem Eingangsgebäude und wundern uns schon, dass nur ein Auto hier steht. Leider müssen wir sogleich feststellen, dass der Zugang momentan nicht geöffnet ist. Das die Innenräume, das Infocenter im Winter geschlossen ist, wussten wir, aber überall konnte man lesen, dass das Areal zur Selbsterkundung auch jetzt geöffnet sei …. Wir sind absolut enttäuscht. Ich kenne das Reservat noch von vor über 20 Jahren, als es noch nicht  so groß und ausgebaut vom NABU betrieben wurde, und wusste doch was uns für ein herrliches Fleckchen Natur erwartet hätte …..

Auf dem 300 ha. Großen Naturschutzgebiet kann man zur Hochsaison 80 unterschiedliche Vogelarten antreffen, diese brüten hier und ziehen ihre Jungvögel groß. Es ist ein bedeutendes Schutzgebiet für ziehende Vögel, und etwa 270 Arten nutzen es als Rastplatz auf ihrer Reise. Man selbst spürt die absolute Stille der Natur an diesem Ort – und nur zu gerne hätten wir die 10 ha, die für Besucher eigentlich freigegeben sind, erkundet ….

Wir entscheiden uns für einen kleinen Spaziergang auf dem Deich, aber auch hier kommen wir nicht wirklich weit, der Wind tobt, die Laune ist auf dem Tiefpunkt und überall sind Abzäunungen wegen des Naturschutzgebietes. Nun ja, da haben wir ein Ziel für unseren nächsten Urlaub auf Fehmarn.

Die miese Stimmung führt uns weiter zum Nehrungshaken Wulfener Hals, eine schöne Alternative denken wir….

Wir parken am gleichnamigen Campingplatz in Wulfen, an dem groß gewerkelt wird für die nächste Saison …. nach Ostern ….

Wenn man auf der langen, schmalen und feinsandigen Landspitze die in die Ostsee führt steht, kann man sich vorstellen wie es hier im Sommer aussieht, hat es doch schon fast karibisches Flair hier.

Von beiden Seiten ist man von Wasser umgeben, zur einer von der Ostsee und von der anderen Seite der Burger Binnensee.

Auch hier ist nur ein kleines Stück der Dünen begehbar, der Rest ist Naturschutzgebiet und abgeriegelt. Wir sind im wahrsten Sinne, ausgebremst und das wird heute irgendwie nicht besser. Die schönen Muscheln können mich nicht wirklich trösten, und der einsetzende Sprühregen tut sein Übriges für unsere Laune.

Im Ferienhaus bleibt die Stimmung gedrückt und wir hängen unseren Gedanken nach…

Tag 12 ….. Wind in den Rädern …..

Das Wetter ist leider ziemlich gekippt, von Sonne nichts mehr zu sehen. Es ist kalt, stürmisch und immer wieder setzt mal Nieselregen an.

Eine Kleinigkeit wollen wir dennoch unternehmen und entscheiden uns für die Steilküste am Klausdorfer Strand an der Ostküste.

Auch hier finden wir wieder einen schönen Naturstrand mit Unmengen an Steinen und Findlingen. Jeder Einzelne übt eine Faszination auf mich auf. Beim Parkplatz stehen sogar zwei große Infotafeln über das Gestein hier – also kann ich mir der Gesinnung nicht alleine sein.

Der Wind ist kaum auszuhalten hier, schon echt unangenehm. Wir gehen davon aus, dass dieser hier immer so stark ist, denn auf den Feldern hier stehen Unmengen von Windkrafträdern. Hier „Oben“ ein völlig normales Bild, dazugehörig im Norden eben. Wenn ich dran denke, welche Diskussionen es bei uns in Südhessen wegen einzelnen Windrädern gibt …..

Wir sind tapfer und stemmen uns gegen die Naturgewalt. Einen herrlichen Fernblick können wir erahnen… an der drehbaren XXL Aussichtsbank machen wir ein schnelles Erinnerungsfoto und kehren dann schnell um.

Wir wollen dennoch versuchen, ob der Wind etwas erträgliche ist, wenn wir etwas geschützt unten direkt am Strand laufen.

Etwas mühevoll ist der Spaziergang über Stock und Stein schon, verlangt vollen Körpereinsatz und Konzentration. Der Hund empfindet es als Zumutung und drängt auch hier zur Umkehr…. Des Hundes Wille ….

Wir sind unzufrieden und möchten gerne noch etwas unternehmen, entscheiden uns für unseren Lieblingsstrand in Westermarkelsdorf am Stöpsel – wiedermal quer über die Insel also ….

Schon auf dem Parkplatz spüren wir allerdings, dass der Wind hier auch kaum auszuhalten ist, die Kälte bohrt sich richtig in die Knochen.

Selbst die Aussicht auf viele Donnerkeile, die sicher durch den Sturm an die Küste gespült werden, kann mich nicht locken.

Eine Weile sehen wir dem tobenden Meer zu. Dieses lockt wiederrum einen einzelnen Kitesurfer an, für Ihn ist es sicher nur eine kleine steife Prise.

Wir beobachten Ihn, wie geschickt er trotz dem Wind die Seile entwirrt, alles zurechtlegt und spannt und nach kurzer Zeit auf seinem Board steht und sich übers Meer fegen lässt.

Die Geschwindigkeit ist atemberaubend, und die Salto Sprünge erstrecht.

Uns fegt der Sturm zurück ins Auto, sucht ganz selbstverständlich den Weg über den Bäckerladen, läd dann Rumkugeln und Kopenhagener ein und bringt uns zum Ferienhaus zurück, wo wir den Rest des Tages vor dem Kamin und der Kursplanung verbringen.

Tag 13 …..Matjes für Hessen …..

Zwar ist heute wieder die Sonne zurück, dafür hat der Sturm noch eine Schippe draufgelegt. Der Himmel ist strahlend blau, aber der Schein trügt….

Wie immer, wenn wir irgendwo im Urlaub sind, machen wir einen Einkauf mit lokalen Spezialitäten für zu Hause – so auch hier. Sanddornmarmelade, Aquavit, norwegische Schokolade, Schwedischen Glühwein, Rote Grütze, Katenschinken usw.

Im Fischladen bestellen wir Scholle, Dorsch und Matjes vor, was wir in Eis verpackt gut nach Hause transportieren können.

Stefan möchte gerne nochmal Sturmbilder der tosenden Ostsee machen und entscheidet sich für einen erneuten Besuch des Ostseestöpsels. Ich lehne dankend ab, mir ist heute nicht nach Kälte.

Während Stefan weg ist, fange ich ganz langsam mit dem Zusammenräumen unserer sieben Sachen an, packe die einzelnen Mitbringsel zusammen und machen schon ein wenig in den Ecken sauber.

Ich schiebe mir den Relax Sessel direkt in die Sonne und beobachte zwei sich streitende Fasane direkt auf der Wiese vor mir.

Meine Gedanken lassen den Urlaub schon etwas Reveu passieren. Für mich war es ein wunderschöner Urlaub, ich habe ihn bitter nötig gehabt – viel zu viel los war in der letzten Zeit. Und wie bei vielen anderen auch, hat die Pandemie mit all ihren Einschränkungen und Herausforderungen ihr Spuren im Nervenkostüm hinterlassen.

Ich habe die leere Insel wirklich sehr genossen, und die Natur ist ein absoluter Traum. Gefehlt hat mir ein wenig, dass es keine offenen Geschäfte gab, so für einen richtigen Frauen Shopping Bummel… es war aber auszuhalten….

Auch die 14 Tage waren gut gewählt, eine Woche hätte mir tatsächlich nicht diese Entspannung gebracht denke ich. Auch die Wahl der Unterkunft war perfekt und wir haben uns rundherum wohl gefühlt, der Preiß der Unterkunft ist für die gehobene Ausstattung gerechtfertigt und angemessen, als einen besonderen Bonus empfanden wir das gratis Kaminholz, welches zur Verfügung gestellt wurde. Naja und über die Sauna muss ich kein Wort verlieren – da die Energiekosten inkludiert sind, überlegt man hier auch nicht lange…

Während Stefan diese tollen Bilder, von der tobenden Ostsee fotografiert, tobt in mir noch ein anderer Sturm ……

…. Der Sturm einer Mutter die aufgeregter nicht sein könnte. Vor 4 Wochen hat der Sohnemann seine zweite Ausbildung beendet, und wahrlich schon einen langen Weg, mit vielen Hürden seitens der Berufsfindung bestreiten müssen.

Die Prüfung lief laut seiner Aussage suboptimal und wir befürchten alle, dass der Weg noch weiter gehen wird.

Morgen steht nun die Bekanntgabe der Ergebnisse an und ich leide wie ein Hund mit ihm. Kaum einen klaren Gedanke kann ich fassen, habe Magenkrämpfe und ja große Ängste was eine nicht bestandene Prüfung mit diesem jungen Mann macht, der schon so vieles in seinem Leben ertragen musste …. Aber es nutzt alles nicht, wir müssen auf morgen warten und hoffen ….

Als Stefan von Westermarkelsdorf zurück kommt, und sich aufgewärmt hat, strahlt die Sonne immer noch vom Himmel und wir entscheiden uns, an den Fehmarnsund zu fahren, in der Hoffnung einen tollen Sonnenuntergang mit Brücke im Hintergrund zu erhaschen.

Gedacht, gesagt, getan…. Doch leider ziehen auf dem Weg dahin schon wieder die ersten Wolken auf … ob wir trotzdem Glück haben?

Wir fahren dieses Mal auf die andere Seite der Brücke an den Sund heran. Hier in Großenbrode war vor dem Brückenbau der wichtigste Fähranleger. Heute ist nur noch ein kleiner verträumter Hafen zu finden.

Die Sanddünen sind vom Wind zerzaust und man könnte fast sagen es wehte ein Sandturm hier. Die kleine Martin Marina, die Dünen und die Brücke wären so perfekt für eine Sonnenuntergangs Stimmung – kurz sieht es auch danach aus – aber dann kippt das Wetter in Sekunden und es fängt an zu regnen. Das war wohl nix ….

Auf dem Weg zurück nach Vitzdorf ins Ferienhaus, machen wir noch einen kurzen Stopp in Avendorf an der Inselbrauerei Knust.

Wegen der Pandemie ist es leider nicht möglich, hier eine Besichtigung zu machen, der Biergarten ist natürlich auch noch nicht geöffnet (so ein nettes Bierchen im Sturm hätte doch auch mal was …) aber Bier kann man wenigstens Kaufen hier …

Die Knust Brauerei, braut derzeit 6 Craftbiere, laut Angaben der zwei Bierbrauer, typisch nordisch mit einer Prise trockenem Humor. In naher Zukunft möchten die Inhaber der Brauerei, einige Rohstoffe für ihre Biere selbst anbauen und die Energie für die Brauerei über eine Biogasanlage abdecken.

Den vorletzten Abend genießen wir mit einem umbenannten „Stadt – Land – Fluss „ Spiel für Fotografen, welches den sinnigen Namen: Stadt/Land/Foto trägt und Kategorien wie: „In der Kameratasche – Mein letztes Foto war – fotografiert man weitwinkelig oder gar, wenn es Zooms nicht gäbe“ beinhaltet. Was erstmal lustig und leicht klingt, stellte sich als gar nicht so einfach heraus – wir hatten auf jeden Fall viel Spaß – und Diskussionen.

Zwischendurch nutzt Stefan noch mal eine kleine Wolkenlücke für ein paar schnelle Nachtaufnahmen.

Tag 14 – letzter Tag – fast ein (Natur)-wunder

Vom blauen Himmel begrüßt uns heute wieder die Sonne, ob dies ein gutes Zeichen ist?

Unser letzter Tag ist angebrochen, auch andere Zeiten für den Sohn?

In der Nacht habe ich kaum geschlafen vor Nervosität, das Telefonat am gestrigen Abend mit dem Kind konnte mich da auch nicht beruhigen, einer Mutter kann man nun mal nichts vormachen …

Ich schaue jede Sekunde auf die Uhr, bekomme beim Frühstück kaum etwas runter – warte einfach nur auf den Anruf der Klarheit bringt, egal in welche Richtung…

Dann läutet das Handy, im Display der Name des Sohnes, ich schicke noch schnell ein Stoßgebet Richtung Himmel und frage dann nur:“ Uuuuuuund??????“ ins Handy.

Ich höre ein lautes erleichtertes Lachen und eine aufgeregte, gelöste Stimme, die sich überschlägt und sagt „Mama ich habe es geschafft“ – wir können es alle nicht glauben…

Ich zittere am ganzen Körper und Tränen der Erleichterung fließen. Ich vertröste das Kind auf später, da ich nicht reden kann, mir verschlägt es die Stimme – so sehr haben wir alle mitgefiebert und auf genau dieses Wunder gehofft.

Am Frühstückstisch überschlagen sich unsere Emotionen, wir stoßen mit Kaffee an und endlich bekomme ich ein paar Bissen runter – alles ist und wird gut. Ich bin sicher, jede Mutter kann meine Gefühlslage nachvollziehen.

Aber zurück nach Fehmarn, die letzten Tage hatten wir etwas mit unserer Planung gepokert und nochmals auf einen „Schönwettertag“ gehofft. Denn eines wollten wir unbedingt noch sehen in unserem Urlaub: das Naturschutzgebiet Grüner Brink.

Also ziehen wir mit bester Laune los, über Puttgarden Richtung Gammendorf. Wenn man dort der Beschilderung „Badestrand Grüner Brink“ folgt gelangt man an einen Parkplatz direkt hinter dem Deich.

Direkt auf dem Deich starten wir unseren Spaziergang bei schönstem Wetter und klarer Seeluft. Schon auf den ersten Metern sind wir absolut begeistert und verzaubert von der Natur.

Das Naturschutzgebiet zählt als Kleinod der Insel und erstreckt sich über die komplette Nordwest Küste von Fehmarn, auf einer Fläche von 134 Hektar.

Das erste was wir in der Stille wahrnehmen ist ein lautes aufgeregtes Geschnatter, und tatsächlich, als der Blick auf die angrenzenden Wiesen frei wird, entdecken wir hunderte von Nonnengänsen bei ihrer Rast. Welch ein Schauspiel.

Viele weitere Wasservögel brüten hier in der Saison in der nahezu unberührten Natur, und auch jetzt sind neben den Gänsen viele Vogelstimmen zu hören, die wir gar nicht kennen.

Ein Areal hier, ein 2,5 km langer und bis zu 180 Meter breiter Landstreifen, zwischen Deich und Ostsee ist durch den Deichbau 1872 entstanden und steht bereits seit 1938 unter Naturschutz!

Die Natur um uns ist sehr vielfältig und verändert sich sprichwörtlich um jede Ecke. Einmal ist sie maritim, dann erinnert sie an die Lüneburger Heide, dann wiederrum ist sie von viel Wald geprägt. Wir können uns gar nicht satt sehen.

Stundenlang könnte ich hier so laufen und meinen Gedanken nachhängen, unzählige Fotos werden gemacht, um sie zu Hause dann auch der Familie zu zeigen – klar bei leckerer Scholle und Knust Bier, aber erst einmal heißt es die kleinen Dinge der Natur sehen und bewundern, und wiede rmal bin ich dankbar, dass ich einen Blick für diese Miniatur „Naturwunder“ habe ….

Nach fast eineinhalb Stunden, und etwa 2,4 Kilometer kommen wir an den Wendepunkt, das Niobe Denkmal befindet sich vor uns.

Am 26. Juli 1932 kenterte das Segelschulschiff „Niobe“ – ein Viermast Schoner durch einen plötzlichen Wetterumschwung, 800 Meter vor der Küste.

An Bord waren überwiegend junge Offiziersanwärter ohne viel Erfahrung. 69 Mann konnten gerettet werden, aber 40 Mann fanden den Tod im Meer, die Leichen und das Schiff konnten wegen schwierigen Wetterverhältnissen erst 4 Wochen nach dem Unglück geborgen werden.

Seit Oktober 1933 ragt ein schlichter weißer Mast gen Himmel, um an diese Tragödie zu erinnern. Am Stamm befindet sich das original Mastseil des untergegangenen Schiffes.

Wir waren sehr ergriffen, da aktuell Kerzen brannten und frische Blumen niedergelegt waren – die Erinnerung wird also auch heute noch wachgehalten.

Die Sonne blitzt immer noch vom Himmel und tauch das Seegras in ein atemberaubendes Licht – alles funkelt. Auch der Wind bringt faszinierende Muster und Formationen zu Tage, zeichnet sozusagen in den Sand ….

Zurück nehmen wir zuerst ein großes Stück Strand mit und lassen uns noch einmal die Seeluft um die Nase wehen. Undenkbar, dass wir morgen wieder zu Hause sein werden. Jeder von uns hängt seinen Gedanken nach und saugt die Umgebung in sich ein – konserviert für schlechte Tage.

Das Besondere in diesem Naturschutzgebiet sind die drei Strandseen. Um sie herum gibt es gut beschilderte Wege mit etlichen Erklärungstafeln über die Flora und Fauna. Wir können uns einfach nicht sattsehen. Der Kontrast, vom blauen Himmel, der strahlenden Sonne, dann der Strand, das angeleuchtete Seegras und dann wider das Wasser, ist einfach herrlich. Zig  mal bleiben wir stehen und atmen einfach tief ein, Abschiedsschmerz macht sich breit und wir können uns gar nicht losreißen von diesem wundervollen Fleckchen Erde.

Nach einer kurzen Kaffeepause im Ferienhaus – eine Abschieds Rumkugel muss schon sein, entscheiden wir uns, nochmal an die Steilküste hier fast vor der Haustür zu fahren. Auch dieses Fleckchen hat mein ganzes Herz erobert und ich finde es dort faszinierend schön, weil alles so ursprünglich ist.

Leider ist es hier heute tatsächlich mal voll, und der Hund wohl sehr ko von unserem Marsch durchs Naturschutzgebiet. Und so bleiben wir nicht lange und verabschieden uns auch von diesem Ort.

Nun heißt es leider endgültig die Sachen packen und sauber machen, leider.

Ich ermutige Stefan dazu, bei diesem tollen Sonnenschein, den wir den ganzen Tag hatten, doch noch mal zum Sund und der Brücke zu fahren, damit der Wunsch nach einem genialen Bild noch Wirklichkeit wird.

Und er hatte tatsächlich Glück

Auf dem Rückweg zum Ferienhaus hatte er sogar nochmal Glück und erwischte den Hirsch und sein Rudel Rehe am Feldrand, von dem er mir morgens nach der Gassi Runde ein paar Mal erzählt hatte. Welch ein Glückstag.

Heimfahrt und Konfettiregen

Die Nacht war unruhig, und für heute früh gibt es mal wieder eine Sturmflut Warnung. Der Wetterbericht hört sich alles andere als gut an, die Verkehrsmeldungen für unsere Rückreise leider auch.

Etwas früher als geplant wollen wir los, da es sein könnte, dass die Fehmarnsundbrücke wegen des Windes dicht gemacht wird.

Wir holen schnell unseren vorbestellten Fisch in Burgstaaken ab, verstauen ihn und starten dann Richtung Hessen.

Der Abschied von der Insel fällt uns schwer – wir hatten eine wundervolle Zeit hier und sind überzeugt, dass wir nochmal wiederkommen werden. Vielleicht mal im Frühjahr zur Rapsblüte…. Könnte fotogen sein.

Über die Brücke huschen wir noch, doch ein paar Stunden später hören wir im Radio tatsächlich, dass sie gesperrt wurde ….. nicht auszudenken, wenn wir auf Fehmarn hätten bleiben müssen.

Nach knapp acht Stunden Fahrt erreichen wir die Heimat, klar, zu Hause ist es immer wieder schön, aber vermissen werde ich den Wind in den Haaren und die Seeluft in den Lungen, das Lächeln während ich in ein Fischbrötchen beiße …. Irgendwann sicher mal wieder aber dann NACH OSTERN.

Das Ende des Urlaubes stellt ein goldener Konfettiregen für den Sohn dar – für uns ein Urlaubsende für ihn ein Start in die Zukunft …..

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