Corona Auszeit – Energie auftanken an der Mosel

15. Oktober 2020

Wenn es längere Zeit turbulent zugeht im Leben, sehnt man sich nach Konstanten, nach Ritualen und nach einer Auszeit.

2020 ist für uns alle solch ein Jahr, in dem fast nichts mehr so ist, wie es für uns normal war, die Corona Pandemie verlangt viel Verzicht von uns allen, dennoch denke ich, dass es uns hier in Deutschland wirklich noch gut geht. Blickt man etwas über den Tellerrand hinaus, allein nur zu unseren Nachbarländern, sieht die Situation oft schon ganz anders aus.
Der Verzicht auf geliebte große Urlaubsreisen in ferne Länder ist für uns selbstverständlich, trotz allem benötigten wir im Juli eine Atempause vom Alltag und nutzten unseren Hochzeitstag dazu, ein paar Tage an der Mosel zu verbringen.
Leicht getan haben wir uns diese Entscheidung allerdings nicht, wie werden Hygiene Auflagen im Hotel umgesetzt, kann man die Abende gemütlich in Weinstuben verbringen.
Wie ist es allgemein mit Touristen, hält sich die Mehrheit an die Corona Regeln ??? usw. usw. …
Wenn auch skeptisch, weil die Auflagen in Rheinland – Pfalz, lockerer als in Hessen waren, wagten wir es und entschieden uns 4 Tage an der Mosel zu verbringen.

Steil, steiler, am steilsten ….

Wir selbst kommen aus einer kleinen Weinanbau Gegend, der hessischen Bergstraße, sanfte Bergketten, und ein paar nette Burganlagen schmiegen sich ins alte Neckarbett dicht ans Ried. In den Wingerten sieht man die kleinen Wingert Traktoren, alles ist gemütlich zu erreichen ….. doch an der Mosel sieht alles ganz anders aus:

Mit 544 km ist die Mosel der zweitlängste Nebenfluss des Rheines. Das Moseltal ist geprägt durch viele Flussschlingen. Die meisten Weinberge sind in steilsten Hängen, im Rheinischen Schiefergebirge, zu finden, wo sich Otto Normal Weintrinker nicht annähernd vorstellen kann, wie dieser bewirtschaftet wird, und deswegen schnell akzeptiert, dass die Weine dieser Region, genau aus diesem Grund, etwas teurer sind.
Die Weinanbaufläche beträgt etwa 10.500 Hektar – 65% davon mit der einheimischen Rebsorte „Elbling“.
Um Trier herum wird 80% Riesling angebaut, an der Obermosel durch Muschelkalkböden sind es nur etwa 10%, dafür aber ein steigender Anbau von weißem und rotem Burgunder.

Das Moseltal ist die älteste Weinbauregion Deutschlands, schon die Römer pflanzten hier Reben. Durch die Hanglagen in allen Himmelsrichtungen können hier Trauben mit unterschiedlichsten Eigenschaften für abwechslungsreiche Weine angebaut werden.
Rieslingweine von der Mosel sind bekannt für ihre Frucht, Leichtigkeit und Eleganz durch die Schieferböden.
Leider ist der Weinbau in der Moselregion rückläufig, was man immer wieder durch verwilderte Wingerte zwischen den Gepflegten erkennen kann.
Die gesamte Mosel hat 28 Staustufen, 10 davon in Deutschland. Die Moselweinstraße ist wunderbar mit dem Auto befahrbar und der Moselradweg mit 311 km sehr gut ausgebaut. Wer gerne zu Fuß unterwegs ist, findet hier ein fantastisches Wanderweg Netz, der Mosel Höhenweg führt zB. Durch die steilsten Weinberge Europas.
Wir lassen es diesmal aber bewusst sehr relaxed angehen, wollen keinen Touri Stress …

Schlafen wie Prinz und Prinzessin …..( oder auch nicht)

Unterschlupf finden wir in Treis – Karden im Schlosshotel Petry.
Der Ort, und seine ca. 2200 Einwohner, wird durch die Mosel geteilt. Karden liegt links der Mosel am Rande der Eifel und Karden liegt rechts der Mosel am nordöstlichen Moselhunsrück.
Karden war in der Antike und im Mittelalter von großer Bedeutung, da hier bis 1802 ein Kollegiatstift war, in dem Weltpriester ansässig waren.
Treis war Hauptort ein sogenannter Trechirgau, ein mittelalterlicher Verwaltungsbezirk des Herzogtum Lothringens.

Unser familiengeführtes Hotel liegt im Ortsteil Karden.
1950 erwirbt die Familie das Schlösschen, welches eine lange Geschichte aufzuweisen hat. Einst Schloss, dann Kloster, Hospital, Waisenhaus, Schule, Altersheim, Müttererholungsheim, Nähschule und Wirkwaren Fabrik, wird es 1956 zum Hotel.
Senior und Junior Chef stehen hier in der bekannten Küche und zaubern auf Sterne Niveau.

Zum Reisezeitraum war es in Rheinland – Pfalz bereits wieder erlaubt, Essen in Buffet Form anzubieten, bei der Ankunft bekamen wir deshalb erklärt, dass man am Tisch einen (!) Einweg Handschuh vorfindet, den man benutzen sollte, um das Vorlege Besteck anzugreifen.
Das bereits übliche Prozedere von Händedesinfektion, Abstand und Masken war selbstverständlich. Das Servicepersonal hielt sich ebenso daran.

Bereits hier ist uns aufgefallen, dass die Menschen hier sehr reserviert sind, eher einen ungewöhnlich ruppigen Ton haben, erst dachten wir, es sei nur im Hotel so, da es uns in den nächsten Tagen aber überall auffallen sollte, ist es wohl tatsächlich der Menschenschlag hier.

Das Hotel an sich ist recht nett, hat aber unserer Meinung nach, seine beste Zeit schon gesehen.
Allerdings wirkte die ganze Region etwas eingestaubt auf uns, irgendwie in den 1970er Jahre stehen geblieben, was sehr schade ist, denn es steckt so viel Potential in den schönen kleinen Weindörfchen entlang der Mosel – also so gesehen passte das Hotel wieder hier her.
Alles war sehr sauber, und wir hatten ein neu renoviertes Zimmer. Das Frühstücksbuffet war sehr reichhaltig und die Abendessen, die wir aufgrund eines gebuchten Arrangements hier einnahmen, waren absolut erstklassisch.
Was uns allerdings etwas negativ aufgefallen ist, war der Umgangston unter dem Personal, es war ein reinster Machtkampf zu spüren, die Azubis wurden vor den Gästen in einer sehr unprofessionellen Art angemault, dass man wirklich schon eingreifen wollte. Extrawünsche wurden nur sehr zögerlich erfüllt.

In Karden findet man die bedeutendste und älteste Kirche an der Mosel – die ehemalige Stiftskirche St. Castor, die auch Moseldom genannt wird.
Spätestens in der Karolingischen Zeit wurde die erste Kirche an dieser Stelle gebaut. Etwa 1183 beginnt der erste Bauabschnitt der heutigen Kirche.
Im Inneren findet man den sogenannten Castor Schrein aus Holz, aus dem 15. Jhd., die die Reliquien des etwa 400 verstorbenen Schüler des Trierer Bischof Maximin beinhalten. Er wirkte im 4. Jhd. hier als Priester.
Weitere Besonderheiten sind ein Hochaltar, der gänzlich aus Ton geformt ist, eine Stumm Orgel von 1728 und ein vierstimmiges Glockengeläut mit über 3 Tonnen Gewicht.
Ein Museum ist ebenso in angrenzenden Räumen zu finden.
Nunja, uns hat diese Kirche nicht wirklich beeindruckt wenn wir ehrlich sind, liegt aber immer im Auge des Betrachters oder des Kenners.

Mosel Weinberg Pfirsich ….

Im April, wenn selbst die Weinreben noch keine Blätter haben, gibt es an der Mosel einen wahrlichen Blütezauber zu erleben.
Die Landschaft ist in Rosa getaucht – die Blüten des Weinberg Pfirsich sind da.
Ursprünglich kommt die Frucht zwar aus China, doch die Römer halfen ihn hier anzusiedeln, indem sie ihn über die Alpen schleppten und an der Mosel heimisch machten.
Die Frucht unterscheidet sich wesentlich von denen, die wir als platte Weinbergpfirsiche aus dem Supermarkt kennen.  Die Haut ist pelzig bräunlich grün und das Fruchtfleisch ist dunkel Purpur rot. (es lohnt sich im Internet danach zu googeln)
Seit Generation werden mit den Früchten Kuchen gebacken, Eis und Marmeladen hergestellt. Und natürlich Liköre und Schnaps hergestellt. Den „Mosel – Kir“ bekommt man in jeder Gaststätte – Ein mit Prosecco übergossener Weinberg Pfirsich Likör.
Sehr sehr lecker – für Euch getestet und eingekauft.

Gefunden haben wir die Köstlichkeit in flüssiger Form und noch einiges mehr in der „Stifts Brandweinbrennerei“ Michael Hambach in der Castor Str. 14 ein paar Schritte von unserem Hotel.
Auch in diesem Lädchen denkt man, die Zeit ist stehen geblieben, aber der Besitzer selbst bediente uns, hat uns super beraten und uns sehr sehr großzügig alles was wir testen wollten zum probieren gegeben…. Und das nicht in mini Schlückchen, soviel sei verraten. Die Preise sind sehr erschwinglich.
Wieder an der frischen Luft schwankten die Straßen in Karden komischerweise irgendwie.
Herr Hambach führt übrigens abseits der Corona Pandemie, Brandwein haltige Führungen durch Ort, Kirche und Brennerei durch ….

Den ersten Abend an der Mosel ließen wir auf der anderen Fluss Seite ausklingen. Die Auswahl bei den Mengen an Straußenwirtschaften ist uns recht schwergefallen. Wir entschieden uns dann spontan für das „Wein und Sektgut Castor“ in Treis – und haben es nicht bereut.

Los geht´s ….zu den Rittersleut …

Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück, brechen wir auf, um uns die Ehrenburg in Brodenbach anzusehen, die auf einem Felssporn im Ehrbachtal sehr idyllisch liegt.
Leider gibt es nur wenige Parkmöglichkeiten an einem Reiterhof, aber wir werden fündig und machen uns bereit für einen kleinen Fußmarsch zur Burg durch herrlichste Natur.

Im frühesten Mittelalter diente die Burg bereits zur Flucht und zur Verteidigung und war im Besitz der Trierer Kirche.
Im dreißigjährigen Krieg besetzten die Spanier von 1640 – 1651 die Anlage.
Besonders der zu Beginn des 16. Jhd. Erbauten Bastion und Rampenturm mit 4,5 Meter dicken Mauern ist ein einzigartiges Festungsbauwerk der Renaissance.
Spiralförmig zieht sich eine breite Rampe bis zum Turmplateau hinauf – so konnte diese von Pferden und Wägen genutzt werden.
Um ihre Macht zu demonstrieren, bauten die in der Burg lebenden zwei Familien fast zeitgleich einen Turm, dies und andere Begebenheiten und Besonderheiten werden wunderbar auf vielen „Erklärtafeln“ auf der Burg dem Besucher nahe gebracht.
Laut Corona Verordnung mussten wir hier, unsere Hände desinfizieren und Kontaktdaten hinterlegen. Eine Maskenpflicht bestand nur beim Ein/Ausgang und beim Gang zur Toilette. Ebenso wurde auf die Besucheranzahl auf der Anlage geachtet.
Die Burganlage ist gut in Schuss gehalten und wirklich sehenswert, auch mit Kindern, da es ein Quiz gibt (außerhalb der Pandemie gibt es an Sonn/Feiertagen die sogenannte „Lebendige Burg“, mit Gauklern, Handwerkern, Rittern usw.)
Eine Burgschenke mit kleinen Gerichten und Getränken aus dem Tonkrug ist im Innenhof zu finden.
Unserer Ansicht nach ist die Ehrenburg absolut einen Ausflug und den Eintritts Zoll von 3,50/2,50 Euro wert.

Wir fuhren auf unserem weiteren Weg auf der L 206 Richtung Brodenbach, das heisst, Serpentinen Straße vom feinsten

Belohnt werden flatternde Nerven, wenn man am Aussichtspunkt „Hubertushöhe“ anhält, denn hier wird man mit einem fantastischen Moselblick belohnt, bevor man wieder tief einatmet und weiter der Straße folgt.

Dornrösschen und Schwalben ….

Nach der interessanten Serpentinenstraße fahren wir nun immer an der Mosel entlang, es ist einfach eine sehr abwechslungsreiche Natur hier am Fluss. Das viele Grün in all seinen Facetten und das Sonnenglitzern auf der Wasseroberfläche verzaubern einem regelrecht, das Wetter meint es auch gut mit uns – kaum zu glauben, dass der Schein irgendwie trügt und die Welt gänzlich von Corona überschattet wird…

Wir lassen uns die Laune aber nicht verderben und tauchen in ein (Fachwerk) Märchen ein, denn der Ort Beilstein, den wir nun besuchen möchten, wird auch „Dornrösschen der Mosel“ genannt. Er wird in den Reiseführern noch als Geheimtipp angepriesen – wirkt aber auf uns alles andere als verschlafen.
Das komplett unter Denkmalschutz stehende, mittelalterliche Städtchen, mit seinen gerade mal 140 Einwohnern (aus 13 Nationen !!) wirkt eher wildromantisch – Moselromantik pur.
Der Ort ist von einer 1310 erbauten Stadtmauer umgeben, und im Zentrum ist ein Marktplatz von 1322, ein ehemaliges Zehnthaus, sowie ein fürstgräflicher Keller aus dem 18. Jahrhundert zu bestaunen. Alles mutet sich fast wie in einer Puppenstube an … die Menschenmengen, die sich durch die Gassen schieben sind noch überschaubar.

Ganz oben auf dem Berg, über dem Ort Beilstein, thront die Ruine Metternich aus dem Jahre 1637, nach genau diesem Fürsten benannt, von dem man heutzutage den Sekt schlürft.
Etwas unterhalb der Ruine, aber ebenfalls über dem Ort steht die Karmeliterkirche St. Joseph mit angrenzendem Kloster. Beides erreicht man sehr gut über die sogenannte Kloster Treppe.
Da in der Kirche noch ein Gottesdienst gehalten wurde, hatten wir etwas Wartezeit und genossen diese mit einem leckeren Kaffee im dortigen Kloster Cafe, mit herrlichstem Ausblick über die Mosel.

In der Kirche aus dem 17./18. Jahrhundert fällt vor allem die Balthasar König Orgel, von 1738 auf, der 14 Meter hohe Hochaltar aus Nussbaum und Bleiglasfenster aus dem 17. Jhd. Eine sogenannte schwarze Madonna (12. Jhd.), die vermutlich ein Überbleibsel ist, als spanische Söldner im dreißigjährigen Krieg die Region belagerten, macht die Kirche zum Pilgerort.
Bereits 1808 verließen die letzten Patres das gerade errichtete Kloster, es sollte bis 1948 dauern bis sich wieder Karmeliter hier niederlassen. Die schwarze Madonna, die zwischenzeitlich in Trier eine neue Heimat gefunden hatte, zieht 1950 in einer feierlichen Prozession wieder in die Kirche ein

Durch viele kleine Gassen, mit unzähligen Fachwerkhäusern, verzaubert anmutende Winkel, Torbögen und liebevoll gepflanzte Blumen, schlendern wir wieder zurück ans Moselufer. Und nehmen aus dem Augenwinkel noch wahr, dass die Beilsteiner wohl Humor haben, wenn man seiner Pension den Namen „Kein Moselblick“ gibt. Dornrösschen haben wir nicht getroffen, aber ein tolles Örtchen besichtigt, und immerhin hatte ich stets meinen persönlichen Prinzen an der Hand.

Der weitere Weg immer parallel der Mosel entlang führt uns an die Untermosel, in das kleine Örtchen Ediger Eller. Der Ort mit weniger als tausend Einwohnern, liegt am Fuße, von europas steilstem Weinberg – dem Calmont, mit 65 Grad Steigung, auf 378 Metern. 2010 wurde die Gemeinde zum Schönsten Ort in Rheinland – Pfalz gekürt, ehrlich gesagt konnten wir dies nicht wirklich nachvollziehen oder haben die besonderen Ecken einfach nicht gefunden.

Was wir allerdings als sehr hübsch empfanden, war die Kirche St. Martin im Ortsteil Ediger, ihr 62 Meter hoher gotischer Turm, mit 12 Ziergauben ist schon von weitem zu sehen. Der Vorgängerbau stand vermutlich bereits vor 1097 auf diesem Fleckchen Erde. Wahrscheinlich im 15. Jhd. fand die Umgestaltung und Erweiterung in eine zweischiffige, gotische Hallenkirche statt. Im Inneren ist heute noch eine Stumm Orgel von 1775 zu finden. Ebenso ein reich verzweigtes Sterngewölbe mit 117 Schlusssteinen. Die Kirche wirkt wirklich sehr freundlich, hell und bunt auf uns und war nett anzusehen.

Beim durchschlendern der Gassen, fiel uns an einer Hauswand noch etwas sehr Besonderes auf, hier hatte sich jemand die Mühe gemacht, die Ankunft, und den Abflug von Schwalben seit 1984 zu dokumentieren. Bis auf wenige Ausnahmen, kann man ablesen, dass die Vögel immer etwa zur gleichen Zeit im April Einzug halten und Mitte September ihre Reise gen Süden antreten. Ich fand das sehr bemerkenswert.

So hatten wir trotz Corona einen sehr schönen Hochzeitstag, der von einem exquisiten Abendessen gekrönt wurde.

Bereits gestern hatten wir den Tipp von unserem Weinbergfirsichlikörbrenner unseres Vertrauen bekommen, Abends doch mal die Weinstube „Burg Eltz“ zu besuchen.

Dies taten wir an diesem Abend zum Abschluss, ein sehr nettes älteres holländisches Paar verwöhnt einem hier auf einer netten Garten Terrasse mit leckeren Moselweinen. Kleinere kulinarische Köstlichkeiten – auch niederländische, bekommt man hier ebenso wie ein Fremdenzimmer. Wir genossen die Lebensfreude dieser Menschen, und lächelten, wenn sie lautstark den ein oder anderen Schlager aus dem Radio mitsangen. (Corona technisch war hier alles vorbildlich)

Fluchtgedanken, oder Menschen Chaos ….

Der nächste Tag führt uns an die Mittelmosel….
Nachdem uns der gestrige Tag eher in die kleinen beschaulichen Örtchen gespült hatte, wollten wir uns heute mal die bekannten, etwas größeren Orte anschauen. Zuerst stand ursprünglich Traben Trabach auf dem Plan, was aber tatsächlich an einem Parkplatz scheiterte, keine Chance. Eventuell war es einem großen Flohmarkt am Moselufer geschuldet. Bereits hier schauten wir uns erstaunt an, weil wir unseren Augen erst nicht trauen wollten – ein Flohmarkt in Corona Zeiten? Doch tatsächlich, man konnte aus dem Autofenster Menschenmengen sehen, die sich an unzähligen Verkaufsständen vorbei schoben. Wir konnten es nicht glauben.
Wir fuhren kurzerhand weiter, wieder immer an der Mosel entlang und genossen erst einmal wieder die tolle Landschaft, die an uns vorbeizog.
Die Bildqualität, so aus dem Fenster fotografiert, bitten wir zu entschuldigen, aber man kann wirklich nicht an jedem Rebstock anhalten .

Die Parkplatz Suche in Bernkastel – Kues, war nicht wirklich leichter, aber wir parkten dann etwas Außerhalb und liefen dann in die Stadt hinein. Hier ahnten wir noch nicht, wie schnell wir wieder zurücklaufen würden.

Bernkastel – Kues wird als internationale Stadt der Reben und des Weines bezeichnet, und ist staatlich anerkanntes Heilbad.
In den Bergen über der Stadt ist die Burgruine Landshut, einst Sommerresidenz der Trierer Erzbischöfe, nett anzusehen.
Der bekannteste Stadtsohn ist aber der mittelalterliche Kirchenmann und Philosoph Cusanus (Nicolaus von Kues), seine Geschichte kann man in der spätgotischen Stiftsanlage/Cusanusstift verfolgen.
Einst lag hinter den Mauern der Stadt die teuerste Weinlage der Welt, der Riesling Bernkasteler Doctor wurde hier angebaut.

Pro Jahr schätzt man, besuchen etwa 2 Millionen Tagesgäste die Stadt und ihr Fachwerkgewimmel, meist kommen sie über die Brücke, an deren Stelle, 1872/74 bereits eine stand, und man sicher schon damals den herrlichen Blick hatte.
Das einzige was mich an diesem Blick störte, war ein großes weißes Riesenrad am Moselufer. Ich konnte nur den Kopf schütteln. Zu Hause las ich dann zufällig, dass dieses zu Corona Zeiten hier steht, um die Schausteller der Stadt zu unterstützen …. Hmmmmm…

Schon als wir die Ampelanlage überquerten, schwante mir böses, als ich die Massen von Menschen sah, die sich aus dem Zentrum schoben.
Es war für mich fast ein beängstigendes Gefühl, so dass ich freiwillig meine Maske aufsetzte, um irgendwie wenigstens ansatzweise das Gefühl von Schutz zu haben.
An Mindestabstand war nicht zu denken, überall drängten sich Menschen an uns vorbei, man wurde geschubst und noch angemault wenn man was sagte. Was bitte ging denn hier ab?????
Ziemlich schnell erreichten wir den mittelalterlichen Marktplatz mit seinen vielen Giebelfachwerkhäusern aus dem 17. Jhd., dem Spitzhäusschen von 1416, und dem Renaissance Rathaus von 1608.
Im Zentrum des Marktplatzes steht der St. Michaels Brunnen von 1606.

Überall in den Gassen stehen Bürgerhäuser aus dem 16. Und 17. Jahrhundert dicht an dicht, dazwischen wiederum Bauten des 18. und 19. Jhd. Hier trifft Renaissance auf Jugendstil und Gotik auf Barock. Nur irgendwie können wir dies mit den vielen Menschen um uns herum, nicht genießen.
Auf der empfehlenswerten Webseite www.mosel-zweinull.de, hat mir folgender Satz wirklich gefallen, denn genau so empfand ich es auch:“ Phantasievolle Figurenschnörkel und aufwendige Schnitzereien an den Fassaden zeigen 400 Jahre Zuckerbäcker Architektur“. Schön fanden wir auch die vielen Sinnsprüche, die an den Häusern zu entdecken sind.

Die unzähligen Läden, Restaurants, Hotels und Weinstuben konnten einem wirklich leid tun, überall war an den Eingängen zu lesen, wie viele Personen im Inneren nur zulässig wären, auf die restliche Kundschaft musste gewartet werden … wenn diese es denn taten. Und hier in den Gassen, schlängelte sich ein zäher Lindwurm Menschen, dicht an dicht gedrängt durch die nette Stadt. Hiiiiiilfeeee… wo bleibt die Personen begrenzte Zulassung für Innenstädte dachte ich nur.
Als wir tatsächlich einen freien Platz in einem kleinen Cafe erblickten setzten wir uns kurzerhand,um zu beratschlagen, was wir denn nun weiter tun … Da mir die Masse an Menschen hier Corona mäßig tatsächlich irgendwie Angst machte, beschlossen wir, uns noch kurz die örtliche Kirche anzusehen und dann zurück Richtung Hotel zu fahren.

Die Kirche St. Michael mit seiner Barockfassade wurde erstmals 1177 erwähnt, und ist mit seinem 600 Jahre alten Turm recht imposant. Im Inneren findet man vier sehr schöne alte Altare, :den Kalvarien Hochaltar von 1496, sowie den Sebastians Altar aus dem 17. Jhd., den Marienaltar aus Alabaster von 1750 und den Nikolausaltar ebenso 1750 erbaut.

Unsere Abfahrt glich tatsächlich eher einer Flucht, nein, sowas brauche ich momentan wirklich nicht. Wieder der Mosel entlang fuhren wir gemütlich zurück nach Treis Karden, nicht ohne unterwegs nochmal anzuhalten und in einer netten Weinlounge mit Blick aufs Wasser tatsächlich mal den regionalen Traubensaft, eisgekühlt zu versuchen und für gut zu befinden.

Den abendlichen Abschluss, machten wir wieder auf der Eltzer Burg Terrasse in Holland – Prost – durchaus praktisch, wenn man nur ein par Meter ins Hotel stolpern muss.

Abstecher in das Rom des Nordens …

Denn so wird Trier auch genannt ….
Am nächsten Tag besuchten wir die älteste Stadt Deutschlands: TRIER, allein 9 Unesco Welterbe Bauten hat diese Stadt vorzuweisen. Letztes Jahr zur Adventzeit waren wir für eine Nacht hier, um uns den Weihnachtsmarkt anzuschauen. Damals sagten wir gleich, dass wenn wir wiedermal in dieser Gegend sind, wir uns gerne nochmal die Klassiker anschauen würden. Heute war es also soweit. Immer der Nase oder der Mosel nach und schwups waren wir hier und konnten Jahrhunderte alte Geschichte bestaunen.

Über Trier und seine Sehenswürdigkeiten könnte man stundenlang schreiben und schwärmen, wir picken hier aber nur ein paar Stationen heraus, die uns besonders gefallen hatten. Sehr gut im Vorfeld fanden wir die Internetseite  www.trier-info.de , um sich schon mal einzustimmen.

Vom Parkhaus kommend, standen wir sogleich vor der Haustür Triers, der Porta Nigra. Es ist das besterhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen und wirklich ein Koloss. Die Grundsteinlegung war bereits 170 n.Chr. Seit 1986 ist es Unesco Welterbe.

Wenn man sich dann einfach treiben lässt, und der Fußgänger Zone folgt, gelangt man automatisch auf den Hauptmarkt, dem Wohnzimmer der Stadt. Hier im Herzen der Stadt ist an 6 Tagen in der Woche Markttreiben. Das Marktkreuz von 958 ist das älteste in ganz Deutschland. Wenn man sich auf dem Marktplatz langsam um sich selbst dreht, kann man die unterschiedlichsten Häuserfronten, mit Skulpturen, Schnitzereien usw. als Fassadenschmuck  bestaunen.

Ebenso sticht der imposante Petrusbrunnen ins Auge, er besticht mit wehrhaften Frauen, die die Kardinaltugenden, Gerechtigkeit, Stärke, Mäßigung und Weisheit darstellen sollen.

Bewegt man sich nur ein paar Schritte weiter, kann man ihn wahrlich nicht verfehlen oder gar übersehen: Den Trierer Dom, St. Petrus. Hier sind alle europäischen Baustile seit der Antike vertreten. Es ist die älteste Bischofskirche Deutschlands, erbaut ab etwa 314 n.Chr.
Die Besonderheiten sind der Barocke Westchor, die mittelalterlichen Grabmäler, und natürlich der „Heilige Rock“, ein Gewand, dass Jesu bei seiner Kreuzigung getragen haben soll.
Auch wenn wir uns sicher mit dieser Aussage keine Freunde machen, müssen wir sagen, dass wir dieser Kirche nichts abgewinnen können – schön, ist für uns etwas anderes. Sakrale Stimmung haben wir durchaus schon anders erlebt. Wer unsere Blog Beiträge liest, weiß, dass wir keine Kirche auslassen, wo auch immer wir sind, oft lange darin verweilen, weil sie uns in den Bann zieht, viel fotografieren, aber der Dom zu Trier hat leider nicht unser Herz erobert.

Ein kleiner Insider ist allerdings der gotische Domkreuzgang, den man durch das rechte Seitenschiff (2. Glastür plus Holztür durchschreiten) erreicht. Ein Kleinod, welcher durchaus sehenswert ist.

Direkt neben dem Dom, liegt dann unseres Erachtens das Juwel: die Liebfrauen Basilika aus dem 13. Jhd. Auf der Trierer Internet Seite steht:“ Wer sie betritt, taucht in eine mystische Welt aus Licht ein“. Und das ist so wahr! Die Fensterornamente sind absolut einmalig und die Stimmung in der Basilika kaum zu beschreiben. Hier sollte man sich Zeit und Ruhe gönnen, sich auf die Bänke setzen und genießen. Der Kirchengrundriss der Liebfrauen Basilika ist in Form einer 12 blättrigen Rose gestaltet, und der Altar steht im Zentrum, was sie zu einer gotischen Zentralkirche macht. Wenn man durch den Haupteingang hineinkommt, sollte man sich unbedingt einmal auf den Stern dort am Boden stellen, denn genau hier hat man einen besonderen Blick auf alle 15 Säulen und in jede der 8 Kapellen.
Es ist einfach wunderschön hier drinnen.

Wenn wir nun ein paar Schritte mehr durch die Stadt schlendern, stehen wir irgendwann vor dem Kurfürstlichen Palais, fast ein wenig kitschig erschein er einem mit seiner rosa goldenen Fassade. Die Innenräume sind angeblich ein Muss für jeden Rokoko Fan – und ebenso angeblich zählt er zu den schönsten Palästen der Welt. Leider können wir uns kein Urteil erlauben, denn letztes Jahr im Advent, wie auch jetzt ist er geschlossen. Nur ganz selten ist er für Besucher geöffnet.
Zu spüren ist allerdings auch davor, dass der Erzbischof es liebte, sich selbst darzustellen und seine Weltmacht nach außen zu demonstrieren.
Im 16. Jahrhundert fand ein Generalumbau statt, so dass hier im 17. Und 18. Jhd. alle Trierer Kurfürsten und Bischöfe beherbergt werden konnten. Im angrenzenden Palastgarten macht es heute noch Freude entlang zu flanieren.

Unser anschließender Fußmarsch zur Kaisertherme war leider umsonst – hatte ich doch nicht richtig recherchiert und überlesen, dass Ruhetag war – schade! So beließen wir es auch dabei, genossen auf dem Kornmarkt noch ein wenig das Treiben in Trier, sowie einen kleinen Trunk und zogen ein positives Corona Fazit.

Im Gegensatz zu Bernkastel Kues, entzerrten sich hier die Menschenmassen, waren freundlicher und fast alle hielten sich an die Hygiene Regeln. In Restaurants und Cafes wurde einem ein Platz zugewiesen. In den Kirchen wurde auf die zulässige Personenzahl geachtet und Maske getragen – eigentlich doch ganz einfach.
Gemütlich und langsam machten wir uns auf den Heimweg, wieder einfach immer der Mosel entlang.
Da unser lieb gewonnener Holländer heute auch Ruhetag hatte, ließen wir den Abend im Hotelgarten ausklingen, hier müssen wir allerdings erneut anmerken, dass die Freundlichkeit und erstrecht die Aufmerksamkeit sehr zu wünschen übrig ließ, was sehr schade für dieses Haus ist.

Augen zu und durch  drüber ….

Unser letzter Tag an der Mosel startete früh und mit schönstem Wetter.
Wie immer hatten wir uns vorgenommen, den kompletten Tag noch zu nutzen, bevor wir wieder Richtung Heimat fuhren.
Auf unserem Programm stand die Geierlay Brücke in Mörsdorf. Trotz, dass wir beide nicht unbedingt schwindelfrei und Höhen Fans sind, wollten wir uns diese Brücke nicht entgehen lassen, wenn man schon hier in der Nähe ist.
Durch Corona waren wir allerdings etwas abgeschreckt, denn auf der Internetseite war zu lesen, dass die Brücke täglich von 11-19 Uhr von einem Sicherheits Team bewacht werden würde, und immer 30 Personen via Einbahnstraßen System drüber gelotzt wird. Die eine Seite immer zur vollen, und die andere Seite immer zur halben Stunde … das konnten wir uns so gar nicht vorstellen. Als Fotograf hat man ja dann auch gewisse Bilder im Kopf, die man gerne hätte, von solch einem Bauwerk …. Hätte ….
Wir machten uns also früh auf die Socken, denn unser Plan war es, vor der Security auf die Brücke zu kommen, um so den ganzen Hick Hack und vor allem die Wartezeiten zu umgehen.
Der Baubeginn der Geierlay Brücke war im Mai 2015 und sie wurde in einer Rekordzeit von 6 Monaten fertiggestellt. Die Hängeseilbrücke nach nepalesischem Vorbild ist insgesamt 360 Meter lang und 100 Meter über dem Grund des Mörsdorfer Bachtals.
Sie hängt an vier 40mm starken Drahtseilen, hat einen 6 cm Belag aus Douglasien Holz und eine Gehwegbreite von 0,85 m. Insgesamt hat die Brücke eine Traglast von 950 Personen!
Wir parkten am Besucherzentrum in Mörsdorf und legten einen etwa 2 km langen, gut ausgeschilderten Fußweg durch herrlichste Natur bis zur Brücke zurück. Diesen sollte man mit kleineren Kindern unbedingt bedenken, sonst ist die gute Laune gleich im Keller.

Dann irgendwann nach einem kleinen Waldstück, ist sie endlich zu sehen die Brücke, wow! Und dazu noch keine Abriegelung, keine Aufpasser – aber dennoch genug Menschen. Unser Plan ist ziemlich aufgegangen. Ein kurzer skeptischer Blick ins Tal, ein kurzes durchschnaufen und rauf ging es – natürlich selbstverständlich mit Maske, denn man musste doch ziemlich dicht aneinander vorbei.

Also ich fand es eigentlich halb so schlimm wie gedacht und befürchtet. Das Wackeln hielt sich auch einiger maßen in Grenzen. Was allerdings wirklich schwer war, war das Fotografieren, denn mit einer Hand festhalten, musste schon sein . Es war aufgrund der Menschen nicht wirklich gut zu realisieren.
Auf der anderen Seite angekommen, stellten wir fest, dass die Zeit knapp war, und wollten wir nicht diese eine Stunde abwarten, bis man von dieser auf die anderen Seite wieder zurück durfte, mussten wir zusehen, dass wir vor der Security wieder drüben waren. Wenn auch knapp, aber wir schafften es! Was wir dann so von unserem Bank Beobachtungs Posten erlebten, war allerdings nicht so toll.
Ein aufgeplusterter Wachmann, scheuchte im Feldwebel Manier die Menschen über die Brücke, keiner durfte stehen bleiben, kein Erinnerungsfoto durfte gemacht werden, er schrie die Leute regelrecht an. Ja es standen mittlerweile etliche Leute an, aber ich denke alles in allem wäre es auch etwas freundlicher gegangen.
Wir hatten also wirklich Glück – fotografisch dachten wir, ist es wohl am besten, egal ob mit oder Corona, wenn man morgens extrem früh oder abends spät zur Brücke kommt, um sie etwas menschenleerer vorzufinden.
Ein lohnendes Erlebnis war es aber allemal.

Nochmals hoch hinaus ….

Und zwar genau 380 Meter hoch.
Heute sollte nämlich ein Fotomotiv das andere jagen. Unser nächstes Ziel war die bekannte Moselschleife bei Bremm.
Eine Naturkulisse der Extraklasse bieten hier, über dem Örtchen Bremm die steilen Hänge des Calmonts. Ringsum ein wahres Wanderparadies, inklusive dem berühmt berüchtigten Calmont Klettersteiges.
Wir wählten allerdings die Variante für Faule , und fuhren bis zum Parkplatz der römischen Tempelanlagen. Ein paar Meter durch den Wald und schon stand man am 12 Meter hohen Gipfelkreuz.
Der Ausblick ist wirklich gigantisch und verschlägt einem die Sprache. Leider ist eine kleine Ecke der Moselschleife auch bedingt durch die Belaubung der Bäume und Reben nicht zu sehen – angeblich, so sagten die rotköpfigen Wanderer, gäbe es ein paar Meter weiter unten am Hang eine bessere Sicht.
Wir waren uns aber einig, dass uns dieser Blick als Abschluss unserer Tage an der schönen Mosel reichte.

Wir genossen eine Weile schweigend diesen genialen Ausblick und waren einfach nur glücklich, in der momentanen Corona Lage ein paar wunderschöne Tage in einer bezaubernden Gegend verbracht zu haben um unsere Akkus wieder aufzuladen.

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