Riquewihr

7. April 2020

Unser innerliches Grummeln, durch den eintretenden Regen wurde bei Ankunft in unserem Hotel „Au cherf“ leider nicht besser. Ich glaube es war tatsächlich das erste Mal, dass wir Unterkunftsmäßig einen Reinfall erlebten. Das was wir vor uns hatten, hatte tatsächlich null mit dem zu tun, was wir im Internet gesehen hatten.

Der Kellner des Hauses führte uns über seltsame Wege und Stiegen (vorbei an schlafendem Personal auf Bänken) in unser Zimmer unters Dach. Den Koffer hier durch das enge Treppenhaus zu bekommen war schon alleine eine Herausforderung! Ich durfte mir gar nicht ausmalen, was hier so abging, sollte mal ein Feuer ausbrechen. Was wir dann hinter der Zimmertür vorfanden, war auch nicht das gebuchte Dreibett Zimmer (laut Internet war nichts anderes mehr frei!) sondern eine mini Rumpelkammer, total abgewohnt, verschlissen, kaum eine Steckdose und Glühbirne ging. Löcher von irgendwann mal gewesenen Handtuchhaltern etc. glotzten einem an, Tapeten waren an manchen Stellen gar nicht mehr vorhanden…. ABER … sauber war es jedenfalls. In Deutschland wäre es undenkbar solch ein Zimmer zu vermieten. Wie sich die nächsten Tage rausstellte, bräuchten auch die Zimmermädchen dringend Nachhilfe in der Kategorie „wie mache ich ein Bett“.

Leider hatten wir unvoreingenommen wie wir waren, ein Tisch im Haus zum Abendessen vorab reserviert. Das Essen war lecker, da kann man nichts anderes behaupten, allerdings sehr überteuert. Aber dies war, wie wir die nächsten Tage noch feststellten hier tatsächlich überall so… alles hätte tatsächlich 3-5 Euro günstiger sein können. Für ein Bier zum Beispiel tatsächlich 8 Euro zu verlangen grenzt für uns schon an Frechheit.

Das Frühstück war für französische Verhältnisse schon recht üppig, und naja sagen wir mal ok.

Riquewihr selbst ist einer der bedeutenden elsässischen Weinbauorte und liegt zwischen den Gipfeln der Vogesen im Tiefland als mittelalterliche Siedlung mit gerade mal 1100 Einwohnern. Allerdings besuchen jährlich 100 0000 Touristen das nette Dörfchen.

Als wir am nächsten Morgen vom Hotel raus gehen, trauen wir unseren Augen kaum, sehr früh werden hier wohl regelrechte Bus Scharen ausgekippt und die Menschenmassen überfluten das Weindörfchen regelrecht – abends dann kehrt schlagartig Ruhe und Beschaulichkeit in das hübsche Dörfchen ein. Der Unterschied ist schon gewaltig.

Riquewihr wurde im 8. Jahrhundert gegründet. Aufgrund seines unversehrten Stadtbildes aus dem 16. Jhd. wurde es als eines der schönsten Dörfer Frankreichs klassifiziert.

Leider brannten in der Neujahrsnacht 2014 mehrere historische Fachwerkhäuser im mittelalterlichen Ortskern.

Uns hat das gesamte Örtchen an ein Freilichtmuseum erinnert, es war eine bunte Mischung aus engen Pflastergassen, üppigem Blumenschmuck, Reben bewachsenen Innenhöfen, zauberhafte Fachwerkhäuser – die im Inneren wie Puppenstuben wirkten.

Die Häuser hatten oft gemauerte Erdgeschosse in denen sich unterirdisch Kelteranlagen und Weinkeller befanden. Je nach Wohlstand wurden hier Fachwerk oder Steinhäuser errichtet.

Ein paar Bauwerke sind uns hier besonders ins Auge gesprungen:

Das Rathaus von 1808, welches direkt am Ortseingang steht und durch dessen Bögen man in eine andere Welt eintaucht.

Der 25 Meter hohe fachwerkverzierte Torturm Dolder aus dem 13. Jhd.

Besonders abends wurde dieser, ehemals als Verteidigungstor genutzte Turm sehr schön illuminiert.

Insgesamt fanden wir Riquewihr ganz nett, am Tag über leider sehr durch Touristen überfüllt ,aber trotzdem mit Charme. Das ein oder andere kleine Geschäft lud zum stöbern ein und eine handvoll Weinstuben und Lokale verlockten zum einkehren mit mäßigen kulinarischen Highlights, dafür aber wie zuvor schon erwähnt mit recht hohen Preisen.

Weiter geht unser Reisebericht über den Elsaß mit den dort typischen Ladenschildern…

Weiter mit: LADENSCHILDER IM ELSASS

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