Time for new adventures

9. April 2020

Abschied

Nun, wie könnte ich die letzte Nacht beschreiben? Sie war: interessant, lustig, launig, heftig, schaukelnd, hüpfend, ächtzend ….

Gute 6 Stunden, hatten wir bösen Seegang, Windstärke 8 und eine Wellenhöhe von etwa 11 Metern. Das Problem war, dass die Wellen von vorne, der Wind aber von der Seite kam. Man musste sich wirklich konzentrieren, dass man nicht aus dem Bett fällt und in der Kabine stand eigentlich nichts mehr an der Stelle wo man es den Abend zuvor hingestellt hatte.
Nach gefühlt 100 Wendeversuche im Bett, von recht nach links und wieder zurück, fand ich dann irgendwann meine Position, einfach gerade auf dem Rücken liegend kam ich am besten mit der Situation klar, ein wenig autogenes Training damit der Körper gänzlich entspannt. Vielleicht war es das „mentale mitschwingen“, dass es für mich irgendwann wirklich ganz angenehm machte – fast wie eine Ganzkörper Massage. Eine interessante nicht alltägliche Erfahrung auf jeden Fall.

Nach unserem letzten Frühstück, heißt es für uns nun endgültig die Kabine zu räumen. Wir wurden aufgefordert, unsere Koffer zum nächsten Aufzug zu bringen. Dort werden sie von der Crew abgeholt und wir können sie dann in Bergen am Hurtigruten Terminal wieder in Empfang nehmen.

Norwegen gibt noch mal alles und bietet uns eine grandiose Abschiedsvorstellung, ein herrlicher Sonnenaufgang über den Scheren, ein perfektes Zusammenspiel der Naturgewalten.

Wir stehen auf Deck 9 und genießen, saugen jeden Moment ein und brennen sie in unsere Herzen.

Unvorstellbar, dass wir heute Abend schon wieder zu Hause in unseren Betten schlafen werden.

Und tatsächlich dauert es nicht lange, und es kommt die Durchsage, :“ nächster Hafen Bergen“

Das Verlassen des Schiffes, die Gepäckbeförderung und der Transfer zum Flughafen klappt problemlos, alles andere hätte uns auch verwundert.

Viel zu schnell war auch diese Reise wieder vorbei, auch wenn sie in etlichen Dingen, vor allem beim Wetter schon anders war, als vor 6 Jahren, war sie sehr schön und hat für uns denn Sinn der Entspannung und Langsamkeit, sich verwöhnen zu lassen, die herrliche Natur Norwegens zu genießen und einfach mal die Seele baumeln zu lassen, absolut erfüllt.
Gesundheitlich bin ich angeschlagen, eine starke Grippe ist im Anflug, aber da hatte ich wohl bei diesem mistigen Wetter keine Chance dagegen.

Die Sicherheitskontrolle in Bergen ist der Knüller, Stefan und ich müssen beide Handgepäck Stücke komplett auspacken, und jedes Teil der Fotoausrüstung wird gesondert untersucht. Das geschieht wenigsten, durch sehr freundlich lächelndes Personal. Da es mir hier schon hundeelend geht empfinde ich es allerdings als maßlos übertrieben.
Nun aber hebt unser Flieger erst einmal ab Richtung Amsterdam. Der Flug war recht schnell, der Pilot hatte es wohl sehr eilig, schon hier bemerke ich, dass etwas mit meinen Ohren nicht stimmt, ich hörte fast nichts mehr, alle Versuche einen Druckausgleich zu bekommen, scheitern.

In Amsterdam trennen sich die Wege mit unseren Münchnern Freunde, sie nehmen einen anderen Flieger als wir. Sie waren nicht wirklich so begeistert über die Reise wie wir, hatten sehr mit Seekrankheit zu kämpfen und kamen nicht wirklich mit der Dunkelheit und dem Leben an Bord klar, was wir sehr schade fanden. Und an dieser Stelle gerne ein Appell von uns, sich wirklich vorab gut zu informieren, ob diese Seereise, die so gar nichts mit einer Kreuzfahrt zu tun hat, das richtige für einem ist. Man muss wissen, dass es nicht ständig stundenlange Landgänge gibt, und man auch schon mal früh aus dem Bett muss, wenn man was erleben und sehen möchte. Die stetige Dämmerung muss man auf jeden Fall mögen, uns fährt sie extrem runter, und in der Polarnacht ist es halt die einzige Chance Nordlichter zu sehen – und das hatte für uns Priorität. Das wiederrum hat den Nachteil, dass man relativ wenig von der umliegenden Landschaft sieht, wenn man nicht ständig an Deck bei Wind und Wetter stehen möchte.

 Am vorletzten Tag war bei ihnen dann noch der Supergau eingetreten, bei einem Sturz erlitt sie einen Handbruch wie sich später in München rausstellen sollte.
Der Weiterflug von Amsterdam nach Frankfurt fand gefühlt in Überschallgeschwindigkeit statt, keine Ahnung, was an diesem Abend mit den Piloten los war
Mir liefen die ganze Zeit die Tränen vor Schmerzen in den Ohren, ein ganz seltsames Gefühl, wenn man die Welt um sich herum nicht mehr versteht.

Nachdem wir etwas auf unser geordertes Taxi warten mussten, betraten wir um 23.30 Uhr wieder unser zu Hause.

Abenteuer Norwegen beendet.

In den Wochen darauf befand ich mich bei verschiedenen Ärzten. Es wurde ein sogenanntes Baro Trauma festgestellt. Durch die Grippe, die ich schon die letzten Tage auf dem Schiff hatte, und dichte Nebenhöhlen, konnte keinerlei Druckausgleich in den Ohren stattfinden. Der HNO Arzt meinte, ich hätte noch Glück, dass das Trommelfell nicht gerissen war. Antibiotika und viele andere Medikamente waren mein täglicher Begleiter, Ruhe und Schonung war angesagt. Durch den Hörverlust hatte ich Probleme mit meinem Gleichgewichts Sinn, konnte kein Auto fahren und alles erschien mir schief – nur gut, dass ich die letzten Wochen Übung mit schwankendem Seegang hatte J

Nun bin ich auf dem Weg der Besserung, dabei hilft mir auch, das Planen der nächsten Hurtigruten Schiffsreise im Februar 2021, denn das Nordlichtversprechen der Reederei greift, wir hatten keines gesehen – also spendieren sie eine einfache Fahrt nordgehend, ganz einfach und problemlos.

Na dann …. Auf ein Neues!!

Fakten unserer Reise

Wir fuhren mit der MS Trollfjord von 2002. Sie besitzt 297 Kabinen und 45 Autostellplätze. Somit finden 833 Menschen darauf Platz.

Das Schiff beherbergt 170 Mann Besatzung.

Das Schiff hat eine Länge von knapp 140 Metern und ist etwa 20 Meter breit.

Die Maschinenleistung beträgt 12 237 PS und die Höchstgeschwindigkeit ist 30 km/h.

Ein Kapitän der Hurtigrute legt im Jahr etwa 660 000 Seemeilen zurück – für diese Routine, waren wir bei dem Seegang sehr dankbar.

Zum Vergleich: wir haben bei unserer Reise Hin und Zurück 5000 Seemeilen hinter uns gebracht.

Jährlich transportieren die Schiffe der Flotte etwa 86 Mio. Tonnen Güter.

Seit 2018 gib es auf den Schiffen keinerlei Einwegplastik mehr. Für jeden Tag, an dem man seine Kabine nicht richten lässt, ( dies wird durch ein Schild an der Tür kenntlich gemacht) ….Bild Schild …, spendet die Reederei 5 Euro an einen Umweltfond.

Norwegens Küste besitzt 30 000 Inseln und 100 000 Schären, auf 80 000 km Länge, die norwegische Küste ist somit die zweitlängste Küste der Welt.

Wir sind an dieser Küste in 12 Tagen, 34 Häfen angelaufen.

Norwegen gilt als eines der sichersten, modernsten, friedlichsten und reichsten Ländern der Erde.

Dafür kostet z.B. eine Flasche Jägermeister auch dezente 55 Euro.

Die Millionen von Eindrücken, die wir erneut auf dieser wundervollen Reise sammeln durften, sind allerdings unbezahlbar. Eine grandiose Naturlandschaft und sehr sehr nette Menschen komplettieren für uns das Erlebnis Nord – und wir freuen uns soooo sehr aufs nächste Mal.

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