Time for new adventures

9. April 2020

Breitengrad 66 Grad 33`55“

Welch bescheidene Nacht, in der Nachbar Kabine stirnseits hustet sich jemand alle paar Minuten die Seele aus dem Leib, und um 4.15 Uhr geht ein Wecker in der Nebenkabine in Daueralarm und keiner kümmert sich drum. (als ich es später an der Rezeption melde sorgt es für Aufsehen, da wohl ein paar Crew Mitglieder die freie Kabine als Partyraum nutzten)
Ich saß dann halt mal ab viertel vor 5 fix und fertig für den Tag in der Bibliothek.

Das Schiff hat gute 20 Minuten Verspätung. Auf Deck 9 machen sich viele bereit zur Polarkreis Überquerung – Spannung pur in absoluter Dunkelheit.
Um genau 7.48 Uhr taucht der Globus dann im Schiffs Suchscheinwerfer auf, unter lautem Schiffshorn Getute versteht sich. Wir sind nun in arktischen Gewässern und nördlich des Polarkreises.
Auch wenn wir es bereits einmal erlebt haben, ist dieser Moment einfach magisch und beschert Gänsehaut.

Vor der Polarkreis Taufe haben wir noch etwas Zeit und frühstücken gemütlich – minimum eine Portion Lachs am Tag muss schließlich sein!

Im Prinzip müssten zu dem Panoramadecks breite Laufspuren im Teppich zu sehen sein, auch wir folgen diesen und beobachten, wie es draußen langsam dämmert und sich die Landschaft alle 15 Minuten verändert.

Leider ist nichts von dem tollen Licht wie vor 6 Jahren hatten zu sehen – wir können es leider nicht ändern und freuen uns einfach, dass wir es schon einmal anders erlebt hatten.

Um halb elf tut sich langsam was auf dem Aussendeck 9

Arctic Sekt wird das Glas für 13 Euro verkauft – die spinnen doch! Die Fässer mit den Eiswürfeln und der großen Schöpfkellen stehen bereit – genau wie der Aquavit für die Mutigen.

Lauthals werden wir aufgefordert den Gott Njord zu rufen, tief unten vom Meeresboden soll er kommen und die Polarkreistaufe vornehmen. Dieser lässt sich natürlich bitten … 3 Mal.

Dann kommt er tatsächlich und bläßt in sein Meereshorn, er bittet den Sturm gnädig und das Nordlicht großzügig zu sein.

Dann geht es los, einer nach dem anderen tritt zum Kapitän, der unter den Augen des Gottes Njord jedem eine große Schöpfkelle Eiswürfel mit Eiswasser in den Nacken und in die Jacken kippt – für jeden Mutigen gibt es einen Aquavit.

Oh Man(n) was herrlich verzerrte Gesichter, mir rinnt das Wasser bis zum Po J

In der nächsten Schlange, in der wir uns einreihen, kann man besondere Postkarten mit extra Marken und Stempel der Polarkreisquerung kaufen – 5 schicken wir auf reisen.

Auf der Kabine heißt es jetzt erst mal, trockenlegen. Es kullern tatsächlich immer noch Eiswürfel aus dem Pulli.

Heute bleibt nur Zeit für ein schnelles kleines Mittagessen, was ja auch vollkommen reicht. Ein bisschen scharfe Tomatensuppe mit köstlichem Knäckebrot, geräuchertem Lachs und Forelle, und natürlich, wie sollte es in Norwegen anders sein, Schweinekrusten Braten und Knödel J Beim Dessert ist heute Karamell Tag, Eis, Cremes, Kuchen alles sooooo lecker.

Um kurz vor eins, pünktlich zum Schneesturm legen wir in Bodo an. Kämpfen gegen Sturm und Starkregen. Alles trieft, binnen Minuten sind wir klitsch nass. Dann kommt es ja auch nicht mehr drauf an dachten wir und laufen weiter zum Fischerhafen, mit seiner typischen niedlichen norwegischen Szenerien. Fischerhäuser, Kutter und Fährboote, Segel und Sportboote… so nett, wenn nur besseres Wetter wäre!

Nur ein schneller Gang zur Kirche und durchs Städtchen und wieder aufs Schiff. ALLES ist nass und tropft, die Kabine wird zur begehbaren Wäscheleine.

Dann ist ein wenig Ruhezeit angesagt, lesen, Tagebuch schreiben, Kontakt mit zu Hause. Mittlerweile hat man, bedingt durch die stetige Dämmerung vollkommen das Zeitgefühl verloren. Wochentag? Keine Ahnung! Aber genau das ist es, was uns an diesem Urlaub hier in der Polarnacht in Nord Norwegen so fasziniert. Wie es den Körper runter fährt und man den Dämmerzustand im wahrsten Sinne des Wortes genießen kann. Die Dunkelheit, die einem umgibt, kann man sich auch nicht wie die ewig dunkelste Nacht vorstellen, nein „Dämmerung“ trifft es wirklich eher. Tausend Schattierungen von grau und blau. Die schneebedeckten Berge reflektieren das Licht und tauchen alles in eine wirklich mystische Szenerie. Die Stille, die rundum herrscht, tut sein Übriges dazu, dass man völlig relaxen kann.

Das drei Gang Abend Menü ist heute komplett vegetarisch, wir sind ehrlich gesagt etwas skeptisch, werden aber sehr positiv überrascht.
Generell gibt es mit dem Essen auf dem Schiff wirklich null Probleme. Das Frühstücks Buffet ist sehr reichhaltig, alles was das Herz begehrt, viel Obst und gesundes, Eier in vielen Variationen, jede Menge Fisch Spezialitäten, süße Teilchen, Brot, Brötchen, Knäckebrot, Rohkost, Porridge, Cerealien usw. usw. Eine Ecke mit Gluten freien Lebensmitteln gibt es ebenso. Kaffee, Tee, Apfel und Orangensaft sowie angereichertes Wasser, Vitaminshakes und Smoothies stehen als Getränkeauswahl bereit.
Sollte man irgendwelche Extrawünsche haben, kann man jederzeit das sehr freundliche Personal darauf ansprechen.
Genau wie beim Abendessen, bereits morgens hängt das Menü am Eingang des Speisesaales aus, sollte man hierbei etwas entdecken, was man nicht mag, sagt man Bescheid und es wird problemlos geändert. Der Service ist wirklich einmalig.

Heute Abend ist genau beim Essen, wiedermal heftigster Seegang, etliches rutscht von den Tischen und öfters klirrt es irgendwo. Auch hier bewundern wir das immer lächelnde souveräne Servicepersonal wie sie gekonnt die Geschirrberge selbst bei diesem Wellengang balancieren.

Nachdem Essen, gönnen sich die Männer einen Ausflug zur Brauerei „Lofoten Pils“, direkt am Anleger in Svolvaer. Dieser kleine Familienbetrieb braut (natürlich in Deutschland gelernt) in einer ehemaligen Fischhalle mit Hopfen aus Bamberg! Sehr beachtlich für die Größe der Brauerei ist es, dass hier 2 Mio. Liter Bier im Jahr gebraut werden. Einer der größten Abnehmer, ist die Hurtigruten Flotte. Leider war es nicht erlaubt zu fotografieren, aber soviel sei gesagt – die Männer waren nach dieser Bierverkostung ziemlich gut drauf.

Ich bin total müde nach dieser Horror Nacht, und das ausgerechnet am langen Tag, denn ab 22.15 Uhr befahren wir wieder den engen Raftsund. Diese 25km lange Wasserstraße zwischen den Lofoten und den Vesteralen ist an der schmalsten Stelle nur 300 Meter breit.
Auf Deck gibt es frische Fischfrikadellen und starken Trollfjord Punsch – das Expeditions Team erzählt dazu ein Märchen über Trolle.
Leider ist es wiedermal stark bewölkt, fast null Sicht, fotografieren fast unmöglich. Aufgrund dieser Wetterlage kann das Schiff auch nicht an die Mündung des Trollfjords fahren wie geplant – schade.
Imposant ist die Durchfahrt aber trotzdem, Felsen rechts und links vom Schiff, zum Anfassen nah, alles Schnee bedeckt. Sogar ein paar Wohnhäuser stehen hier in diesem abgelegenen Sund – Freiheit pur!
Kurz vor Mitternacht fallen uns nach einem eindrucksreichen Tag die Augen zu.

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