Time for new adventures

9. April 2020

Ein Hunde Wintermärchen

Heute früh konnten wir etwas länger schlafen und somit später frühstücken, denn Programm ist erst ab Mittags. Sogleich stellen wir fest, dass wohl viele Passagiere eher Langschläfer sind – der Frühstücksraum ist absolut überfüllt und laut.

Nach einem kurzen Stopp in Finnsnes fahren wir unter der Gisundbrücke hindurch. Diese Brücke verbindet die zweitgrößte Insel Norwegens, Senja mit dem Festland.

Den restlichen Tag hätte ich heute durchaus nur an Deck verbringen können, die Landschaft ist ein Traum. Mehr als Schauen hätte man nicht gebraucht. Ganz kurz zeigt sich sogar das rosa Polarlicht, welches wir vor sechs Jahren sooo oft genießen durften und dieses Mal so rar ist. Ansonsten ist das Wetter weiter grau in grau, abwechselnd mit Regen oder Schnee.

Kurz vor Tromsö klärt es dann etwas auf und bleibt sogar trocken. Das Einlaufen in Tromsö ist ein Traum. Gefühlt 1 Mio. Lichter glitzern im Dunkeln, alles ist in unendliche Gemütlichkeit getaucht, selbst der Schnee schmiegt sich gekonnt in die Szenerie.

Um 14.15 Uhr und bereits in voller Dunkelheit, bringen uns zwei Busse zur Huskyfarm Villmarkscenter. Durch ein irres unterirdisches Tunnelsystem, wie es für Norwegen ganz typisch ist, über die Tromsö Brücke vorbei an der Eismeerkathedrale, fahren wir an unzähligen zauberhaft beleuchteten Holzhäusern vorbei, wo man sofort ins Träumen gerät.

Als wir aus den Bussen aussteigen, werden wir sogleich von 300 heulenden Huskys begrüßt, und in Gruppen eingeteilt.

Zuerst gehen wir in den Umkleideraum, wo wir Wasser und winddichte Overalls/Jacken, Hosen und Boots bekommen. Nachdem man sich diese angezerrt hat und sich kaum noch bewegen oder atmen kann, geht das Abenteuer auch schon los.

Bereits der 2. Schlitten ist unserer. Das Platz nehmen fällt mit der dicken Kleidung etwas schwer, aber wir sind froh um sie, denn es toben die Schneeflocken um uns als es los geht, und der liegende Schnee ist sehr nass.

Die Hunde sind aufgeregt und bellen – 8 norwegische Huskys ziehen uns, angefeuert vom Musher Johannes. Los geht es durch eine traumhafte Winterlandschaft, nur beleuchtet mit seiner Stirnlampe.

Schade, dass der Himmel nicht klar ist -über seichte Hügel, bis hoch hinauf, so dass wir einen gigantischen Blick über Tromsö und sein Lichtermeer haben.

Der Handy Akku gibt in der Kälte auf und das Kamera Objektiv ist eingefroren, so müssen wir die fantastischen Erinnerungen überwiegend in unseren Herzen speichern.

Es geht rasant in die Kurven und ab und an heben wir bei Steinen etwas ab, so dass mir ein Jauchtzer raus rutscht, es ist beachtlich, welch einen Speed der Schlitten durch die Hunde bekommt, erst recht wenn man bedenkt, dass keine Fliegengewichte auf dem Schlitten sitzen.

Leider ist die Fahrt nach einer guten halben Stunde schon zu Ende. Wir bedanken uns einzeln bei den Hunden für ihre geleistete Arbeit und werden von einem Guide aus Kiel zu den Hundewelpen geführt. Sie sind durchschnittlich 10 Wochen alt und total durchgedreht.

Anschließend geht es zu den anderen Hunden und ihren Hütten. Hier bekommen wir viel über die Geschichte und Philosophie des Villmark Centers erzählt.
Da Stefans Handy noch funktioniert, gehe ich zielstrebig auf ein Hundi zu, der mir ins Auge fällt und mich magisch anzieht. Als dieser mir herzergreifend in die Augen und Seele schaut, sehe ich erst seinen Namen, der an der Hütte steht: HIMMEL  … schon klar, was sonst!
Alle möchten bekrault und geherzt werden, Streicheleinheiten werden einigermaßen gerecht verteilt.

Dann werden wir in eine Jurte geführt, wo uns Kuchen und Tee erwartet. Nach einer kurzen Aufwärmphase, zieht es uns aber noch mal nach draußen, wir suchen eine freie Sicht auf Tromsö, begutachten etwas die Gegend um das Center und gehen auch noch mal zurück zu den Hunden – irgendwie können wir uns kaum losreißen.

Die Busfahrt zurück zum Schiff führt wieder durch ein reinstes Lichtermeer.

Beim Abendessen gibt es natürlich nur ein Thema: Hunde.

 Ja, dieser Ausflug ist recht kostspielig mit 309.- Euro pro Person für 3,5 Std. Spaß. Er ist durchaus viel wert, einmalige Landschaft, Hunde, die ans Herz gehen, viele Informationen und eine kleine Verköstigung, aber vor allem Adrenalin beim Schlittenfahren und unbeschreibliche Gefühle so durch die Polaracht zu gleiten, ABER sicher würde ein Preiß um die 200 Euro reichen. Empfehlen würden wir die Tour aber uneingeschränkt.

Am späteren Abend gibt es eine Stockfisch Verkostung der Küchencrew auf Deck. Ich finde ihn immer noch absolut ekelhaft, schon alleine der Gestank ist echt mies (und er hält sich tatsächlich noch mehrere Tage!) Der Kapitän persönlich demonstriert wie man den Fisch bearbeitet und in kleine Stücke zerlegt. Unfassbar für uns, wie dies eine Delikatesse des Landes sein kann und in so viele Herren Länder exportiert wird.

Die Passage durch den Rystraumen, ist sehr schön, durch diese schmale Meeresenge, drängt sich beim Gezeitenwechsel das Wasser regelrecht durch und erreicht dabei Geschwindigkeiten von bis zu 6 Knoten.
Die Lyngalpen Landschaft rundherum, die uns absolut an die Hochalpen erinnert, können dies aber noch toppen. Der Vollmond beleuchtet die beschneiten Berge regelrecht. Unzählige Menschen lassen sich an Deck dieses Schauspiel nicht entgehen.

Später am Abend dann mal wieder eine Schiffsbegegnung – diesesmal mit der „alten Dame“, der Lofoten

Für den Rest des Abends ist für uns Ruhe im Panorama Deck angesagt, die Hoffnung auf Nordlichter schwindet extrem bei diesem bedeckten Himmel.

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