Winterflucht ins Unbekannte oder wie wir das zauberhafte Mallorca entdeckten und lieben lernten.

24. Januar 2019

Seit einigen Jahren ist es bei uns zur schönen Tradition geworden, dass wir über meinen Geburtstag im November ein paar Tage verschwinden. Lange dachten wir, dass dies 2018 wegen beruflicher Verpflichtungen nicht klappen würde, was jedoch dann anders kam.

Anfang November bekam ich die Zusage, dass es mit Urlaub über meinen Geburtstag dann doch klappen sollte. Zuerst wusste ich nicht, ob ich mich freuen solle, denn jetzt hieß es auf die Schnelle und spontan irgend etwas passendes zu finden. Am Anfang sagten wir uns, wir machen uns keinen Stress und planen nur einen tollen Tagesausflug mit nett essen gehen oder so. Aber mein Mann schwenkte doch recht schnell um und meinte, dass wir die uns geschenkte Zeit doch intensiver nutzen könnten. Doch wohin war die Frage, die im Raum stand. Lapidar sagte ich „ na dann überrasch mich doch“ und so kam es dann auch mehr oder weniger. Tagelang versuchte er mich in die Irre zu führen, fragte ob ich dicke Winterstiefel hätte, am anderen Tag fragte er ob mir mein Bikini noch passe (ich habe noch nie einen besessen), ob ich denn eine lange Flugzeit aushalten würde oder mal ne interessante Bahnfahrt machen wolle….. es wurde mit den Tagen immer abenteuerlicher, und viele Tage bis zu meinem Geburtstag waren es auch nicht mehr hin. Er tippte im Handy, telefonierte, saß am PC und grinste nur vor sich hin.

Da wir schon öfters im November in Venedig waren, dachte ich, dass wir sicherlich wieder dort hin fahren würden, aber dachte auch an die im Netz kursierenden Bilder vom extremen Hochwasser dort. Donnerstags (4 Tage vor meinem Geburtstag) kam er dann nach der Arbeit mit einem Geschenkpäckchen an und sagte mir, dass ich mir nun überlegen könne, ob ich das Geschenk auspacken wolle, somit wüsste wo es hin geht – aber so hätte ich Zeit, mich ein bisschen einzulesen. Oder ob ich mich überraschen lassen wollte, und einfach mit ihm am Samstag zum Flughafen fahren wolle

—————- Stille——- konnte er etwa Gedanken lesen?

Die ganzen letzten Tage dachte ich daran, wie intensiv wir eigentlich immer unsere Urlaube vorbereiten, Reiseführer lesen oder uns im Netz informieren. Ich liebe das, und es steigert emens meine Vorfreude. Mich so blindlings darauf einzulassen wäre mir extrem schwer gefallen, und mit diesen Gedanken öffnete ich das Päckchen. Zum Vorschein kam ein Reiseführer von Mallorca! Wow, dachte ich, der Mann hat zugehört, als ich im Frühjahr sagte, als das Töchterchen von einer Mallorca Reise Bilder der Westküste schickte, wie toll ich das dort fände, und dass es ja schon ein Irrsinn wäre, dass wir zwar schon in Afrika waren, aber noch nie auf Mallorca. Gott sei Dank sind wir zwei gleiche Urlaubs Typen und ich wusste im voraus, dass wir uns 100% nicht in einem Touristen Bunker am Ballermann wiederfinden würden. Meine Freude war riesig! Und so begann ich im Schelltempo den Reiseführer durchzulesen, Ausflugs Ideen raus zu schreiben usw. Zwischendurch fragte ich mich ein paar Mal, ob die Entscheidung für Mallorca gut war, denn so oft las ich, dass die Straßen chaotisch wären, hohe Passstraßen in Serpentinenform zu überwinden wären, die großen Massen an Fahrradfahrern nerven würden, es kaum Parkplätze in den Dörfern gäbe und und und. All dies machte mir schon etwas Magengrummeln.

Unser Start am Flughafen sollte dann auch gleich etwas ins stocken geraten, denn das Flugzeug hatte  ein Triebwerksproblem, und lange stand gar nicht fest, ob der Flug stattfinden kann. Die langen Gesichter der Wartenden sprachen Bände – unsere inklusive. Aber wie immer hatten wir Glück und starteten mit 3 Stunden Verspätung in Richtung der Balearen Insel.

In unseren Köpfen rauchte es allerdings, wie lange hat der Autovermietungs Schalter offen? Oh je, durch die Verspätung im dunkeln diese unbekannten, kurvigen Straßen fahren?! Bekommen wir noch irgendwo Abendessen ? Ja ja alles Dinge die die Welt bewegen … Aber es klappte alles, guter ruhiger Flug, Autovermietung Hertz wie immer sehr freundlich plus ein Auto Upgrade, die Straßen allerdings ein Abenteuer, und ich konnte mich da bereits drauf einstellen, die folgenden Tage im „Auto Klammer Griff“ zu verbringen! Das Thema Abendessen klärte sich auch von alleine, denn unser super netter Hotelbesitzer tippte uns zwischendrin an, als wir Ihm die Verspätung mitteilten, dass es heute im Hotel ausser der Reihe ein Abendessen gäbe und wir gerne daran teilhaben könnten. (In der Nebensaison gibt es in diesem Hotel eigentlich keine Halbpension) …. mehr zum wundervollen Hotel(chen) am Ende des Blogbeitrages.

Aber wo waren wir denn nun eigentlich gelandet auf Mallorca?! Unser Hotel befand sich im ruhigen, beschaulichen Örtchen namens Banyalbufar (600 Ew.), an der nord/west Küste inmitten des mallorquinischen Trumantana Gebirges. Das Ort ist eingebettet in wundervolle Terassengärten auf denen einst Wein angebaut wurde, bis dort am Ende des 19. Jhd. die Reblausplage alles zu Nichte machte. Heute werden dort überwiegend Tomaten, Paprika, Chilis und anderes Gemüse angebaut. Vereinzelt findet man auch noch Wein, den weißen Malvasier.

Da mir selbst, das Tramuntana Gebirge nichts sagte ( ich war schon immer ein Erdkunde Versager), möchte ich hier zu Anfang ein paar Infos loswerden, damit Ihr Euch ein besseres Bild machen könnt inmitten welch herrlicher Natur wir uns befanden. Die Serra de Tramuntana ist ein Gebirgszug im nordwesten Mallorcas, aber auch eine Landschaftsregion wird so bezeichnet. Der Gebirgszug hat in etwa eine Länge  von 88 km und ist durchzogen von wilden Schluchten, die im Sommer oft trocken liegen. Es gibt mehr als 50 Gipfel, der höchste, Puig Major genannt ist etwa 1445 m. hoch, allerdings seit 1958 militärisches Sperrgebiet.  Seit 2011 ist die Trumantana Weltkulturerbe – was wir absolut nachvollziehen können, denn sie ist ein einzigartiger Lebensraum für Mensch und Tier. Für Naturliebhaber, Wanderer ein absolutes Muss!

An jeder Ecke ein Wow Effekt…..

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, sind wir total begeistert als wir die Fensterluke unseres Dachzimmers öffnen … ein einzigartiger Blick aufs glitzernde Meer, direkt vor unserer Nase – und strahlender Sonnenschein, plus 18 Grad im November. So lässt es sich dann ja mal aushalten. Für heute hatten wir etliches geplant und machten uns voller Tatendrang auf den Weg nach Valdemossa. Jetzt konnten wir dann auch einmal im Tageslicht sehen, welche höchst interessanten Straßen wir gestern gefolgt sind. Der Blick aufs Navi lässt einem kurz den Atem stocken, Kurven, Kurven, Kurven ….na dann ! Leitplanken werden hier überbewertet, wenigstens glitzert das Meer in der Tiefe schön. Ich bin sofort von der Landschaft begeistert, knorrige Kiefern, uralte Olivenbäume, jeder anders und interessanter gewachsen, Felswände, kleine Sturzbäche und Heidekraut, begleiten uns entlang des Weges, die Wolken sind zum greifen Nahe und die ein oder andere Kurve ist recht dramatisch!

Entgegengesetzt der gelesenen Reiseberichte, waren kaum Radfahrer auf den Straßen und einen Parkplatz zu finden hatten wir im 400 Meter( somit höchst gelegene Stadt Mallorcas) hoch gelegenen Valdemossa auch nicht. Gleich am Anfang des Ortes gibt es einen größeren kostenpflichtigen Parkplatz, von dem man das autofreie Ortszentrum mit seinen kleinen Kopfstein gepflasterte Gassen gut und schnell erreicht. Der Ort wirkt auf mich wie verzaubert, verträumt und lädt zum gemütlichen bummeln ein. Viele Besucher verbinden das kleine Städtchen mit Frederic Chopin, der den Winter 1838/39 hier mit seiner Freundin George Sand in der Kartause des ehemaligen Karthauserklosters von 1399 verbrachte. Heute kann man das Kloster sowie die Gemächer von Chopin besichtigen, wir hatten allerdings Pech – es war Ruhetag. Nett anzusehen ist das Kloster aber auch von außen. Im kleinen angelegten Garten dahinter findet man einen Teil des Palastes des Königs Sancho und eine Chopin Statue.

Auf dem Platz rund um das Kloster findet man nette kleine Lädchen und Cafes, es herrschte ein reges Treiben. Wir machten dort eine kleine Pause um zwei Köstlichkeiten, die im Reiseführer angepriesen wurden zu verkosten. Vorab hatte ich mir in einer Bäckerei für extrem wenig Geld eine Cocas de Patatas = Hefe Kartoffel Dampfnudel und eine Ensaimadas =süße Hefeteig Schnecke gekauft. Beides war sehr lecker, aber das süße Teilchen war mehr mein Geschmack.

Wir setzen unseren Bummel fort und waren begeistert vom Charme, welchen Valdemossa an jeder Ecke ausstrahlte. Uns fielen die vielen handgemachten Kacheln an den blumengeschmückten Häuserfronten auf. Ich konnte dann in Erfahrung bringen, dass sie der Heiligen Catalina Thomas, die in Valdemossa geboren wurde, gewidmet sind.

Als nächstes besichtigten wir die Pfarrkirche Sant Bartomeu, die bereits im Jahre 1236 erwähnt wurde, in der heutigen Form steht sie seit dem 18. Jhd. Das Hauptschiff präsentiert sich heute in Form eines lateinischen Kreuzes.

Auf Mallorca hat wohl jedes etwas größere Örtchen einen Wochenmarkt, der sollte hier heute sein und so machten wir uns auf die Suche und entdeckten hierbei natürlich noch den ein oder anderen schönen Winkel in Valdemossa

Vom Markt an sich waren wir allerdings mehr als enttäuscht, wenige Stände, bei den meisten hatte man so gar nicht den Eindruck, dass sie spanische Produkte verkauften.
Schade, aber nicht zu ändern. Lässt man den Markt außer Acht ist Valdemossa aber absolut einen Besuch wert.

 

Unser Weg führt uns weiter in das als „Künstlerdorf“ deklarierte Deia. Dieses liegt unterhalb des Berggipfels Teix mit 1062 Metern Höhe. Am Straßenrand gab es ein paar Parkbuchten, aber wir waren mutig und fuhren ins Örtchen rein und fanden einen gebührenpflichtigen Parkplatz und stellten unser Auto direkt unter Orangenbäumen ab

 

Im Ort selbst herrscht eine außergewöhnliche Atmosphäre, enge, malerische und verwinkelte Gassen werden durchzogen von einem rauschenden Wildbach.Man ist umgeben von Terassengärten und knorrigen Steineichen, Palmen und unzählige Zitrusbäume wo man nur hinsieht. In jedem romantischen Winkel findet man Boutiquen, Cafes und Galerien. Hier beim zweiten Ortsbesuch fällt uns allerdings auf, dass in der Nebensaison die meisten Geschäfte bereits geschlossen haben oder zumindest eingeschränkte Öffnungszeiten haben. Der positive Effekt davon ist aber wohl, dass die Straßen nicht voll sind, keine Touristenströme sich durchkämpfen und dass man ausreichend Parkplätze findet. Deia ist ein Ort mit drei Zonen, im unteren befindet sich der Kern des Städtchens , der mittlere parallel zur Straße und der obere bezeichnet die Gegend auf dem Hügel.

Schlendert man durch die Gassen an den alten Naturstein Häusern vorbei auf den Hügel, findet man ganz oben eine alte Pfarrkirche und einen interessanten Friedhof, das Beste allerdings von hier oben ist der gigantische Blick.

Nach dem Besuch von Deia, selbst wenn die Künstler Ateliers geschlossen waren, konnten wir absolut verstehen, warum schon Picasso, Michael Douglas, Pierce Brosman, Peter Ustinov oder Steven Hawking, schon begeistert von diesem Fleckchen Erde waren.

Wir sind unternehmungslustig und fahren nur etwa 3km westlich, wo wir das Landgut Son Marroig besuchen wollen. Das Gut wurde im 15. Oder 16. Jhd. im Renaissance Stil erbaut. Der öster. Erzherzog Salvator lebte z.B. 41 Jahre hier. Heute gibt das zum Museum umgebaute Anwesen, Aufschluss über die Lebensweise des damaligen Landadels. Wundervolle Gärten und ein bekannter Tempel aus weißem Marmor umgeben das Landgut ,welches direkt auf einer Klippe  der Halbinsel Sa Forodada thront. Hier finden wir nur mit Mühe einen Parkplatz. Aber die meisten Besucher scheinen im dazugehörigen Restaurant zu sein, von dem uns ein sehr leckerer Knoblauch und Fisch Geruch in die Nase zieht. Wir sind fasziniert von dem Ausblick den man von hier auf den Lochfelsen Sa Forodada hat. Denn hier hat das Wasser, der Wind und salz ganze Arbeit geleistet und ein Loch mit 14 Metern Durchmesser in einen 82 Meter hohen Felsen gespült. Der Meerblick ist wirklich magisch

Am Museumseingang mussten wir feststellen, dass es leider geschlossen war, obwohl es laut Reiseführer anders aussehen sollte. Somit kamen wir leider nicht in den Genuss der schönen Gärten, des bekannten Tempels oder des etwa 1-1 ½ Stündigen Spaziergangs zum Lochfelsen.

Da wir nun etwas eingeplante Zeit gespart hatten, entschieden wir uns zwarRichtung Banyalbufar zurück zu fahren, aber dann noch etwas weiter westlich noch einen Wachturm aufzusuchen.

Der 8 Meter hohe Wachturm Torre del Verger liegt auf einem Felsvorsprung direkt an der MA 10 zwischen Banyalbufar und Estellencs an den Hängen des Tramuntana Gebirges. Er wurde 1579 zum Schutz vor Piratenangriffen erbaut. Es gibt nur wenige Parkbuchten direkt an der Straße, und in den Sommermonaten muss man wohl höllisch aufpassen, dass das Auto nicht aufgebrochen wird.
Über eine etwas baufällig erscheinenden Treppe gelangt man zum Turm. Bereits unten hat man einen fantastischen Ausblick. Im Inneren befindet sich eine enge Treppe die zu einer Aussichtsplattform führt. Wir blieben unten J

Nach diesem relativ kurzen Stop fuhren wir die Ma 10 noch etwas weiter, durch Estellence hindurch um an den Aussichtspunkt Mirador de ricardo roca zu gelangen. Parkplätze waren hier überhaupt kein Thema ( großes verlassenes Hotel Areal)  und auch die 400 Meter hohe Aussichtsplattform über dem Mittelmeer hatten wir für uns alleine.

 

Als wir da oben so standen und die herrliche Aussicht genossen, kam uns beiden der gleiche Gedanke. Der Sonnenuntergang stand bevor – also wieder schnell ins Auto und zurück zum Torre de Verger. Diese Idee hatten dann doch auch noch ein paar andere und so reiten wir uns ein, neben all die Stative und Fotografen.

Nun sollte es aber genug für heute sein. Kurz im Zimmer frisch machen und dann zogen wir los in der Hoffnung auf ein leckeres Abendessen in einem netten Restaurant im Ort.

Leider wurden wir ein besseres belehrt. Alles, wirklich alles hatte zu. Uns wurde erklärt, dass in der momentanen Nebensaison kaum ein Restaurant auf hätte, und wenn dann nur sporadisch. Auf dem Rückweg sahen wir dann Licht in einer kleinen Einheimischen Tapas Bar, er würde um 20 Uhr öffnen sagte man uns.

Was wir dann dort im „Es Trast“ erlebten war einmalig, eine kleine Bar mit einer handvoll Tische, voll von Menschen die die spanische Bundesliga im Fernsehen anhimmelten, wo die mallorquinische Mannschaft spielte. Eine Geräuschkulisse, eine Lebensfreude, eine Lautstärke wie wir sie in Deutschland kaum kennen. Dazu leckere Tapas (besonders die Käsekroketten) und seeehr leckeren Wein. Authentischer ging es nicht.

An diesem Abend fielen wir voller wundervolle Eindrücke in einem Tiefschlaf, auch dank hervorragender Betten.

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