Zauberhafte Mallorca – Teil 3 – Mut wird belohnt

24. Januar 2019

Unseren vollen letzten Tag auf Mallorca, wollten wir noch einmal voll auskosten, also hieß es bei Zeit raus aus den Federn, leckeres Frühstück genießen, leere Speicherkarten in die Fotoapparate  und Rucksack packen mit Getränken, Knabbereien und Reiseführer.

Heute sollte es zunächst in eine etwas andere Richtung gehen, und so fuhren wir landeinwärts wo die Gegend schon etwas anders aussah, Mandelbäume soweit das Auge reicht, so dass man sich gerne vorstellte, wie sagenhaft dies im Frühjahr zur Blüte aussehen muss. Unser Ziel war das Landgut Raixa in der Nähe von Banyola. Dank einem großen Parkplatz, gab es dort wieder keine Probleme. Da dieses Landgut vom Staat unterhalten wird, kostete es noch nicht mal Eintritt, was uns sehr überraschte. Mitten in Mandelbaumplantagen, Olivenhainen und Zitrusbäume, hat das Landgut im 13. Jhd, seinen Geschichtlichen Beginn und bietet  heute einen Einblick in das frühere leben auf Mallorca.

Die Innenräume sind zum modernen Museum mit vielen Info Pcs und Fernsehern umgebaut, was uns nicht wirklich angesprochen hat, uns zog es vielmehr nach draußen. Überall waren für mich unbekannte, Bäume, Pflanzen und Blumen zu sehen, die Vegetation selbst im November ist hier einmalig.

Draußen findet man auf insgesamt 52ha, Gärten, Wasserspiele, Tempel, Grotten und Statuen die alle stark von der italienischen Renaissance beeinflusst sind. Eine aus Film und Fernseh bekannte (nicht begehbare) Treppe führt in den Apollo Garten, wir mussten allerdings gefühlt querfeldein gehen, was aber durchaus seinen Reitz hatte.

Im mittleren Bereich der Gärten findet man ein 80 Meter langes Wasserbecken, welches die Bewässerung der Gärten ermöglicht. Von hier hat man auch einen tollen Blick ins Tal und auf die Plantagen, weit hinten am Horizont kann man auch schon Palma erahnen. Wir liefen aber noch etwas höher, trotz dass uns heute die hohe Luftfeuchtigkeit bei 22 Grad quälte, denn wir wollten gerne in den am Ende eines schmalen, steinigen und nicht abgesicherten, neo arabischen Pavillon gelangen.

Irgendwann hieß es natürlich auf zum Abstieg. Wir schlenderten noch etwas durch den akkuraten Loggia Garten am Ausgang und verabschiedeten uns dann vom Landgut Raixa.

 

In meinem Reiseführer hatte ich mir ganz dick das kleine Dörfchen Fornalutx markiert. Es wurde hier als angeblich schönstes Bergdorf deklariert, als besterhaltenes der ganzen Insel. Tatsächlich gewann das Dörfchen mit gerade 600 Ew. Bereits mehrere Preise, konnte es beim Wettbewerb des schönsten Ortes Spanien gewinnen. Klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen konnten, und so fuhren wir etwas oberhalb von Soller an den Fuß der Serra de Torrella. In Fornalutx , gab es am Ortseingang winzige Parkbuchten (kostenpflichtig), und wir konnten uns bildlich vorstellen, welch ein Problem das im Sommer sein musste.

Dann schlenderten wir durch enge Gassen, gesäumt von 300-400 Jahre alten Häusern, wir erklommen steile Treppen zogen vorbei an blumengeschmückten Häusern. Man kam sich tatsächlich vor wie in einer Filmkulisse. Unterhalb der gotischen Kirche aus dem Jahr 1639 befindet sich die Ortsmitte mit einem kleinen Platz. Im dortigen mini Lebensmittelmarkt kaufte ich einige Mandarine, Mandeln und landestypische Naschereien für zu Hause. Auf der Terrasse eines Restaurants genossen wir mit Blick auf die Berge die landestypische Mandeltorte mit Vanilleeis und freuten uns, dieses Kleinod gefunden zu haben.

Während der kleinen Kaffee Auszeit beratschlagten wir aber auch, ob wir das nächste Ziel tatsächlich in Angriff nehmen sollten. Viel war im Netz und im Reiseführer zu lesen – über die wundervolle Schlucht Torrent de Pareiss, herrliches Naturschauspiel, extrem gefährlich zu bewandern, eventuell schon wasserüberflutet, bezaubernder kleiner Strand, Naturwunder etc., es reizte uns ehrlich gesagt schon sehr, ABER die Strecke dahin war nicht zu unterschätzen, man konnte lesen, dass eine gewisse Fahrpraxis von Nöten sei für die Pass Straße, man sollte schwindelfrei und keine Höhenangst haben, von engen, hohen Straßen war die Rede, auf denen einem bloß keiner entgegen kommen sollte usw. Mir war etwas mulmig, aber ich stimmte dem ganzen zu. Das nächste kleinere Problem war, dass wir uns dann etwas beeilen sollten, denn es war schon mittags an diesem Tag und im Dunkeln wollten wir die Strecke auf keinen Fall fahren.

Und so machten wir uns auf den Weg in ein neues Abenteuer. Im wahrsten Sinne: Augen zu und durch!

Die 12,5km lange Serpentinenstraße (MA2141) wurde von 1920-1936 zur touristischen Erschließung gebaut. 47.000 Kubikmeter Geröll und Gestein mussten bewegt werden, sicher mit Baumaschinen die wir uns heute kaum noch vorstellen können. Die Straße wird überall als „ Schaustück landschaftlicher angepasster Ingenieurskunst“ beschrieben, und zählt zu den atemberaubendsten Passstraßen Europas. Es sind 12 Haarnadel Kurven und an der steilsten Stelle eine Steigung von 12% (durchschnittlich 6-8%) zu bewältigen. Bei einem Höhenunterschied von 800 Metern hat man atemberaubende Ausblicke auf das glitzernde Meer und seine Buchten aber auch auf die bizarre Bergwelt des Tramuntana Gebirges.

Der Höhepunkt ist allerdings der sogenannte „Krawattenknoten“, eine 270 Grad Kurve, hier kreist die Straße um sich selbst. Auf einem Kleinen Parkplatz unmittelbar an der Kurve, hat man einen fantastischen Ausblick, sieht allerdings auch die Straße, die man noch vor sich hat, und das ist etwas beängstigend J. Im Sommer hat man wohl hier die Möglichkeit zu picknicken und ein Kiosk bietet seine Dienste an.

Der Gegenverkehr besteht bis hier her nur aus ein paar vereinzelten Autos, allerdings sind mehrere Motorräder auf der Strecke. Wir fahren durch ein Gebiet wo es rechts und links nur Berge gibt, Gräser, Bäche – sonst nichts. Nur eine niedrige Leitplanke trennt einem vom Abgrund. Ganz oft mache ich aus Angst einfach nur die Augen zu, meine Handknöchel treten mehrfach weiß hervor, so klammere ich mich am Beifahrer Türgriff.

 

Auf dem Weg zu dieser Strasse passierten wir auch zwei Stauseen. Auf etwa 750 Metern Höhe zuerst dem See Cuber, der seit 1972 geflutet ist mit 4,6 Mio. Kubikmeter Wasser und ein paar Kilometer weiter den Stausee Gorg Blau, dieser einstige Bergsee ist mit dem Cuber See verbunden. Sie dienen als Wasserspeicher für Palma. Am Ufer von Gorg Blau findet man eine Monolithische Säule, welche vermutlich ein antikes Heiligtum ist. Hier bei den Seen befinden sich große Wandergebiete, man ist unmittelbar am Fuße des Puig Major, dem mit 1455m. höchsten Berges von Mallorca in unberührter Natur. Trockensteinmauern, Terrassen und unzählige Jahrzehnte alte Olivenbäume wechseln sich ab mit kargster Berglandschaft. Hier treffen tatsächlich zwei unterschiedliche Vegetationszonen aufeinander. Am Straßenrand sieht man vereinzelt wilde Ziegen, Schafe und Esel. Noch den ein oder anderen Engpass , ein entgegen kommender Reisebus und gefühlten hunderten „Pass auf Schatz“… ist zu überstehen, dann hatten wir es geschafft und folgten der Beschilderung zum Parkplatz der Schlucht. Das großartige, aufregende, atemraubende Serpentinen Erlebnis war geschafft!

In Torrent de Pareiss wird der Parkplatz jetzt in der Nebensaison umgebaut und so haben wir Glück und müssen nichts bezahlen. Im Prinzip stößt man zuerst auf das mini Fischerdörfchen Sa Calabra, hier haben sich etliche Cafes, Selbstbedienung Restaurants und Hotels angesiedelt, und man bekommt eine Vorstellung davon, welch ein Trubel hier wohl in der Hochsaison herrschen muss. Wir sind fast alleine!

Durch zwei in Fels gehauene, beleuchtete Fußgänger Tunnel gelangt man dann an den Eingang der Bucht und steht zuerst einmal völlig ergriffen da. Man versteht, warum dies hier als Mallorcas spektakulärstes Naturwunder bezeichnet wir.

Seit 2003 ist die Schlucht als „Naturdenkmal“ deklariert, und natürlich als Vogelschutzgebiet.

Torrent de Pareiss ist die zweitgrößte Schlucht im Mittelmeer Raum, sie entstand vor etwa 6 Mio. Jahren durch Auswaschungen von Sandsteinfelsen. Das Flussbett hat eine Länge von 3300 Meter und ist eingerahmt von 200 Meter hohen Felswänden. Hier tummeln sich u.a. Wiesel, Marder, Ziegen, Fledermäuse und sogar Mönchsgeier.

Wir hatten Glück und die Schlucht war zumindest am Einstieg noch nicht vollkommen überflutet, wie oft zu dieser Jahreszeit und nach längeren Regenfällen.

Zum Klettern wird diese Schlucht oft wohl sehr unterschätzt und viele wagen ohne passende Ausrüstung oder Kenntnis hier einzusteigen. Erkennbar an unzähligen Warnschildern, und der Info, dass es wohl jährlich bis zu 70 gefährliche Vorkommnisse kommt. Gut das wir nicht klettern.

Der Strand Platja de Torrent de Pareiss, sei er auch noch so klein mit 25m. Länge und 30m. Breite, und nur aus Kies und Geröll , ist sehr zauberhaft, man kann kaum die Augen abwenden von diesem magischen Ort. Die Strapazen der Anfahrt waren vergessen.

Nun hieß es aber wieder schell nach oben und den Heimweg antreten, denn die Dämmerung setzte so langsam ein. Das letzte Abendessen nahmen wir nochmal in der kleinen Einheimischen Tappas Bar ein und wurden nicht enttäuscht. Dann hieß es Koffer packen.

 

Etwas wehmütig waren wir schon, als wir am nächsten Morgen in Aufbruchstimmung kamen, ob wir wollten oder nicht. Solch herrliche Tage haben wir hier verbracht. Das kleine zauberhafte Hotel Interior can Busquets mit seinen lediglich 6 schönen Zimmern, war genau das richtige für uns. Man kann es wirklich als traditionell mallorquinisch bezeichnen. Und obwohl es noch nicht so alt ist, fand es schon Erwähnung im Geo Saison Sonderheft über Mallorca.

Die Atmosphäre ist absolut familiär und wir waren tatsächlich rundum zufrieden und glücklich. Wer allerdings das Flair der großen Touri Bunker braucht ist hier fehl am Platz, denn außer einem kleinen, der Zimmeranzahl angepassten Frühstücks/Speisesaal, einer Küche, in der ein Kühlschrank für die Gäste mit Getränken steht, gibt es im Hotel nichts. Das Vertrauen ist hier groß, denn lediglich ein Zettel mit der Zimmer Nummer ist am Kühlschrank angepinnt, auf dem man notierte, was man entnommen hatte.

Das  Frühstück war in unseren Augen super lecker und authentisch. Frischer ging es auch nicht, denn jeden Morgen wurde man gefragt, auf was man Lust hatte. Es gab täglich wechselndes frisch aufgeschnittenes Obst, frisch gepresste Säfte, Brot mit selbst gemachten Marmeladen. Und absolut traumhaftes „Pa amoli“ – ein mit Knobi und Tomaten eingeriebenes, mit Olivenöl getoastetes Brot. Frische Oliven und ein Omelett z.B. mit Käse. Zwei Stücke Kuchen bildeten den Abschluss. Köstlich und völlig ausreichend. Für immer währenden Kaffee Genuss wurde natürlich auch gesorgt.

Schaut selbst mal hier : www.canbusquetsmallorca.com.

Da unser Abflug erst am Nachmittag stattfindet, haben wir uns eigentlich vorgenommen, Palma etwas zu erkunden, da es aber auf dem Flughafen dort nicht möglich ist, sein Gepäck zu deponieren (im Auto wollten wir es auch nicht lassen) entscheiden wir uns dafür unseren kleinen Urlaubsort Banyalbufar etwas näher anzusehen.

Danach zieht es uns in das „Vorland“ . Wir fahren  parallel zur Autobahn MA 13 in ein paar kleine Orte, die laut Reiseführer recht nett sein sollten. Santa Maria del Cami, Consell, Binisalem. Aber nichts erreicht hier im ländlichen unser Herz, nicht die Orte, nicht die Gegend, nichts. Das Gebiet wird als Zentrum des mallorquinischen Weinanbaues beschrieben, viele Reben sahen wir allerdings nicht und mussten dies ein wenig belächeln, liegt vielleicht aber auch daran, dass wir in einem hessischen Weingebiet wohnen. In Binisalem essen wir noch ein relativ gutes Mittagessen und lassen somit den Urlaub ausklingen, bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen machen.

Hier sind wir zumindest vom Autovermieter wieder sehr begeistert. Die Rückgabe erfolgt problemlos. Vom anschließenden Abfertigungs Chaos in Palmas Flughafen sind wir anschließend aber sehr genervt und somit froh, als wir in unserem Flieger in Richtung Heimat sitzen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich dringend meine „Vorurteils Schublade“ über Mallorca entrümpeln muss. Geht man nicht in die Haupt Turi Bunker oder Gebiete, ist die Insel absolut traumhaft. Einzigartige Natur, freundliche Menschen und leckeres Essen.

Die Nebensaison hat Vor und Nachteile, die Straßen sind relativ leer und die Sehenswürdigkeiten kaum überlaufen. Es gibt  immer genügend Parkplätze und es sind nur extrem wenig Radfahrer, Reisebusse und Motorräder unterwegs, dafür haben bereits etliche kleinere Geschäfte und Restaurants geschlossen.

Wir sind uns auf jeden Fall einig, hier waren wir nicht das letzte mal  !!

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